Der Trick mit den Zusatzstoffen: Was hinter den E-Nummern steckt | EAT SMARTER
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Verbraucherschutz

Der Trick mit den Zusatzstoffen: Was hinter den E-Nummern steckt

Ernährungsexperten, Köche und Verbraucherschützer raten: Essen Sie möglichst Lebensmittel ohne Zusatzstoffe. Doch was steckt hinter diesen Stoffen mit ihren E-Nummern, warum werden sie überhaupt eingesetzt und wieso raten viele Experten vom Verzehr ab? Silke Schwartau von der Hamburger Verbraucherzentrale klärt auf.

 

Frau Schwartau, wie viele Lebensmittelzusatzstoffe gibt es?
In der Europäischen Union werden derzeit 319 Zusatzstoffe eingesetzt. Sie haben unterschiedliche Aufgaben. Es gibt zum Beispiel Farbstoffe, Geschmacksverstärker oder Konservierungsstoffe, die das Essen haltbar machen. Diese werden in vielen Lebensmitteln eingesetzt und sind mit E-Nummern gekennzeichnet.
Warum brauchen wir so viele Zusatzstoffe?
Die Industrie entwickelt andauernd neue Stoffe und zieht daraus finanzielle Vorteile. Ein Lebensmittel, angereichert mit Geschmacksverstärkern, ist in der Herstellung natürlich viel billiger. Ein Gramm Aroma kann ein Kilogramm Lebensmittel mit Geschmack anreichern. Das ist aus unserer Sicht Verbrauchertäuschung.

Dass die Industrie billig produzieren will, kann man ihr natürlich vorhalten. Trotzdem: Alle Zusatzstoffe werden kontrolliert, ehe sie zugelassen werden.
Das stimmt, jeder Stoff wird von der EFSA, der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit, überprüft. Zum Beispiel in Tierversuchen. Aus diesen Ergebnissen wird dann ermittelt, wie viel davon für den Menschen am Tag unbedenklich ist. Dieser ADI-Wert ist deutlich geringer als bei Tieren. Trotzdem sind wir der Meinung, dass wirtschaftliche Interessen häufig vor möglichen Gesundheitsrisiken stehen.

Wann ist dies denn der Fall?
Bei bestimmten Zusatzstoffen raten wir eindeutig von einem Verzehr ab. Diese 16 Stoffe haben wir in einer Broschüre publiziert. Dazu gehören Farbstoffe, Süßstoffe oder Säuerungsmittel. Sie können Allergien oder Magenprobleme auslösen und die Gesundheit der Menschen erheblich beeinträchtigen. Daneben gibt es weitere Stoffe, bei denen wir von einem zu häufigen Verzehr abraten. Dazu gehören Geschmacksverstärker wie Glutamat. Diese Liste ist deutlich länger.

Aber warum kommt die EFSA nicht zu diesem Ergebnis?
Es gibt viele Dinge, die eben nur schwer zu kontrollieren sind. Dazu gehören zum Beispiel Wechselwirkungen mit Umweltgiften oder Arzneimitteln. Individuelle Empfindlichkeiten spielen bei den EFSA-Untersuchungen keine Rolle. Außerdem sollte man bedenken, dass durch eine einseitige Ernährung die ADI-Werte sehr schnell erreicht sind. Zum Beispiel, wenn Kinder sehr viele Softdrinks konsumieren.

Stammen Ihre Erkenntnisse aus eigenen Untersuchungen?
Wir werten die Studien der EFSA aus. Aber wir erhalten auch Studien von NGOs oder vom Bundesamt für Risikoforschung. Dabei gibt es Gutachten, die zu einem völlig anderen Ergebnis als die EFSA kommen.

Können diese Erkenntnisse den Verbraucher wirklich schützen?
Durchaus. Seit Juli 2010 muss bei Lebensmitteln mit Azofarbstoffen ein Warnhinweis aufgedruckt werden. Sie können die Aufmerksamkeit von Kindern beeinträchtigen...

... aber trotzdem noch verkauft werden?
Ja, aber die Hersteller haben reagiert. Mittlerweile gibt es immer weniger Lebensmittel mit Azofarbstoffen im Handel. Der Umsatz dieser Produkte muss wohl zurückgegangen sein.

Viele Lebensmittel tragen solche Hinweise nicht. Was kann der Verbraucher hier tun?
Kaufen Sie wenige Produkte mit Geschmacksverstärkern oder Aromen. Das gleiche gilt für Lebensmitteln mit Süßstoffen. Versuchen Sie, so viele Lebensmittel wie möglich selbst und frisch zuzubereiten. Wenn auf den Verpackungen viele E-Nummern stehen, lassen Sie die Finger davon. Viele Hersteller drucken statt der Nummern die Namen der Stoffe auf die Liste. Bei schwer verständlichen Begriffen sollte man vorsichtig sein.

Riboflavin oder Lutein klingen kompliziert, sind aber als Farbstoffe unbedenklich. Wie kann man da unterscheiden?
Natürlich muss sich der Verbraucher mit den Stoffen auseinander setzen. Im Zweifel sollte man nachfragen. Wir haben eine Broschüre herausgegeben, die über die Stoffe informiert.

Wie sieht es mit Bio-Lebensmitteln aus?
Dort ist die Situation besser. Bio-Hersteller dürfen keine Farbstoffe oder Geschmacksverstärker einsetzen. Die 44 erlaubten Stoffe sind zumeist unbedenklich.

Frau Schwartau, vielen Dank für das Gespräch Davor warnt die Hamburger Verbraucherzentrale:

 

Farbstoffe

Zusatzstoff Warnhinweis

Tartrazin
(E 102)

Kann Aufmerksamkeit von Kindern beeinflussen.

Chinolingelb
(E104)

Kann Aufmerksamkeit von Kindern beeinflussen.

Sunsetgelb
(E 110)

Im Tierversuch wurden Nierentumore festgestellt, vermutlich Auslöser für Neurodemitis, kann Aufmerksamkeit von Kindern beeinflussen.
Azorubin, Carmoisin
(E 122)
vermutlich Auslöser für Neurodemitis, kann Aufmerksamkeit von Kindern beeinflussen.

Amaranth
(E 123)

Roter Azofarbstoff, zugelassen für Aperitifweine, Spirituosen und Fischrogen. In Einzelfällen allergieauslösend.

Ponceau 4 R, Cochenillerot A
(E 124 A)

Bedenklich für Menschen mit Asthma und Neurodemitis, kann Aufmerksamkeit von Kindern beeinflussen.

Erythrosin
(E 127)

Allergieauslösend, kann Schilddrüsenfunktion beeinflussen.

Allurarot AC
(E 129)

Kann Aufmerksamkeit von Kindern beeinflussen.

Grün S
(E 142)

Verursachte in Tierversuchen Erbgutschäden.
 

Konservierungsstoffe

Zusatzstoff Warnhinweis

Borsäure
(E 284)

 

Kann bei langfristiger Aufnahme Durchfälle und Organschäden auslösen, heute nur noch für Kaviar zugelassen.

Natriumtetraborat
(E 285)
Eine Form der Borsäure.
 

Antioxidationsmittel

Zusatzstoff Warnhinweis
Calcium-dinatrium-ethylen-diamin-tetraacetat
(E 385)
Für Dosen und Glaskonserven zugelassen. Kann den Stoffwechsel beeinträchtigen.

Süßstoffe

Zusatzstoff Warnhinweis
Quillajaextrakt
(E 999)
Stabilisiert die Schaumbildung, kann aber Blutgifte enthalten.
Propylenglycol
(E 1520)
Bei hoher Dosierung können Vergiftungen auftreten.

Säuerungsmittel

Zusatzstoff Warnhinweis

Zinn-II-Chlorid
(E 512)

 

Für Glaskonserven von weißen Gemüsesorten zugelassen, um die Farbe zu erhalten. Kann in hohen Mengen zu Erbrechen führen.

Verdickungsmittel

Zusatzstoff Warnhinweis
Konjak
(E 425)
Kommt zum Beispiel in Glasnudeln vor. Ist in Europa für die Herstellung von Gelee-Süßwaren mittlerweile verboten, da es bei Kindern zu Erstickungsfällen geführt hat.

Quelle: Hamburger Verbraucherzentrale Neben diesen Stoffen, nennt die Verbraucherzentrale noch weitere Zusatzstoffe, bei denen sie von einem zu häufigen Verzehr abrät. Die vollständige Liste kann bei der Hamburger Verbraucherzentrale bestellt werden (Preis: 4,90 Euro). Weitere Informationen zum Thema finden Sie im Internet unter zusatzstoffe-online.de.

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Schweinerei was mit der Menschheit getrieben wird!Ständig versucht man alle zu verarschen,täuschen,nur wegen Geld, Profit.Die Menschheit ist eine kranke Spezies.Nicht mal Tiere würden sich so etwas antun!Alles was Chemie ist müsste verboten werden!Aber Deutschland ist eh ein Lari-Fari-Land.Nicht streng genug!Wenn alle krank werden,(was ja jetzt schon passiert),und an den ganzen Giften(ìm Essen,Medikamenten,etc.)verrecken,wird man villeicht härter durchgreifen!Aber bis dann...wer weis
 
http://de.wikipedia.org/wiki/Amarant_%28Pflanzengattung%29 E123 sollte einen andere Bezeichnung haben. Schoko-Amarath Knuspermüsli mit 11% Amaranth nach EU-Öko-Verordnung mit Biosiegel. Musste es erst im Netz recherchieren. Dachte erst Aldi wolle mich komplett vergiften (Spaß).
 
Sehr interessant, gibt es schon seit 2007 im Handel. "Zusatzstoff-AMPEL: E-Nummern, Farbstoffe & Co. Schädlich oder unbedenklich: was das Etikett verrät"
 
Gut soetwas zu Erfahren