Warum wir Fett brauchen | EAT SMARTER
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Warum wir Fett brauchenDurchschnittliche Bewertung: 4.8154

Besser als sein Ruf

Warum wir Fett brauchen

Fettarme Lebensmittel und Low-Fat-Diäten sind beliebt wie nie zuvor. Aus Angst vor Übergewicht und Krankheiten wird Fett deshalb von vielen so häufig wie möglich gemieden. Dabei braucht unser Körper Fett. Denn ohne kann er nicht funktionieren. EAT SMARTER erklärt, was eigentlich Fett ist, welche Aufgaben es hat und wie viel wir wirklich davon brauchen.

"Nur 0,1 Prozent Fett!" Derartige Werbeslogans, fettreduzierte Lebensmittel und zahlreiche Low-Fat-Diäten vermitteln den Eindruck, dass Fett etwas Schlimmes ist und zahlreiche Probleme nach sich zieht. Und tatsächlich: Zu viel Fett kann unter anderem zu Übergewicht, Bluthochdruck und Herzinfarkten führen. Trotzdem sollte man Fett nicht grundsätzlich verteufeln. Denn es macht nicht nur dick und krank. Es ist für den Körper überlebenswichtig.

Was ist Fett?


Fettgewebe besteht aus einzelnen Fettzellen, die mit einem Fetttropfen gefüllt sind. Wenn sich die Fettmenge ändert, man also zu- oder abnimmt, dann vergrößert oder verkleinert sich der Tropfen in der einzelnen Zelle. Die Anzahl der Fettzellen selbst verändert sich im Erwachsenenalter nur noch geringfügig.



Fett steckt in vielen Lebensmitteln. Mit jeder Scheibe Käse und jedem Stück Fleisch gelangt es in unseren Körper. In Magen und Darm wird es in einzelne Fettsäuren zerlegt, die anschließend ins Blut übergehen. Auf diesem Wege können die Fettsäuren genau dahin transportiert werden, wo sie gebraucht werden. Nimmt man mit der Nahrung mehr Fettsäuren auf als der Körper benötigt, scheidet er diese nicht wieder aus, sondern speichert sie. Bei Bedarf können die Fettzellen die Fettsäuren jederzeit wieder abgegeben. So kann man in Notzeiten länger als einen Monat ohne Nahrung auskommen. Diese Schutzfunktion ist in Europa mittlerweile überflüssig und die Fettreserven, die sich besonders gern an Hüfte und Bauch sammeln, sind heute ziemlich unbeliebt.

Warum geht es nicht ohne Fett?


Doch Fett ist wichtig und wird überall im Körper gebraucht. Die größte Aufgabe vom Fett ist, Energie zu liefern. Das kann kein Nährstoff so gut wie Fett. Ein Gramm hat neun Kalorien. Zum Vergleich: Ein Gramm Kohlenhydrate liefert vier Kalorien. Außerdem dient Fett als Baustein für die Produktion von Hormonen, die unter anderem den Bluthochdruck regulieren oder entzündungs- und gerinnungshemmend wirken. Auch die Vitaminversorgung ist von Fett abhängig: Es gibt bestimmte Vitamine (A, D, E und K), die nur vom Körper aufgenommen werden können, wenn sie in Fett gelöst sind.

Als Bodyguard der inneren Organe fängt Fett außerdem Schläge und Stöße ab und schützt vor Schmerzen. Besonders an der Fußsohle und am Hintern gibt es ausgeprägte Fettpolster, die beim Laufen oder Hinsetzen abfedernd wirken. Zudem isoliert Fett die Wärme im Körper und vermeidet so, dass wir frieren.

An welchen Körperstellen wird Fett gebraucht?


Prinzipiell können Fettzellen überall im Körper eingelagert werden. Am liebsten speichert der Körper die Energiereserven aber genau da, wo wir sie gar nicht gern sehen: an Po, Bauch und Hüfte. Doch auch an anderen Stellen wird Fett benötigt. Die Fettsäuren, die der Körper für die Hormonproduktion benötigt, sind in den Organen gespeichert. Dazu gehören zum Beispiel das Herz, die Lunge, die Leber, die Nieren oder auch der Darm. Die einzigen Stellen, an denen Fett nicht eingelagert werden kann sind: Hand- und Fußrücken, Nase, Lippen, sowie die Ohrmuschel.

Wie viel Fett brauchen wir?


Wie viel Fett der Körper braucht, ist individuell unterschiedlich. Faktoren wie Alter, Geschlecht und Körperbau beeinflussen, wie viel Fett gut für uns ist. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt, täglich zwischen 60 und maximal 80 Gramm Fett aufzunehmen.

Um für schlechte Zeiten vorbereitet zu sein scheidet der Körper überschüssiges Fett nicht aus, sondern speichert es. Sammelt sich jedoch zu viel Fett an, steigen die Blutfettwerte, wie zum Beispiel für Cholesterin. Das führt zur Verkalkung von Blutgefäßen und damit möglicherweise auch zu Herzinfarkten und Schlaganfällen. Aber auch die Hormonproduktion gerät dann aus dem Gleichgewicht. So kann bei Männern unter anderem der Testosteronspiegel sinken. Doch auch zu wenig Fett schränkt die Körperfunktionen ein: Die Hormonproduktion und auch das Immunsystem werden geschädigt.

Durchschnittswerte für den optimalen Körperfettanteil:

FrauenMänner
Altergutmittelschlechtgutmittelschlecht
17-22 %22-27 %> 27 %12-17 %17-22 %> 22 %
20-3018-23 %23-28 %> 28 %13-18 %18-23 %> 23 %
30-4019-24 %24-29 %> 29 %14-19 %19-24 %> 24 %
40-5020-25 %25-30 %> 30 %15-20 %20-25 %> 25 %
> 5021-26 %26-31 %> 31 %16-21 %21-26 %>26 %

Wie messe ich meinen Körperfettanteil?

Für den normalen Hausgebrauch gibt es viele Körperfettwagen. Sie leiten minimale Strommengen durch den Körper. Anhand der unterschiedlichen Widerstände - Fett hat einen niedrigeren als andere Gewebe - kann die Waage so einen Gesamt-Körperfettanteil berechnen. Diese Messungen sind jedoch sehr ungenau: Sie vermessen zum größten Teil nur die Beine. Bis zur oberen Körperhälfte gelangt der Strom meist nicht. 2005 hat das Gesundheitsmagazin "Healthy Living" Körperfettwaagen getestet und die Ergebnisse von verschiedenen Modellen mit denen von einem professionellen Messgerät der Sportmedizinischen Zentrums Hamburg verglichen. Die Resultate waren eindeutig: bis zu 40 Prozent wichen die Messungen voneinander ab.

Jeden Tag Pommes und Chips?


Leider ist Fett nicht gleich Fett. Es gibt "gute" und "schlechte" Fette. Decken Sie ihren Fett-Tagesbedarf daher nicht mit Pommes und Chips, sondern lieber mit Fisch und hochwertigen Ölen. Sie sind sich unsicher, zu welchen Lebensmitteln Sie greifen sollen? EAT SMARTER erklärt Ihnen den Unterschied zwischen "guten" und "schlechten" Fetten.

(bor)
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die web seite hatt nicht genügend infos über das was man sucht
 
"Wie messe ich meinen Körperfettanteil?" Komische Überschrift. Weil im Absatz steht nur, das Körperfettwaagen sehr ungenau sind. Die US-Navy-Methode Hals-(Hüfte)-Bauch messen ist nun echt nicht schwer zu erklären... Sonst guter Artikel.