Das große Christian Rach-Interview | EAT SMARTER
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Christian Rach: „Ich bin weder Heiliger noch Moralapostel“Durchschnittliche Bewertung: 4.8154

Interview mit dem Starkoch & EAT-SMARTER-Experten

Christian Rach: „Ich bin weder Heiliger noch Moralapostel“

Christian Rach gibt persönliche und berufliche Einblicke Christian Rach gibt persönliche und berufliche Einblicke

Als Restauranttester bei RTL hatte er das Image: streng, aber fair. Doch der Spitzenkoch will sich nicht auf eine Rolle festlegen lassen. Er sucht Herausforderungen: Jetzt mit neuem TV-Format beim ZDF – und als Lebensmitteltester für EAT SMARTER.

Das große Christian Rach-Interview Teil 1

Sie haben Kooperation mit EAT SMARTER ein Siegel für vorbildliche Lebensmittel herausgebracht. Warum wurde der Restaurant-Tester zum Lebensmittel-Tester?

Christian Rach: Das eine ist nicht von dem anderen zu trennen. Sich um Restaurants zu kümmern, bedeutet ja auch immer, sich mit Lebensmitteln zu beschäftigen. Im Supermarkt achte ich sehr genau darauf, was ich einkaufe. Dabei bemerke ich auch, dass viele Menschen nicht recht wissen, was sie einpacken sollen. Ich spüre die Blicke der anderen – nach dem Motto: „Was hat Christian Rach im Wagen? Das kaufe ich dann vielleicht auch.“ Als wäre schon die Tatsache, dass ich etwas einkaufe, eine Art Gütesiegel. So kam ich auch auf die Idee, Lebensmittel zu testen und zu empfehlen.

Was ist denn das Hauptkriterium, nach dem Sie die Lebensmittel testen?

Christian Rach: Alltagsrelevanz. Es geht also nicht um Nischenprodukte aus dem Biomarkt, sondern um Produkte, die jeder kauft. Das fängt bei Kaffee an, geht über Butter, Brot, Bier bis hin zur Tomatensauce.

Haben Sie als Sternekoch nicht einen eher elitären Geschmack?

Christian Rach: Nein, überhaupt nicht, aber einen guten Geschmack. Ich glaube, die Kunst des Erfolgs ist es, einfach zu bleiben – das gilt auch für die Essgewohnheiten. Klar ist es toll, mal einen Steinbutt zu essen. Aber das ist ein Festtagsmahl. Die eigentliche Kunst ist es, auch aus Kartoffeln, Karotten und Zucchini etwas Vernünftiges zu machen.

Was landet denn nun bei Ihnen privat im Einkaufswagen?

Christian Rach: Ich kaufe vor allem frisch ein. Ich bin in der glücklichen Lage, mir das leisten zu können.

Heißt das, Sie kaufen keine Fertigprodukte?

Christian Rach: Doch, natürlich kaufe ich auch fertige Produkte. Zum Beispiel Nudeln. Wenn Sie das Haus voller Kinder haben, dann haben Sie nicht die Zeit, Nudeln selbst zu machen. Dafür sind Convenience-Produkte ja da: Sie sollen der Bequemlichkeit dienen. Heute ist es gesellschaftliche Realität, dass Mütter und Väter arbeiten. Da bleibt nicht viel Zeit zum Kochen.

Und deswegen geht der Trend immer mehr zu Fast Food?

Christian Rach: Dieser Begriff ist in Deutschland sehr negativ besetzt, weil er vor allem für amerikanische Schnellrestaurant-Ketten steht. Fast Food ist bei uns das Synonym für Burger und Pommes. Aber Fast Food heißt eigentlich nur schnelles Essen. Wenn Sie sich in der Welt umschauen, werden Sie sehen: Es gibt hervorragendes Fast Food. Frische, sauber vorbereitete und fertig gewürzte Gerichte, die alles bieten, was Sie für eine ausgewogene Ernährung benötigen.

Was ist ein Beispiel für gutes Fast Food?

Christian Rach: Im Trend liegen zurzeit asiatisch angehauchte Gerichte. Sie eignen sich besonders gut, um vorbereitet und dann nur noch kurz fertiggestellt zu werden. Aber auch fantasievoll kombinierte Salate, leckere Suppen oder köstliche deutsche Eintöpfe sind nicht teuerer als Burger, Pommes und Currywurst.

Alle Welt will gesund essen, aber manchmal hat man den Eindruck, bei gesunden Produkten kommt der Geschmack zu kurz. Sehen Sie das ähnlich?

Christian Rach: Nein, überhaupt nicht. Erstens gibt es keine Definition, was gesund ist. Wir können nur definieren, was ungesund ist. Aber auch gesunde Lebensmittel können ungesund sein, wenn man sie in zu großen Mengen zu sich nimmt. Und wenn wir uns darauf einigen, was ungesund ist, dann bleibt immer noch eine große Menge von Lebensmitteln übrig, von der man sagen kann: In Maßen genossen sind die Sachen gesund. Aber warum sollen sich guter Geschmack und Gesundheit ausschließen?

Das ist ja das gängige Vorurteil. Viele Konsumenten glauben: Wenn etwas gesund ist, kann es eigentlich nicht richtig schmecken.

Christian Rach: Das ist überholt. Zu Beginn der Öko-Kocherei hatte gesundes Essen das Image null Fett, null Salz und null Eigengeschmack zu enthalten. Heute gibt es gerade im vegetarischen Bereich viel Abwechslung und kulinarische Highlights. Generell gilt: je besser ein Restaurant, desto gesünder das Essen. Ich kenne keine guten Restaurants, die ungesunde Gerichte auf den Tisch bringen. Das Zauberwort heißt Ausgewogenheit. Das gilt für die Kartoffel mit Quark wie für das Menü beim Drei-Sterne-Koch.

Was Christian Rach zur Qualität von Lebensmitteln sagt, lesen Sie auf der nächsten Seite.

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