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Fettarme Ernährung schützt weder vor Krebs noch Herzinfarkt

Februar 2006 - Journal of American Medical Association

Eine Studie mit 49.000 Amerikanerinnen im Alter von 50 bis 79 Jahren hat ergeben, dass fettreduziertes Essen nicht vor Krebs, Herzinfarkt oder Schlaganfall schützt. Die achtjährige Studie, die 415 Millionen Dollar gekostet hat und im “Journal of American Medical Association“ veröffentlicht wurde, war so aufwendig, dass sie als “Rolls-Royce unter allen Studien“ gilt. Deutsche Wissenschaftler äußerten sich skeptisch zu den Ergebnissen. Die Forscher hatten einer Gruppe von Frauen eine Kost mit stark reduziertem Fettgehalt verordnet, als Ausgleich viele Kohlenhydrate. Die Kontrollgruppe durfte unbegrenzt zulangen und nach Herzenslust Butter, Käse und Würste verspeisen.

Bei Darmkrebs sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen ergaben sich keine Abweichungen. In der Gruppe mit ungesunder Ernährung zeigten sich gerade neun Prozent mehr Fälle von Brustkrebs. Das sei statistisch gesehen ein gering erhöhtes Risiko für diese Art von Tumor.

"Die Ergebnisse sind revolutionär“, sagte Dr. Jules Hirsch, Chef der Rockefeller Universität in New York. „Wir dürfen uns nicht länger einbilden, dass man sich nur gesund ernähren muss, und dann ist alles in Ordnung. Ganz offensichtlich kann man mit gesunder Ernährung allein sein Krankheitsrisiko nur bedingt senken.“ Wichtig sei beispielsweise auch, dass man sich genügend bewege und nicht rauche. Und natürlich spielen Erbanlagen eine gewichtige Rolle.

Nicht alle Wissenschafter stimmen den Ergebnissen der Megastudie zu. Die einen kritisieren, dass die Studie trotz der Dauer von acht Jahren zu kurz gewesen sei, gesunde Ernährung brauche eine längere Zeit, um Wirkung zu zeigen. Andere meinten, man habe bei der Studie nicht die letzten Erkenntnisse zum Thema trans-Fett- und Mittelmeer-Diät berücksichtigt.

"Die Ansätze in dieser Studie waren einfach zu altmodisch“, sagt Dr. Peter Libby, Kardiologe an der Harvard Medical School. Heute gehe es nicht mehr darum, generell weniger Fett zu essen, wichtiger sei, welche Arten von Fett man esse. Er empfiehlt die so genannte Mittelmeer-Diät, die zwar wenig Butter vorsieht, aber viel Olivenöl.

Auch deutsche Wissenschaftler sehen die US-Megastudie eher skeptisch. "Das sind keine überraschenden Ergebnisse“, urteilt etwa der Epidemiologe Matthias Schulze vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung (DIFE) bei Potsdam. Auch andere Krebs- und Ernährungsstudien seien zu vergleichbaren Befunden gekommen. "Dennoch“, mahnt Schulze, "wäre es ein Fehler, nun alle Empfehlungen über Bord zu werfen.“

Vieles deutet darauf hin, dass der Fettkonsum doch eine bedeutende Rolle bei Krebserkrankungen spielt. Darauf weist der Brustkrebsexperte Aman Buzdar von der University of Texas in Houston hin. Der Fettstoffwechsel sei schließlich eng an den Stoffwechsel des Hormons Östrogen gekoppelt, das zur Entstehung von Brustkrebs beiträgt. Tatsächlich traten stark östrogenabhängige Formen von Brustkrebs bei den diäthaltenden Frauen in der Studie deutlich seltener auf. Welche Komponente der Diät jedoch den Ausschlag gab, ist Buzdar zufolge noch unklar. Für eindeutigere Aussagen ist offenbar die Diätvorschrift in der Studie zu ungenau formuliert. Sie zielt lediglich auf den Gesamtfettgehalt der Nahrung ab. "Wenn die Studie jetzt begänne, würde man viel mehr auf die Fettsorten achten und ungesättigten Fetten den Vorzug geben“, sagt DIFE-Forscher Schulze.
Ungesättigte Fettsäuren – sie sind etwa in Olivenöl enthalten – sind vor allem zum Schutz vor Herz-Kreislauf-Krankheiten wichtig: Sie helfen, Verklumpungen des Blutes zu verhindern, die zur Verstopfung der Gefäße, zu Hirnschlag und Herzinfarkt führen können.

Also doch keine Entwarnung für Grünzeugmuffel. Matthias Schulze ist nach wie vor überzeugt vom Nutzen eines Speiseplans mit gesunden Fetten, viel Obst, Gemüse, Vollkornprodukten: "Nach allem, was wir wissen, beugt eine solche Diät Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen vor. Und sie spielt eine Rolle bei der Prävention von Übergewicht und Krebs.“ Man wisse nur noch nicht genug über die Details.

Aufgrund der Kritik an der Megastudie wollen US-Forscher als Nächstes mögliche positive Auswirkungen der Mittelmeer-Diät untersuchen. Mehr: Journal of American Medical Association
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