Wie Fast-Food dem Gehirn schaden kann | EAT SMARTER
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Unkontrollierte Fressattacken

Wie Fast-Food dem Gehirn schaden kann

Dass ungesundes Essen auf Dauer dick macht, ist bekannt. Neuere Studien lassen nun sogar vermuten, dass es auch das Gehirn schrumpfen lässt. Der Verdacht: Besonders zucker- und fetthaltige Speisen greifen bestimmte Hirnregionen an und steigern so ein unkontrolliertes Essverhalten.

Je größer der Hüftumfang, desto kleiner bestimmte Hirnregionen: Schon länger gibt es Hinweise, dass es einen Zusammenhang zwischen Übergewicht und verkleinerten Hirnregionen gibt. Bislang war aber unklar, ob die Schäden bereits vorhanden sind und die Menschen dadurch dicker werden, oder ob die Hirnregionen durch eine falsche Ernährung schrumpfen. Aktuelle Studien nähren nun den Verdacht, dass tatsächlich fett- und zuckerhaltige Speisen das Gehirn angreifen können. Und damit entsteht ein Teufelskreis: Durch die verkleinerten Hirnregionen kann das Essverhalten nicht mehr kontrolliert werden, übergewichtige Menschen nehmen weiter zu. Zusammenhang zwischen Übergewicht und Hirnschäden
Antonio Convit vom Nathan Kline Institute für Psychiatrieforschung untersuchte in seiner Studie die Hirnstrukturen von 19 normalgewichtigen und 44 adipösen Menschen. Und er machte eine interessante Beobachtung: Bei den übergewichtigen Menschen waren bestimmte Belohnungs- und Appetitzentren im Gehirn deutlich kleiner ausgeprägt. Die übergewichtigen Menschen hatten einen kleineren Orbitofrontalkortex (OFC) und einen höheren Wassergehalt in den Mandelkernen. In diesen Regionen werden vermutlich nicht nur Appetit oder Heißhunger reguliert, sondern auch Entscheidungsprozesse. Die Ergebnisse wurden in der Zeitschrift "Brain Research" veröffentlicht.
Veränderungen im Gehirn können Heißhunger auslösen

Der Wassergehalt in den Mandelkernen gibt Hinweise auf mögliche Schäden im Gehirn. Daneben stellte Convit bei übergewichtigen Menschen einen höheren Anteil des Eiweißstoffes Fibrinogen fest. Dieser lässt auf Entzündungsprozesse im Nervensystem schließen. Der Forscher vermutet, dass durch die Entzündungen in den Hirnarealen nun auch das Essverhalten beeinflusst wird: die übergewichtigen Menschen essen noch unkontrollierter – das Gehirn nimmt weiteren Schaden. Dabei stützt sich Convit auf eine weitere Untersuchung, die er mit übergewichtigen Jugendlichen machte. Die Versuchsteilnehmer hatten ähnliche Veränderungen im Gehirn, beim Essen zeigten sie ein äußerst ungezügeltes Verhalten.
Ob die verkleinerten Hirnareale bei den übergewichtigen Menschen aber schon vorher da waren, oder erst durch die falsche Ernährung entstanden sind, sei weiterhin fraglich. Doch eines ist für Convit klar: Die Fettleibigkeit fördert die vorhandenen Entzündungsprozesse im Gehirn, wodurch es weiter geschädigt wird. Zucker- und fettreiche Lebensmittel unter Verdacht
Der Forscher Terry Davidson von der Purdue Universität in West Lafayette (Illionois) vermutet allerdings, dass der Grund für die Schäden tatsächlich im Essverhalten liegt. Den genauen Ablauf hat der Wissenschaftler nun in einem Artikel in der Zeitschrift "Physiology and Behavior" veröffentlicht: Es sind vor allem Mahlzeiten mit viel Zucker und gesättigten Fettsäuren, die für die Schäden im Gehirn verantwortlich sind. Dazu gehört zum Beispiel Fast-Food. Hinweise für diese Annahme liefern Versuche mit Mäusen, in denen die Denkleistung der Tiere durch eine falsche Ernährung beeinträchtigt wurde. Laut Davidson treten die ersten Schäden zunächst im Hippocampus auf. Diese Region ist für Gedächtnisleistungen verantwortlich, sie wird besonders stark durchblutet. Und über das Blut gelangen die schädlichen Stoffe aus der Nahrung in den Hippocampus. Erst danach treten die Schädigungen im Orbitofrontalkortex und in den Mandelkernen auf. Nach Ansicht von Davidson werde der Grundstein aber in der Schädigung des Hippocampus gelegt: „Ich kann einer Crème brûlée besser widerstehen, wenn ein aktiver Hippocampus die Erinnerung an den leckeren Geschmack abschwächt.“ Das bedeutet: Ein aktiver Hippocampus kann die positiven Erinnerung an leckere Speisen besser unterdrücken und verhindert so, dass sie im Übermaß gegessen werden. Wie stark eine falsche Ernährung das Gehirn beeinflusst, sei meistens erst im Alter festzustellen. Immerhin schließt Convit aus seiner Beobachtung, dass Diabetiker durch eine Ernährungsumstellung auch eine Verbesserung im Gehirn erreichen. Langzeitstudien sollen nun feststellen, ob man diese Aussage auch allgemein treffen könne.
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Ist ja krass! Erinnert mich etwas an Michael Moores "Supersize me"!
 
Text abgespeichert, wird vorm nächsten Fastfood-Besuch wieder hervorgeholt ;)