Soll ich jetzt (öfter) auf Fleisch verzichten? | EAT SMARTER
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Der neue Vegetarier-Trend

Soll ich jetzt (öfter) auf Fleisch verzichten?

Erfolgsautor Jonathan Safran Foer will uns mit seinem aktuellen Buch "Tiere essen" alle zu Vegetariern machen. Eine weitere Befeuerung einer Bewegung, die längst ihr Öko-Image abgeschüttelt hat - fleischloser Genuss ist der neue Szene-Lebensstil. Dabei sind die Gründe für den Verzicht auf Fleisch vielfältig, genauso die Formen der Veggie-Ernährung. Vom mega-strengen Veganer bis zum Teilzeit-Vegetarier ist alles erlaubt. Bleibt die Frage: Isst man als Vegetarier besser?

Manch einer mag einfach kein Fleisch. Das ist inzwischen die kleine Randgruppe unter den Vegetariern. Das Proletariat quasi, denn eigentlich ist ein bisschen mehr Überzeugung gewünscht. Und so verzichtet der Großteil der deutschen Vegetarier inzwischen aus ethischen Gründen auf Steaks & Co. Und empfindet das als einen Gewinn an Lebensqualität.

Auch die Wirtschaft springt auf den Zug auf. Vegetarische Lebensmittel finden sich inzwischen in jedem Supermarkt und in den Großstädten sprießen Szene-Restaurants mit Gemüse-Menüs wie Pilze aus dem Boden. Kurz: Der Verzicht auf Fleisch ist in.

Verzicht auf Fleisch macht Sinn 

Als Argumente gegen die Fleisch-Lust werden die qualvolle Massentierhaltung, Klimaschutz und globale Verantwortung genannt. Und es stimmt: Das Klima rebelliert, obendrauf verursacht die Produktion von Fleisch beachtliche Mengen an umweltschädlichem Kohlendioxid. Immer mehr landwirtschaftliche Nutzflächen müssen her und wie Tiere in Massenställen leiden, haben uns bereits diverse TV-Berichte vor Augen geführt. Die Abkehr vom Fleisch aus ideologischen Beweggründen macht daher durchaus Sinn.

Und auch aus gesundheitlicher Sicht spricht wenig gegen eine vegetarische Ernährung, wenn man es denn richtig macht. Studien kamen zu dem Ergebnis, dass Vegetarier seltener unter Bluthochdruck, erhöhten Bluttfettwerten und Übergewicht leiden als Menschen, die viel Fleisch essen. Aber die Forscher weisen auch darauf hin, dass das nicht an der fleischlosen Ernährung allein liegt. Vielmehr leben Vegetarier an sich gesünder, rauchen und trinken weniger, treiben mehr Sport. 

Teilzeit-Vegetarier leben am gesündesten

Einfach nur kein Fleisch mehr essen? Ganz so einfach ist das nicht. Heute unterscheidet man grob zwischen sechs Formen der vegetarischen Ernährung: Ovo-Lacto-Vegetarier verzichten komplett auf Fisch und Fleisch, Lacto-Vegetarier streichen zusätzlich noch Eier vom Speiseplan. Ovo-Vegetarier essen weder Fleisch, noch Fisch und außerdem überhaupt keine Milchprodukte, nur Eier sind erlaubt. Veganer erlauben sich keinerlei Produkte tierischen Ursprungs, selbst Honig ist tabu. Besonders strenge Veganer verzichten sogar auf Kleidung aus Leder oder Seide. Eine Unterform der Ovo-Lacto-Vegetarier, die Pisco-Vegetarier, gönnen sich ab und an Fisch. Die sechste Gruppe ist interessant für alle Fleischesser, die sich an die vegetarische Ernährung herantasten wollen: Flexitarier wollen sich bewusst aber ohne zu große Einschränkungen ernähren. Ab und an ist sogar Fleisch erlaubt, dann aber aus artgerechter Haltung und am besten in Bio-Qualität. 

Eine Langzeitstudie des Deutschen Krebsforschungszentrums zur vegetarischen Ernährung ergab, dass solche Teilzeit-Vegetarier gesundheitlich am besten abschneiden. Einem Mangel vorbeugen Sich komplett fleischlos zu ernähren, ist nicht ganz einfach. Wichtige Nährstoffe wie Proteine und Eisen, die sonst über Fleisch aufgenommen werden, müssen über andere Lebensmittel zugeführt werden, um einem Mangel vorzubeugen. Und da reicht es nicht, ab und an ein wenig Tofu zu essen.

Wichtig ist ein komplexer und ausgewogener Speiseplan. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt: Wer sich fleischlos ernährt und sich dabei Milch und Eier erlaubt, deckt seinen Eisenbedarf am besten über Vollkorngetreide, Blattsalate, Pfifferlinge und Spinat und kombiniert diese pflanzlichen Eisenlieferanten mit einem Vitamin-C-reichen Lebensmittel. Das fördert die Eisenaufnahme. Proteine kommen aus Hülsenfrüchten, Kartoffeln, Milch und Milchprodukten und Tofu. Wird kein Fisch gegessen, ist jodiertes Speisesalz der beste Jod-Lieferant.

Am schwierigsten ist es, einen Nährstoffengpass bei B-Vitaminen und Vitamin-D auszugleichen. Vergorene Lebensmittel wie Sauerkraut (Vitamin B12) sollten deshalb regelmäßig auf dem Speiseplan stehen. In Ausnahmefällen müssen Vegetarier, vor allem wenn kein Fisch verzehrt wird, bei Vitamin D zu Nahrungsergänzungsmitteln greifen.

Eine Liste mit den besten Fit-Lebensmitteln für Vegetarier finden Sie hier.

Anstoß zum Gemüsetag

Nun muss nicht jeder gleich zum militanten Vegetarier werden. Vielmehr zeigt der neue Veggie-Trend, dass es gute Gründe gibt, seinen Fleischkonsum zu überdenken und zum bewussteren Esser zu werden. Schon ein paar fleischfreie Tage in der Woche tun Gesundheit und Klima gut. Und sollte sich dieser Trend fortsetzen besteht Hoffnung, dass sich langfristig auch etwas an dem Missständen der deutschen Massentierhaltung verändert. Mehr zum Thema: Vegetarisch genießen – die besten Rezepte und „Ist rotes Fleisch auf Dauer giftig?“

Buch-Tipp: Jonathan Safran Foer; „Tiere essen“; Kiepenheuer & Witsch; 19,95 EUR

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Es geht bei der Reduktion des Fleischverbrauchs weniger um Ideologie, sondern um besseres Haushalten mit den begrenzten Ressourcen Boden, Wasser, Nährstoffe: für die Herstellung eines Kilos besten Rindfleischs werden etwa 16.000 l Wasser verbraucht, für die entsprechende Menge Brotgetreide mit dem gleichen Nährwert nicht einmal 10% davon. Es ist einfach Verschwendung von Ressourcen, dass inzwischen mehr als die Hälfte der landwirtschaftlichen Anbauflächen für die Erzeugung von Futtermitteln verwendet werden und das angesichts der weltweiten Nahrungsmittelkrise.
 
"Sich komplett fleischlos zu ernähren ist nicht ganz einfach." Dies scheint mir doch etwas übertrieben. Es gibt kein Vitamin, welches ausschließlich nur im Fleisch vorkommt. Eisen, B-Vitamine kommen auch in Gemüse und Getreide vor, nur um Beispiele zu nennen. Da braucht es nicht mal den zitierten Tofu als Ersatz. Sich komplett fleischlos zu ernähren ist sehr einfach, wenn man sich ausgewogen ernährt, was heute leider nicht mehr die Regel ist (auch nicht unter Fleischessern). Veg. Rezepte gibt es online oder in tollen vegetarischen Kochbüchern im Handel.
 
Flexitarier? Was für ein Blödsinn. Da wird augenwischerei betrieben. Ebenso gibt es keine Teilzeit-Vegetarier. Es würde sich ja auch niemand als Teilzeit-Raucher bezeichnen, nur weil er mal einen Vormittag ohne Kippe auskäme. Man kann meinetwegen Ovo-Lacto Vegetarier sein, Veganer u.ä. Aber packt mir nicht die vielen Heuchler zu den Vegetariern, die bei jedem zweiten Burgerking-Besuch mal einen Veggie-Burger buchen.