Alkohol: Wann wird der Genuss zum Risiko? | EAT SMARTER
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Wissenschaftler diskutieren

Alkohol: Wann wird der Genuss zum Risiko?

Streitthema Alkohol: Ob Wein, Bier oder Schnaps nun gut für den Menschen sind oder nicht, ist stark umstritten. Immer wieder bestätigen Studien die gesundheitsfördernde Wirkung von Alkohol, immer wieder warnen andere Studien vor möglichen Gefahren. Wissenschaftler hüten sich davor, eine tägliche Verzehrmenge zu empfehlen. Doch es gibt zumindest eine Menge, die als risikoarm gilt.

Das Feierabendbier, der Verdauungsschnaps, das Glas Wein zum Mittagessen: Wir kennen zahlreiche Gelegenheiten für ein alkoholisches Getränk. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO trinken die Deutschen pro Kopf etwa 12,8 Liter reinen Alkohol im Jahr. Nach Angaben der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) lag der Konsum der Deutschen 2010 bei 9,9 Litern. Auf den ersten Blick ein deutlicher Unterschied zu den Zahlen der WHO. Allerdings legte die DHS den Alkoholverbrauch auf alle deutschen Einwohner um und bezog so zum Beispiel auch Babys mit ein. Die WHO nahm in ihre Statistik nur die Bundesbürger ab 15 Jahren auf. „Der Verbrauch hat sich in den vergangenen Jahren zwar stabilisiert, allerdings auf einem sehr hohen Niveau“, sagt Christa Merfert-Diete, Sprecherin der DHS. Im weltweiten Vergleich gehören die Deutschen damit zur Spitzengruppe. Alkohol gehöre ein Stück weit zur deutschen Kultur dazu. Und meistens bleibt es nicht nur bei einem Bier. In der Regel folgt ein zweites, drittes oder viertes. Und viele Menschen trinken den Alkohol meistens auch mit gutem Gewissen. Schließlich wird ihm auch immer wieder eine gesundheitsfördernde Wirkung zugeschrieben. Erst im vergangenen Jahr wiesen amerikanische Forscher nach, dass die Alkoholmenge von ein bis zwei Gläsern Wein pro Tag das Risiko für Herzinfarkte erheblich minimieren könne. Im Gegensatz zu Nichttrinkern sank die Gefahr immerhin um 33 Prozent. Bei der Analyse hatten die Forscher die Todesursache von rund 245.000 Menschen untersucht, die regelmäßig Angaben zu ihrem Essverhalten gemacht hatten. Vermutlich kann der Alkohol den Anteil von HDL-Cholesterin im Blut erhöhen. Dabei handelt es sich um ein Lipoprotein, das für den Rücktransport von Cholesterin zur Leber zuständig ist. Und damit kann in der Tat das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle reduziert werden. Doch so aussagekräftig diese Studie auch sein mag, so deutlich sind die Studienergebnisse, die sich mit den negativen Folgen befassen. Denn je mehr Alkohol der Mensch trinkt, desto höher ist sein Risiko für andere Krankheiten. Darunter fallen zum Beispiel Krebskarzinome, Leberzirrhosen und eben Herzkrankheiten. Richtig gelesen, zuviel Alkohol kann dem Herz auch schaden. 2008 wiesen australische Forscher nach, dass regelmäßiges und übermäßiges Trinken das Risiko für das metabolische Syndrom erhöhe. Und dieses gilt als Risikofaktor für Herzkrankheiten. Immerhin sterben nach Angaben der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung jährlich 70.000 Deutsche an den Folgen von falschem Alkoholkonsum, die Kosten für die Behandlungen liegen bei 24 Milliarden Euro. Im Wirrwarr der vielen Studien bleibt die Frage: Wie viel Alkohol gilt denn nun als unbedenklich? Wissenschaftler und Experten tun sich schwer mit einer möglichen Empfehlung. Der Grund: Die empfohlenen Mengen könnten falsch interpretiert werden, sodass am Ende doch mehr getrunken wird. Außerdem könne der Eindruck entstehen, dass Alkohol ja gar nicht so schlimm sei. Immerhin nannte die DHS im Jahr 2007 eine tägliche Verzehrmenge, die als risikoarm gilt. Für einen gesunden Mann sind dies 24 Gramm Alkohol am Tag, für die Frau sind es 12 Gramm. Pro Woche sollte man an fünf Tagen maximal 24 bzw. 12 Gramm Alkohol trinken, an zwei Tagen sollte man abstinent bleiben. EAT SMARTER-Experte Prof. Dr. Heiner Greten setzt in der aktuellen Magazinausgabe von EAT SMARTER die Grenze sogar noch etwas tiefer an. Männer sollten nicht mehr als 20 Gramm am Tag trinken, Frauen nicht mehr als 10 Gramm. Wie viel Gramm Alkohol in welchen Getränken steckt, verrät folgende Tabelle.

So viel Alkohol steckt drin
Getränk Alkoholgehalt in Gramm
1 Glas Weißbier (0,5 l) 20 Gramm
1 Glas Wein (0,25 l) 20 Gramm
1 Glas Whisky 40% (0.04 L) 12,8 Gramm
1 Glas Bier (0,3 l) 12 Gramm
1 Glas Sekt (0,1 l) 9,6 Gramm
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1. Zur Tabelle: So groß (0,25 l) sind meine Weingläser nicht. 2. Die Alkoholmenge in Gramm hängt mit Sicherheit auch vom Alkohol-Gehalt des Weines in Vol% ab, ob 9,5 oder 13,5 %vol macht wohl einen Unterschied. 3. Doch nun das Wichtigste für alle älteren Männer (ich bin inzwischen 68 Jahre alt). Als junger Mensch lernte ich einen Spruch, dessen Bedeutung ich damals überhaupt nicht ermessen konnte: "Rotwein ist für alte Knaben eine der besten Gottesgaben." Heute weiß ich daß der Spruch - ohne Gottesbezug - von Wilhelm Busch stammt: "Rotwein ist für alte Knaben eine von den besten Gaben." Jedermann weiß, daß die Prostata des Mannes sich mit dem Älterwerden vergrößert und Probleme mit dem Wasserlassen und besonders mit dem Durchschlafen verursacht. Bei mir war es so, daß ich in der Nacht bis zu 5 und 6 mal zur Toilette mußte, an ungestörten Schlaf war nicht zu denken. Alle möglichen Medikamente haben nicht oder kaum geholfen... Eines Abends trank ich vor dem Schlafengehen zufällig 2 Gläschen Rotwein. Und ich schlief durch! Holla, dachte ich: Das mußt Du noch einmal testen. In der nächsten Nacht mußte ich nur ein einziges Mal zur Toilette! Seitdem trinke ich regelmäßig zwei Gläschen Rotwein vor dem Schlafengehen. (Weißwein trinke ich nur noch selten mit Gästen...) Und seitdem muß ich nur einmal raus, oder sogar überhaupt nicht. Und ich weiß jetzt, daß Wilhelm Busch recht hatte: "Rotwein ist für alte Knaben eine von den besten Gaben." (Und ich denke, in dieser kleinen Menge von ca. 300 ml Rotwein am Abend ist der enthaltene Alkohol auch nicht schädlich, sondern wohltuende und wohlschmeckende Medizin!) Für interessierte "alte Knaben" habe ich in das Feld "Name" meine E-Mail-Anschrift eingegeben: hansfflemming@gmx.net. Ich bin interessiert daran, ob andere "alte Knaben" schon ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Herzliche Grüße von Hans aus Berlin.
 
Bei zuviel Alkoholgenus,in kleinen Mengen, ist das Risiko in die Abhänigkeit keinzukommen groß und führt zur Abhänigkeit. Alkoholismus ist eine schleichende Krankheit die im Stadion der Sucht nach Alkohol unkontroliert Trinken.Das aufhören mit dem Trinken ist ein langjähriger Prozes. Jeder der Abhänig ist hat die Möglichkeit durch Selbsthilfegruppen sich Rat und Hilfe zu holen.Es giebt nur zwei Möglichkeiten: Aufhören d.h. Hilfe suchen, oder weiter weiter machen bis sich der Körper wert und Organe aussetzen und dan elendig zu Grunde gehn. Das sind Jahrelange erfahrungen. Karsten Alkoholiker 15. Jahre Trocken dank der Gemeinschaft der Anonymen Alkoholike.es kann jeder schaffen wer er will, von sich aus.
 
@Patrick: In der Tat hütet sich die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen davor, Alkohol als unbedenklich einzustufen. Die tägliche Verzehrmenge gilt demnach auch nur als risikoarm. Allerdings gibt es Studien, die nachgewiesen haben, dass moderates Trinken einen schützenden Effekt für das Herz haben kann. Allerdings ist genauso belegt, dass starker Alkoholkonsum den Körper schädigen kann. Die tägliche Verzehrmenge (24 Gramm für den Mann, 12 Gramm für die Frau) wurde aufgrund der Studienlage im Jahr 2007 erarbeitet.
 
ist sehr interesant aber ist diese geringe menge nicht trozdemm schädlich für denn körper