Warum Grünkohl so besonders ist | EAT SMARTER
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Kohl als Kult

Warum Grünkohl so besonders ist

Verehrter Grünkohl Verehrter Grünkohl

Grünkohl ist ein typisches Wintergemüse. Zumindest für den größten Teil Deutschlands. Doch in Norddeutschland ist das ganz anderes: Dort ist Grünkohl Kult. Hier gibt es Kohlfahrten, Kohlkönige und sogar eine Grünkohl-Akademie. Die Nordlichter verehren den Kohl regelrecht. EAT SMARTER erklärt den Kult um das Wintergemüse und verrät, was Grünkohl auszeichnet.

Für den größten Teil der Deutschen ist Grünkohl nur ein Wintergemüse, so wie Rosen- oder Rotkohl. Aber der Norden des Landes betreibt einen richtigen Kult um Grünkohl, besonders das niedersächsische Oldenburg.

Kohlfahrt

Oldenburg ist eine mittelgroße Stadt in Niedersachsen, umgeben von zahlreichen Feldern von Wäldern. Und genau dort trifft man im Winter regelmäßig größere Menschengruppen, die aussehen, als hätten sie sich zu einem Spaziergang verabredet. Doch etwas ist merkwürdig. Die Gruppen ziehen Bollerwagen und halten regelmäßig, um kuriose Spiele wie zum Beispiel Teebeutel-Weitwurf oder Luftballon-Lauf zu spielen. Das Ziel ihres Ausflugs ist sind Gaststätten. Dort wird feierlich Grünkohl gegessen und ein Kohlkönig ernannt.

In Oldenburg wird Grünkohl nicht nur einfach daheim gekocht und dann gegessen, hier wird Grünkohl gefeiert. Und zwar am liebsten mit einer gerade beschriebenen "Kohlfahrt". Damit diese von den Oldenburgern geliebte Tradition nicht stirbt, hat jeder Kohlkönig eine überaus wichtige Aufgabe: Er muss die nächste Kohlfahrt organisieren.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel, Bundespräsident Christian Wulff sowie die Ex-Kanzler Gerhard Schröder und Helmut Kohl sind Kohlkönige, beziehungsweise -königinnen. Denn seit 1956 gibt es auch ein offizielles Grünkohlessen: Die Stadt Oldenburg veranstaltet jedes Jahr für hochrangige Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Kultur das "Defftig Ollnborger Gröönkohl-Ätens" in Berlin. Und jedes Jahr wird ein prominenter Politiker zum Kohlkönig gewählt. Doch diese Könige sind von der Pflicht ausgenommen, die nächste Feier zu organisieren. Sie müssen nur einmal während ihrer Regentschaft die Stadt besuchen.

Die Grünkohl-Akademie

Die selbsternannte "Kohltourhauptstadt" Oldenburg widmet sich auch wissenschaftlich „ihrem“ Gemüse. Die Niedersachsen beherbergen die einzige "Grünkohl-Akademie" weltweit. Über das Internet kann man bei ihr ein Onlinestudium zum Thema Kohl machen. Es besteht aus drei "Kohloquien": "Kohltourgeschichte", "Kohlografie" und "Kohlinarik". Jedes wird mit einem kurzen Wissens-Check abgeschlossen. Besteht man alle Tests, erhält man ein persönliches Diplom. Natürlich ist die Akademie mehr ein Marketing-Clou als eine ernste Bildungseinrichtung: Die Oldenburger wollen so Touristen in ihre Stadt locken. Dennoch gibt es über Grünkohl wirklich viele interessante Fakten.

Grünkohl-Warenkunde

Ab November beginnt die Grünkohl-Saison. Das Wintergemüse entwickelt nämlich erst seinen leicht süßlichen Geschmack, wenn es längere Zeit Kälte ausgesetzt war. Denn dann werden die Enzyme gehemmt, die den durch die Photosynthese entstehenden Zucker wieder abbauen. Auch wenn es oft behauptet wird: Frost ist dafür aber nicht notwendig. Dieser Vorgang ist nur bei der noch "lebenden" Pflanze möglich. Im Gefrierschrank gelagerter Grünkohl wird mit der Zeit nicht mehr süßer.

Grünkohl enthält viele Vitamine und Nährstoffe, ganz besonders Vitamin C, Vitamin E, Kalium und Magnesium. Außerdem ist es die Kohlsorte mit den höchsten Eiweiß- und Kohlenhydratgehalten.

Rezepte

Grünkohl wird traditionell mit Salzkartoffeln, Kassler oder der regionalen Spezialität Pinkel gegessen. Letzteres ist eine geräucherte, grobkörnige Grützwurst. Jeder norddeutsche Schlachter hat sein eigenes Pinkel-Geheimrezept. Mittlerweile wird Grünkohl aber auch ganz modern kombiniert. Bei EAT SMARTER gibt es zum Beispiel Grünkohl in Kartoffelsuppe mit spanischer Chorizo oder als Grünkohl-Eintopf mit Garnelen.

(bor)

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Grünkohl Warenkunde
Alles was man über Grünkohl wissen sollte, finden Sie hier
Grünkohl
Das grüne Gemüse ist gesund und lecker.
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Herr Gerbracht aus Bremen hat recht: Bremer Pinkel sollte unter den Kohl gemischt werden, Ammerländer Fleischpinkel im Ganzen (empfehlenswert sind mundgerechte Bissen...). Sogar in München, wo es einen alten Oldenburger vor 40 Jahren im Zuge der Entwicklungshilfe verschlagen hat, bekommen wir jetzt alle Originalzutaten, pinkelmäßig gesehen. In diesem Sinne: Guten Appetit mit Grün-(Braun-)kohl und Pinkel. J.K., früher Oldenburg, heute Mittersendling in Münche.
 
Ihre Artikel lese ich mit Interesse und freue mich über so manche "Aufklärung". Weiter so.
 
Ein schöner Artikel, wenngleich ich als Bremer den Hinweis vermisse, daß das Gericht in Bremen Braunkohl heißt und die Tradition hierfür sicher der der Oldenburger in nichts nachsteht. Die Philosophen streiten sich übrigens auch über die Zutaten; nämlich welche Pinkel besser schmeckt: Die Bremer oder die Oldenburger! Hier kommt es bei Vielen zum Kompromiß: Beide Sorten servieren! Walter Gerbracht
 
Ich finde Ihre Beiträge ganz erstklassig. Insbesondere diese Grünkohl-Lektion ist einzigartig. Bitte machen sie weiter so! Herzlich Ihr Erhard Engelhardt