Fair-Trade – was steckt hinter dem fairen Handel? | EAT SMARTER
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Die wichtigsten Fakten

Fair-Trade – was steckt hinter dem fairen Handel?

Was ist Fair-Trade? Was ist Fair-Trade?

Alle reden von Nachhaltigkeit, und die Bio-Branche boomt. Doch noch eine andere Idee verfolgt ein Konzept, das sich der Zukunft verschrieben hat: Fair-Trade. Die Bewegung will eine Alternative zum konventionellen, internationalen Handel sein. Doch hat das solidarisch angelegte Geschäftsmodell Erfolg?

Fair-Trade boomt: In Deutschland verzeichnet der faire Handel das achte Jahr in Folge eine zweistellige Wachstumsrate. Rund 400 Millionen Euro gaben die deutschen VerbraucherInnen im letzten Jahr für Fair-Trade-Produkte aus. Kaffee, Blumen und Bananen sind dabei die wichtigsten Wachstumstreiber der Branche. Und auch für die Produzenten lohnt es sich: Nach Angaben von TransFair e.V. profitieren 1,2 Millionen Kleinbauern und ArbeiterInnen in rund 60 Ländern direkt vom fairen Handel. Und ermöglichen damit ihren Familien, oft dem ganzen Dorf, ein besseres Leben.

Fair-Trade – wie alles begann

Die Geschichte des fairen Handels in Europa beginnt mit einem sehr beliebten Heißgetränk: dem Kaffee. Weltweit das zweitwichtigste Importgut nach Erdöl, wird er für einen Hungerlohn in den Ländern der Dritten Welt produziert. Dieser Ungerechtigkeit erstmals bewusst, gründet sich 1967 die holländische Stiftung SOS Wereldhandel mit dem Ziel, Produkte aus Entwicklungsländern zu fairen Bedingungen zu vertreiben. Zunächst beschränkt auf handwerkliche Erzeugnisse importiert SOS Wereldhandel 1973 den ersten fair produzierten Kaffee aus Guatemala. Und auch in Deutschland regt sich Widerstand gegen die deutsche Entwicklungspolitik: 1970 organisieren kirchliche Aktionsgruppen bundesweit sogenannte „Hungermärsche“. Rund 30.000 Aktivisten protestieren gegen die wachsende Benachteiligung von Produzenten in Dritte-Welt-Ländern. Sie fordern die Verringerung der Rüstungsausgaben in Deutschland und die Erhöhung der Entwicklungshilfe auf 1% des BIP. Außerdem sollen die Zoll- und Handelsschranken zugunsten der Importe aus der Dritten Welt abgebaut werden. Noch im gleichen Jahr wird die Aktion “Dritte-Welt-Handel” gegründet, woraus später die ersten Weltläden hervorgehen. Heute gibt es in Deutschland um die 800 Weltläden, in denen fast 1.000 verschiedene Fair-Trade-Produkte erhältlich sind.

So funktioniert Fair-Trade

In Deutschland vergibt der gemeinnützige Verein TransFair e.V. das „Fairtrade- Siegel “ für fair gehandelte Produkte. Er wird von 36 namenhaften Institutionen wie der Bundesregierung oder der Europäischen Union unterstützt. Damit ein Produkt das „Fairtrade-Siegel“ tragen darf, muss es bestimmte Anforderungen erfüllen, die von Fairtrade International  (FLO) in den Fairtrade-Standards festgelegt werden. Die Standards bauen auf den drei Säulen Ökonomie, Ökologie und Soziales auf. Inzwischen gibt es für 19 Produktkategorien wie Tee, Kaffee, Nüsse, Blumen oder auch Baumwolle spezielle Fairtrade-Standards. Das unabhängige Zertifizierungsunternehmen FLO-CERT der FLO kontrolliert vor Ort die Einhaltung der Bedingungen. Das erklärte Ziel: Eine Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen der Kleinbauern in den Entwicklungsländern.

Wann ist es Fair-Trade?

Die Importeure von Fair-Trade-Produkten arbeiten vorwiegend mit demokratisch organisierten Kleinbauern-Kooperativen zusammen. Die Zusammenarbeit gründet sich auf langfristigen und transparenten Handelsbeziehungen. Um nicht die Beute lokaler Kredithaie zu werden, haben die Kleinbauern die Möglichkeit, eine Vorfinanzierung zu beantragen. Neben Mindestpreisen erhalten die Produzenten fixe Fairhandels-Prämien, die in soziale Projekte investiert werden. Zusätzlich werden für manche Produkte Mindestabnahmemengen garantiert. Für Arbeitgeber, sowie für Kooperativen gilt, dass sie soziale Mindeststandards einhalten müssen. So sind beispielsweise Kinderarbeit und Diskriminierung verboten. Gewerkschaftsfreiheit, Absicherung im Krankheitsfall und die Einhaltung von arbeitsschutzrechtlichen Bestimmungen sind Pflicht. Auch ökologische Mindeststandards gelten für die Produktion der Fair-Trade-Produkte. Der Anbau soll möglichst ressourcenschonend und umweltverträglich sein, der Einsatz von Gentechnik ist verboten.

Problematisch wird eine Zertifizierung bei Mischprodukten wie Schokolade. Hier gilt: Das Produkt muss zu mindestens 20 Prozent aus Fair-Trade-zertifizierten Inhaltsstoffen bestehen. Außerdem sind die Hersteller dazu verpflichtet, die Zutaten, die in Fairt-Trade-Qualität (hier z.B. Fairtrade-Kakao, Fairtrade-Zucker) erhältlich sind, auch in jedem Fall für das Mischprodukt zu verwenden.

Fair-Trade ist kein rechtlich geschützter Begriff

Neben der FLO beschäftigen sich noch weitere Organisationen, zum Beispiel die Rainforest Alliance (RA), mit dem fairen Handel. Da der Begriff Fairt-Trade aber bisher rechtlich nicht geschützt ist, gibt es sehr unterschiedliche Vergabekriterien für die jeweiligen Siegel. So steht die Rainforest Alliance immer wieder in der Kritik, eine Fair-Trade-Lightversion zu sein. Denn das vorrangige Ziel der Organisation ist die Nachhaltigkeit auf dem Gebiet der Landwirtschaft. Eine soziale Verantwortung gegenüber der Unternehmer ist zwar wichtig, jedoch nicht ausschlaggebend für eine Zertifizierung mit dem Gütesiegel.

Wichtige Importeure für Fair-Trade-Produkte in Deutschland sind die GEPA, EL PUENTE, dwp e.G. und Bana Fair. Um Fair-Trade-Produkte für den Verbraucher erkennbar zu machen, hat die Fair-Trade-Branche unterschiedliche Siegel entwickelt. In unserer Siegelkunde erfahren Sie, was hinter welchem Siegel für Fair-Trade- Produkte steckt. (osw)
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Danke!! Informier mich schon lange über das Thema. Super Überblick
 
den Artikel "Fair Trade" finde ich sehr informativ und hilfreich. Ich werde ihn auch an Freunde und Bekannte weiterleiten. Herzlichen Dank für diese Art der Berichte!
 
super artikel