Bei Kopfweh kein Vollkorn | EAT SMARTER
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Bei Kopfweh kein Vollkorn

Vollkornbrot mit Käse und dazu ein Glas Grapefruitsaft - so ein gesundes Frühstück macht fit für den Tag! Es sei denn, Sie nehmen Medikamente ein, die sich mit diesen Lebensmitteln nicht vertragen. Die wichtigsten Wechselwirkungen zwischen Arznei- und Nahrungs- mitteln hat EAT SMARTER für Sie zusammengestellt.

Der Kopf dröhnt, obwohl Sie nach dem Frühstück eine Schmerztablette geschluckt haben? Die Antibiotika gegen die schwere Bronchitis helfen einfach nicht – oder Ihnen ist schwindelig? Vielleicht liegt es daran, dass Sie das Falsche gegessen oder getrunken haben. Denn Schmerzmittel und Vollkornbrot vertragen sich ebenso wenig wie manche Bakterienkiller mit Milchprodukten oder Grapefruitsaft und einige Blutdrucksenker. Solche Wechselwirkungen zwischen Arznei- und Lebensmitteln kommen öfter vor, als man denkt, und nicht immer sind sie harmlos. „Experten haben mittlerweile mehr als 300 Stoffe entdeckt, die in Verbindung mit bestimmten Nahrungsmitteln unerwartete Nebenwirkungen haben“, weiß Dr. Stefanie Schellhammer, Apothekerin bei der Deutschen Angestellten Krankenkasse (DAK). Wer beispielsweise sein Schlafmittel abends mit einem Glas Grapefruitsaft herunterspült, wundert sich besser nicht, wenn er statt in erholsamen Schlaf in eine Art Vollrausch fällt. In den Zitrusfrüchten steckt nämlich ein Bitterstoff, der die Leber beim Abbau mancher Medikamente stört. Dieser „Grapefruit-Effekt“ steigert die Wirkung – und die Nebenwirkungen! – von mehr als 50 Arzneimitteln um rund 30 Prozent! Das gilt vor allem für Mittel gegen Bluthochdruck (Calcium-Antagonisten) oder Allergien (H1-Rezeptor-Antagonisten wie Loratadin, Cetirizin, Terfenadin oder Dimetinden), Cholesterinsenker (Statine) oder Schlafmittel. Wer eines dieser Mittel einnimmt, verzichtet in dieser Zeit besser auf die bittersüße Frucht und den Saft daraus und steigt auf andere Getränke um. Auf alkoholfreie natürlich! Denn die Kombination von Alkohol und Medikament kann Reaktionen hervorrufen, die sich überhaupt nicht voraussagen lassen. Durch Hochprozentiges bleiben viele Wirkstoffe länger im Blut und wirken auch stärker. Besonders gefährlich ist das Wechselspiel zwischen promillehaltigen Drinks und Schlaf- oder Beruhigungsmitteln. Ein weiterer gefährlicher Partner: das Schmerzmittel Paracetamol. Was tun? Einfach grundsätzlich keinen heben, wenn man Arzneimittel einnimmt. Alkohol, klar, ist immer ein Risiko. Aber wer kommt schon darauf, dass ein Frühstücksmüsli oder eine Scheibe Körnerbrot die Wirkung von Pillen ändern könnte. Schließlich sind die enthaltenen Ballaststoffe gesund, weil sie den Darm in Schwung bringen. Aber ganz nebenbei stören sie eben auch die Aufnahme von Arzneistoffen im Dünndarm. Vor allem Schmerzmittel, Antibiotika wie Penicillin und Trimethoprim, Schilddrüsenhormone und Mittel gegen Depressionen (Doxepin) fallen diesem Mechanismus zum Opfer und können daher nicht richtig helfen. Müsli hat es übrigens gleich mehrfach in sich, wenn man es mit Milch, Quark oder Joghurt genießt. Diese Milchprodukte können dafür sorgen, dass ein Antibiotikum nicht anschlägt. Der Grund: Das reichlich enthaltene Calcium geht mit einigen Mitteln (z. B. Doxycyclin, Ciprofloxacin, Norfloxacin) eine so feste Verbindung ein, dass der Körper die Wirkstoffe nicht aufnehmen kann. Die Folge: Die Bakterienkiller verfehlen ihre Wirkung. Selbst die geliebte Tasse Kaffee oder Tee am Morgen kann in Verbindung mit Medikamenten Probleme bereiten. Nimmt man sogenannte Gyrasehemmer, bringt das Koffein in Getränken das Herz zum Rasen. Auch Tee und Kaffee rauben Mitteln gegen Asthma oder Bronchitis ihre Heilkraft, weil sie den Wirkstoff Theophyllin ausbremsen.

Was also tun, damit Essen, Trinken und medizinische Behandlung nicht kollidieren?

„Am einfachsten ist es, auf riskante Lebensmittel zu verzichten, solange man Medikamente einnimmt“, rät die Apothekerin Stefanie Schellhammer. Wer jedoch lebenslang auf seine Pillen angewiesen ist, beherzigt besser die Zwei-Stunden-Regel: kritische Lebensmittel zwei Stunden vor und nach der Tablette meiden. Natürlich funktioniert keine Regel ohne Ausnahme – auch hier nicht. Denn allen, die gegen seelische Schieflagen sogenannte MAO-Hemmer einnehmen, hilft der zweistündige Sicherheits-
puffer nicht. Sie müssen auf eine Reihe eiweißhaltiger Lebensmittel verzichten, die als Eiweißbaustein die Aminosäure Tyramin enthalten. Ihr Blutdruck kann sonst gefährlich in die Höhe klettern. Zu den tyraminhaltigen Lebensmitteln gehören beispielsweise Käse, Salami, Salzheringe, Schokolade und Rotwein. Egal welche Arzneimittel Sie einnehmen: Fragen Sie den Apotheker beim Kauf, ob Sie beim Essen etwas beachten müssen. Denn leider fehlen diese wichtigen Informationen manchmal auf Beipackzetteln. Mehr über Medikamente und Lebensmittel hier.

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"Wer eines dieser Mittel einnimmt, verzichtet in dieser Zeit besser auf die bittersüße Frucht und den Saft daraus und steigt auf andere Getränke um." Oder man genießt schön weiter Grapefruits und lässt zur Abwechslung mal die Drogen bleiben.