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23. März 2017

Modernes Landleben: Dorfbewohner eröffnen eigenen Laden

Supermärkte scheuen das Risiko, auf dem Land Läden zu eröffnen: Um Nahversorgung zu sichern, soziale Kontakte zu pflegen und das Dorfleben weiterhin aufleben zu lassen, haben Dorfbewohner in Otersen einen gut sortierten Tante-Emma-Laden eröffnet. Diesen Erfolg haben sich die Einwohner des 520-Seelen-Dorfes am Rand der Lüneburger Heide selbst zu verdanken. Der sogenannte "Dorfladen" ist eine kleine Aktiengesellschaft: Jeder besitzt dort im Nennwert von 250 Euro Anteilscheine.

Obst im Supermarkt

Nahversorgung auf dem Land sichern 

Auch wenn es nur das Geschenkpapier oder das Brot kurz vor Ladenschluss ist, die Nahversorgung ist dank des sogenannten "Dorfladen" nun in Otersen gesichert. Der Tante-Emma-Laden schließt die persönlichen Versorgungslücken der Anwohner. Auf 180 Quadratmetern wird alles verkauft was das Herz begehrt. Frisches Obst und Gemüse aber auch Fleisch und Backwaren werden dort angeboten.

Für einen Großstadtmenschen mag das im ersten Moment nicht besonders klingen. Doch ohne ihren Laden müssten die Bewohner für jede Kleinigkeit 15 Kilometer in den nächsten Ort fahren – gerade für ältere Menschen ist das anstrengend. 

Lebensmittelgeschäfte gehen zurück

Noch vor 40 Jahren gab es in Deutschland 160.000 Lebensmittelgeschäfte. Heute sind es weniger als 39.000. Die Ladendichte ist enorm zurückgegangen, besonders auf dem Land fällt dieses Problem auf. Dort sind die Menschen auf lokale Einkaufsmöglichkeiten angewiesen, um nicht bei jeder kleinen Erledigung das Auto nehmen zu müssen. Die meisten kleinen Lebensmittelhändler sterben nach und nach aus. 

Wachsende Mobilität 

Immer mehr Menschen sind mit dem Auto unterwegs und gehen nicht mehr in den Laden um die Ecke. Supermärkte, Discounter und Warenhäuser werden immer gefragter. Die Zahlen der Lebensmittelgeschäfte fallen jedoch immer mehr: von über 17.000 (2006) auf nur noch rund 10.000 (2012).

Auf den Markt gegen den Herbstblues

Bevölkerungsrückgang auf dem Land

Auf dem Land nimmt die Bevölkerung kontinuierlich ab und somit die damit einhergehende Kaufkraft. Ein Ende dieser Entwicklung ist leider nicht in Sicht. Der demografische Wandel führt dazu, dass die Menschen vom Land in die Stadt ziehen.

Durch das Ausbleiben der Kundschaft verringert sich auch das Angebot an Einkaufsmöglichkeiten. Damit die Konsumenten trotzdem weitesgehend zufrieden gestellt werden, muss der Handel kreative Lösungen und Konzepte bereitstellen. 

Abwärtsspirale gestoppt

Der Ort in der Lüneburger Heide schien ein aussterbendes Dorf zu sein. In den 90-er Jahren zählte Otersen nur noch rund 400 Einwohner. Die Anwohner überlegten sich ein tolles Konzept: Sie eröffneten Ihren eigenen Laden. Viele Dorfbewohner erledigen dort Ihren gesamten Wocheneinkauf.

Der Laden hat viele Funktionen: Für größere Einkäufe, für kleine Besorgungen oder auch als Nachrichtenbörse. Auch als Anlaufstelle für die älteren Bewohner des Dorfes seid der Dorfladen wichtig.

Auch wenn die Dorfläden so beschaulich aussehen, sind sie oft ein Wagnis. Viele Dörfer mussten ihre Läden nach ein paar Jahren wieder schließen, da nicht genug Umsatz gemacht wurde. Höhere Preise würden nicht helfen, da sich die Aktionäre damit selbst ins Fleisch schneiden würden.

So läuft vieles im Laden ehrenamtlich, wie etwa die Buchhaltung. Trotzdem kostete Hauskauf, Umbau und Sanierung eine halbe Million Euro. 

Hühner auf einer Wiese

Die Investitionen zahlen sich aus

Natürlich ist eine halbe Million Euro eine Menge Geld für ein kleines Dorf. Die Investitionen scheinen sich aber gelohnt zu haben: Im vergangenen Jahr machte der Dorfladen 370.000 Euro Umsatz. Das sind 80.000 Euro mehr als fünf Jahre zuvor.

Günther Lühning, der Vorsitzende des Dorfladens, erklärt, wie sich das Geschäft über die Jahre entwickelt hat, von gemieteten Räumen hin zur eigenen Immobilie: "Dadurch wurde aus unserem bürgerschaftlich organisierten Lebensmittelmarkt ein Lebens-Mittelpunkt für die Menschen in unserer ländlichen Region. Wir bieten unseren Kunden 2.700 verschiedene Artikel, darunter viele regionale Produkte von 15 kleinen Produzenten aus der Region im Umkreis von 40 Kilometern, viele Bio- und auch Fairtrade- Produkte, Marken-Artikel und preisgünstigere Eigenmarken unseres Hauptlieferanten."

Hierbei ist die Nachfrage gemischt, so Lühning: "Backwaren aus einer regionalen Handwerksbäckerei, regionale Produkte wie Honig vom Dorf-Imker, Heidelbeeren und Erdbeeren vom örtlichen Bioland-Hof, Aronia-Produkte sowie Fleisch- und Wurstwaren aus der Region, Tiefkühlkost und Käse-Spezialitäten aus mehreren europäischen Ländern, die wir von einem Großhändler aus unserer Landeshauptstadt beziehen. Ständig steigende Kosten zwingen uns aber dazu, immer besser zu werden und den Umsatz zu steigern."

Noch mehr Läden möchten die Dorfbewohner dafür jedoch nicht eröffnen: "Ein zweiter Laden ist nicht unser Ziel. Von unseren langjährigen Erfahrungen können engagierte Bürgerinitiativen aus anderen Dörfern aber gerne profitieren. Unsere Wissenstransferstelle wurde in den letzten Jahren von Bürgergruppen, Ortsräten und Bürgermeistern aus ganz Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein besucht."

Gewiss ist also, dass der Trend sich weiterentwickeln wird und andere Dorfgemeinden nachziehen werden. 


(ans)

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