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Ernährungsverhalten von Jugendlichen

"Alkohol ist ihr Gemüse"

Sie glauben zu wissen, was gesunde Ernährung bedeutet, doch sie ernähren sich in Wahrheit viel zu ungesund. Bei europäischen Jugendlichen sind gerade einmal sieben Prozent der täglichen Nahrung pflanzlich. Ein Fünftel der Flüssignahrung besteht aus Alkohol. Wenn man sie fragt, behaupten fast 90 Prozent, dass sie sich gesund ernähren. Wenn man sie untersucht, stellt man fest, dass jeder dritte Junge und jedes fünfte Mädchen in Europa übergewichtig ist.

Viele europäische Jugendliche im Alter von 13 bis 17 Jahren ernähren sich äußerst ungesund. Das ist das Ergebnis der HELENA (Healthy Lifestyle in Europe by Nutrition in Adolescents) Studie. Für ihre Untersuchung befragten die Wissenschaftler Jugendliche aus zehn europäischen Länder zu ihrer Nahrungsaufnahme, zu ihrem Essverhalten und zu ihrem Ernährungswissen. Daneben betrachteten sie den Vitamin-Status und die körperliche Aktivität der Heranwachsenden. Das Ergebnis wirft kein gutes Licht auf die Befragten: In Europa ist jeder dritte Junge und jedes fünfte Mädchen übergewichtig. Sechs Prozent der Jugendlichen sind adipös.

Ernährung: Täglich kommen 2300 bis 3300 Kalorien zusammen

Und so sieht die tägliche Nahrungsaufnahme bei europäischen Jugendlichen im Durchschnitt aus: Sie essen 100 Gramm Gemüse, 125 Gramm Obst, 160 Gramm Fleisch, 20 Gramm Fisch, 55 Gramm Kuchen und 25 Gramm Schokolade. Dazu gibt es im Schnitt 0,73 Liter Wasser und 0,31 Liter Softdrinks. Insgesamt kommen Jugendliche somit auf eine tägliche Kalorienaufnahme von 2300 bis 3300 Kalorien. Zwar brauche der Körper in der Wachstumsphase sehr viel Energie, doch diese Mengen können nach Angaben der Studie selbst in dieser Phase zu Fettpolstern führen. Der Verzehr von Fleisch und Wurst sei aus Sicht der Wissenschaftler zu hoch, der Konsum von Gemüse dagegen viel zu gering. Fasst man alle Lebensmittel zusammen, bestehe die Nahrungsaufnahme bei Jugendlichen gerade einmal zu sieben Prozent aus pflanzlicher Kost. Dagegen trinken Jugendliche gerne Bier, Wein oder Schnaps. Immerhin besteht ein Fünftel der Flüssigkeitsaufnahme aus Alkohol.

Widerspruch zwischen Selbsteinschätzung und Wirklichkeit

Fast 90 Prozent der Jugendlichen gaben an, dass sie sich gesund ernährten. Nach Angaben der Forscher sei den meisten die Bedeutung einer gesunden Ernährung auch bewusst. Doch in der Regel entscheide dann doch der Bauch: Die meisten Jugendlichen finden, dass gesundes Essen nicht schmackhaft sei, kaum satt mache, viel zu teuer sei und mit zu viel Aufwand zubereitet werden müsse. Die Forscher schließen daraus, dass es offenbar große Wissenslücken gebe, was gut für die eigene Gesundheit sei. Immerhin: Jeder zweite Junge und jedes dritte Mädchen bewegen sich täglich rund 60 Minuten. Von dem Ausdauertraining profitierte vor allem das Herz-Kreislaufsystem. Im Rahmen der HELENA-Studie untersuchen 26 Forscherteams Jugendliche in zehn Ländern und zwar in Deutschland, Spanien, Frankreich, Ungarn, Griechenland, Italien, Österreich, Schweden, Großbritannien und Belgien. „Gerade in der Adolenszens kommt es zu vielen physischen und psychischen Problemen, die auch das Ernährungsbedürfnisse und das Verhalten beeinflussen“, schreiben die Wissenschaftler. Die Forschungsergebnisse sollen als Grundlage für europaweite Ernährungsempfehlungen dienen.

(wil)

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Dass Wirklichkeit und Selbstwahrnehmung nicht zusammengehen, ist schon klar - aber war die Alcopop-Generation vor ein paar Jahren nicht schlimmer?
 
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