Wie viel Fleisch ist eigentlich gut für mich? | EAT SMARTER
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Pro-Kopf-Verbrauch steigt von Jahr zu Jahr

Wie viel Fleisch ist eigentlich gut für mich?

Die Welt hat Hunger auf Fleisch. Weltweit werden derzeit jährlich 280 Millionen Tonnen produziert. Und der Hunger wird größer. Wenn es so weitergeht, werden es 2050 jährlich 463 Millionen Tonnen sein. Experten warnen inzwischen vor den Folgen. Klimawandel, Monokulturen und Krankheiten, was der gestiegene Fleischkonsum alles anrichten kann.

89 Kilo. So viel Fleisch verbraucht ein Deutscher im Jahr. Etwa 60 Kilo davon isst er selbst, der Rest setzt sich aus Futter, Verluste und industrielle Verarbeitung zusammen, meldet die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung. Weltweit werden insgesamt jährlich etwa 280 Millionen Tonnen Fleisch verbraucht, ein Drittel davon stammt vom Schwein, ein weiteres vom Geflügel. Der Rest setzt sich aus Rind- und Schaffleisch zusammen. Diese Zahlen stammen von der Food Agriculture Organization (FAO), der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen. Der Bericht bezieht sich auf die Jahre 1980 bis 2005. Und die Werte zeigen, wie groß die Lust auf Fleisch geworden ist. Besonders in den Entwicklungsländern. Hier hat sich der Fleischverbrauch zwischen 1980 und 2005 auf rund 31 Kilo verdoppelt. In China sogar vervierfacht, die Menschen hier verbrauchen etwa 60 Kilo im Jahr. Um den Hunger nach Fleisch zu stillen, werden weltweit derzeit etwa 1,5 Milliarden Rinder gehalten. Nach Schätzungen der FAO wird der Konsum anhalten. Für 2050 prognostizieren die Experten, dass etwa 2,6 Milliarden Rinder gehalten werden müssten. Und es müssten etwa 463 Millionen Tonnen Fleisch produziert werden.

Viel Aufwand für ein Kilo Fleisch

Die Produktion von Fleisch ist teuer. Eine Kuh muss rund zehn Kilo Soja futtern, um ein Kilo Fleisch anzusetzen. Knapp die Hälfte des weltweit angebauten Getreides landet in den Mägen von Schweinen, Hühnern oder Rindern. Nach Angaben der FAO werden etwa 80 Prozent des Agrarlandes für Viehhaltung verwendet. In einigen Ländern ist dadurch die Artenvielfalt der Pflanzen bedroht: In Südamerika sind in den letzten 40 Jahren fast 20 Prozent des Regenwaldes im Amazonasgebiet gerodet worden. Stattdessen wachsen auf vielen Flächen nun Sojapflanzen – auch, um die dortigen Viehherden mit Futter zu versorgen. Gleichzeitig sieht die FAO in den Viehherden einen der Mitverursacher des Klimawandels. Rund 18 Prozent der weltweiten Treibhausgase stammen aus der Tierhaltung. Daneben wird bei der Produktion viel Wasser verbraucht: Auf ein Kilo Schweinefleisch kommen 14.000 Liter.

Das Geschäft mit dem Fleisch

Mit dem Hunger auf Fleisch steigt auch die Industrialisierung der Viehhaltung an. Mit drastischen Folgen. Nach Recherchen des amerikanischen Autors Jonathan Safran Foer ("Tiere essen") stammen beispielsweise 99 Prozent des amerikanischen Fleisches aus Massentierhaltung. In vielen Massenbetrieben werden Antibiotika eingesetzt, um die Tiere vor möglichen Krankheiten zu schützen. Eine Methode, die auch in Europa verwandt wird. Erst vor einigen Tagen bestätigte das Niedersächsische Landwirtschaftsministerium, dass die Häufigkeit der Medikamentenbehandlung bei Hähnchen zugenommen hat. Vor zehn Jahren wurden etwa 1,7 Behandlungen pro Mastdurchgang eingesetzt, heute sind es 2,3. Wie sehr manchmal bei der Verarbeitung von Fleisch gepfuscht wird, meldet regelmäßig die Organisation Foodwatch. Auf ihrer Internetseite findet sich eine lange Liste von Skandalen und Schlampereien. Zu den größten gehört sicherlich der Vorfall im bayrischen Deggendorf 2005: Zwei Jahre lang hatte eine Firma Schlachtabfälle als lebensmitteltauglich deklariert und an Firmen verkauft. Die Abfälle wurden zu Lebensmitteln verarbeitet. Derzeit wird vor allem über die Verwendung von so genanntem Klebefleisch diskutiert. Dabei werden verschiedene Fleischreste mit dem Enzym Thombrin verklebt. Gesundheitsgefährdend ist das Fleisch zwar nicht, dennoch fordert auch Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner eine Kennzeichnung. Den Verbraucherzentralen reicht dies nicht. Sie fordern ein Reinheitsgebot.

Fleisch als wichtiger Bestandteil einer gesunden Ernährung?

Bei vielen Menschen ist Fleisch sehr beliebt. In dem Lebensmittel stecken unter anderem B-Vitamine. Das Vitamin B12 zum Beispiel ist wichtig für die Bildung von roten Blutkörperchen. Daneben stecken viel Eisen, Zink, Selen und Kalium im Fleisch. Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) ist die Bioverfügbarkeit von Mineralstoffen in keinem Lebensmittel höher. Außerdem liefert Fleisch wichtige Proteine, die der Mensch zum Aufbau von Zellen braucht. Doch die Menschen essen meistens mehr Fleisch als empfohlen wird und das kann unter Umständen krank machen. Im März 2009 veröffentlichte das National Institut of Health eine Langzeitstudie mit rund 500.000 Amerikanern. Das Ergebnis: Männer, die mehr als 250 Gramm rotes Fleisch am Tag aßen, steigerten ihr Krebstodrisiko um 22 Prozent, das Herztodrisiko um 27 Prozent. Als Vergleichsgruppe dienten Versuchsteilnehmer, die nicht mehr als 150 Gramm Fleisch am Tag aßen. Effekte wie Rauchen, Übergewicht und Bewegungsmangel hatten die Forscher heraus gerechnet. Der Welt-Krebsforschungsfond empfiehlt seitdem, nicht mehr als 300 Gramm rotes Fleisch pro Woche zu essen. Rotes Fleisch stammt von Schweinen, Rindern und Schafen. Ob sich die Ergebnisse aber auf die Deutschen übertragen lassen, bezweifelt das Bundesinstitut für Risikobewertung. In ihrer Stellungnahme vom Mai 2009 heißt es: "Allerdings kann aus der Sinha-Studie kein direkter Kausalzusammenhang zwischen Fleischkonsum und Krebs sowie anderen Todesursachen abgeleitet werden." Fazit der Analyse: "Fleisch ist weiterhin wichtiges Lebensmittel für eine gesunde und ausgewogene Ernährung." Dennoch: Die Deutschen essen mehr Fleisch als sie eigentlich müssen. Es ist vor allem der hohe Fettgehalt, der als Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Übergewicht gilt. Denn der Körper speichert das Fett, das er nicht verbraucht. Die möglichen Folgen: Es drohen Diabetes, Bluthochdruck und Ateriosklerose. Außerdem steigt das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen.

Ein Leben ohne Fleisch?

Inzwischen versuchen immer mehr Menschen, weniger Fleisch zu essen. Die Gründe dafür sind vielfältig. Einige Menschen lehnen Fleisch aus ethischen Gründen ab, weil sie gegen die Massentierhaltung sind. Andere fürchten, dass die Intensivbehandlung mit Antibiotika der Qualität des Fleisches schadet. Sie setzen daher auf Biofleisch. Und wieder andere reduzieren ihren Konsum, um sich gesünder zu ernähren. Auch wenn man nicht vollkommen auf Fleisch verzichten möchte, lässt sich der Konsum schon recht leicht reduzieren – ohne dass dabei die Qualität der Ernährung leiden muss. EAT SMARTER stellt zehn Tipps vor, wie Sie Ihre Ernährung umstellen könnten.

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Damit nicht noch mehr Tiere leiden müssen, überlegt euch doch auf vegetarische Kost umzustellen! Wenn nicht komplett dann doch ein-zweimal in der Woche! Muss ja nicht immer Fleisch sein :)