Warum der Koch nun selbst Lebensmittel testet | EAT SMARTER
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Interview mit Christian Rach Teil 2

Warum der Koch nun selbst Lebensmittel testet

Im ersten Teil des Interviews mit EAT SMARTER berichtete Restauranttester Christian Rach von seiner Arbeit im TV. Im zweiten Teil berichtet der Koch nun, was er von der aktuellen Bio-Welle hält und warum er jetzt selbst Lebensmittel testet und weiter empfiehlt.

Im Moment erleben wir eine steigende Nachfrage für Bio-Waren. Was halten Sie von der Bio-Welle?
Natürlich bildet man sich ein, dass Bio besser schmeckt. Aber es muss nicht immer Bio sein. Wichtiger ist, dass wir wieder lernen, mit frischen Lebensmitteln zu kochen. Dabei geht es nicht um die Frage, ob Bio oder nicht. Interessant sind eher die geringen Mengen von Schadstoffen, die unter den Grenzwerten liegen und die wir täglich zu uns nehmen. Wir legen Werte für Einzelprodukte fest, wissen aber nicht, wie hoch die toxische Wirkung beim Zusammentreffen ist. Aber man kann diese Diskussion aushebeln: Wir werden älter und das liegt bestimmt nicht an Kriegen.
Was sollten die Menschen in den Supermärkten denn nicht kaufen?
Wenn Dinge auf der Zutatenliste stehen, die Sie nicht verstehen, dann lassen Sie die Finger davon.Wenn Sie keine Zeit zum Kochen haben, sollten Sie trotzdem frische Lebensmittel kaufen. Also nicht die fertige Salatmischung mit drei Blattsorten, eingewickelt in Plastik. Dann nehmen Sie halt nur eine frische Sorte, vielleicht mit einer Karotte. Wenn es unbedingt Fertiggerichte sein sollen, dann wäre es gut, auch dort auf die Inhaltsstoffe zu achten. Es gibt Angebote, bei denen der Hersteller zum Beispiel Salz ohne Streuhilfen verwendet. Und gerade diese Streuhilfen sind schädlich.
Sie selbst empfehlen mittlerweile Lebensmittel unter dem Label „Rach gestestet“. Was steckt dahinter?
Ich empfehle Lebensmittel, die mir schmecken und die man aus meiner Sicht bedenkenlos essen kann. Ich glaube, wir müssen viel mehr über persönliche Empfehlungen gehen, wenn wir die Menschen für eine gesunde Ernährung begeistern wollen. Ich schaue nach, ob die Lebensmittel auch so sauber produziert worden sind, dass ich sie empfehlen kann.
Warum sollten die Menschen Ihnen trauen?
Ich bin weder Lebensmittelchemiker noch Ökotrophologe. Aber das SGS Fresenius-Institut testet für mich Produkte, die mir geschmeckt haben. Und ich beschreibe, wie ich auf das Lebensmittel gekommen bin. Da fallen viele Produkte bereits raus. Aber es gibt Ausnahmen und diese positiven Produkte setze ich dann auf meine Liste. Übrigens: Ich zahle alles selbst.
Was ist der Grund Ihres Engagements?
Es ist eine Sache, die mittelfristig viel bewegen kann. Wenn ich auf Sendung bin, dann habe ich in kürzester Zeit 800.000 Klicks auf meiner Homepage. Ich möchte die Leute informieren und ihnen die Angst nehmen. Und auch, dass sie vernünftig mit aktuellen Lebensmittelskandalen umgehen. Nehmen wir die Dioxin-Meldungen im Januar. Natürlich müssen die Verursacher hart bestraft werden. Aber vor zehn Jahren waren die Dioxin-Belastungen viel höher, zum Beispiel durch die Schlacke auf den Sportplätzen. Und in der Regel sind Bio-Eier höher mit Dioxin belastet als die Eier von leider kasernisierten Hühnern.
Was wollen Sie mit dem Label bewegen?
Es soll endlich Klarheit auf den Verpackungen herrschen. Wenn wir nicht wissen, was wir essen, sollten wir die Finger davon lassen. Der Hersteller muss das draufschreiben, was wirklich drin ist. Und wenn plötzlich eine Millionen Menschen den Tomatenketchup nicht mehr kaufen, dann haben wir etwas gewonnen.
Lässt sich dieses Spiel wirklich gewinnen? Früher standen E-Nummern auf den Verpackungen, die wurden durch komplizierte Namen abgelöst. Die Industrie lässt sich immer etwas Neues einfallen.
Den Kampf kann man gewinnen, man sollte diese Produkte einfach nicht mehr kaufen. Es gibt keine Notwendigkeit zum Beispiel für Zusatzstoffe. Die Leute streuen uns Sand in die Augen, wenn sie behaupten, dass wir ohne Zusatzstoffe unsere 82 Millionen Menschen nicht ernähren könnten. Wir müssen unsere Einstellung gegenüber Lebensmitteln ändern.
Was gehört dazu?
Für eine vernünftige Ernährung müssen wir nicht unbedingt Fleisch essen. Es geht auch mit Nudeln, gebratenem Gemüse und Sojasauce. Ich liebe Fleisch. Aber wenn ich es esse, muss es natürlich von guter Qualität sein. Wir müssen den Wert von Lebensmitteln wieder schätzen lernen und das ginge zum Beispiel über die Schulen. Wir schimpfen über die fehlende Gesundheitsreform und sind gleichzeitig nicht in der Lage, in der Schule das Fach Ernährung einzuführen.
Sollte man nicht auch über die negativen Folgen der Industrialisierung von Lebensmitteln nachdenken, zum Beispiel über Massentierhaltung?
Wir dürfen nicht den Fehler machen, alles zu vermenschlichen. Es muss jetzt nicht heißen: Wir dürfen nur noch das heruntergefallene, vom Selbstmord getriebene Obst essen. Das wäre krank. Industriell hergestellte Lebensmittel gehören dazu. Die Frage ist nur, wie sie hergestellt werden. Wir werden die Missstände nicht von Heute auf Morgen ändern, wir können die Leute nicht mit erhobenem Zeigefinger überzeugen. Dann machen sie dicht. Wir müssen die Leute mitnehmen. Und das möchte ich nun durch mein Label „Rach getestet“ machen.
Diesem Projekt wollen Sie nun verstärkt widmen, Ende September schließen Sie Ihr Tafelhaus. Warum?
Ich arbeite nun 23 Jahre, wöchentlich 80 Stunden. Es reicht. Ich bin noch körperlich fit, ich bin gesund, habe meine Rente noch nicht verspielt und der Laden läuft super. Das ist eigentlich der richtige Zeitpunkt, um aufzuhören.
Herr Rach, herzlichen Dank für das Gespräch Auf seiner Internetseite stellt Christian Rach Lebensmittel vor, die das Siegel "Rach getestet" tragen. (wil)
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