Kulinarische Reise: Capitol Region USA | EAT SMARTER
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Kulinarische Reise

Entdecken Sie die Capitol Region

Die Lieblingsrestaurants von Barack Obama in Washington D.C., Seafood in den Küstenorten Marylands und Wein aus Virginia – die regionalen Spezialitäten der Gegend rund um die amerikanische Hauptstadt sind unglaublich vielseitig. Und das Beste: Die einzelnen Orte liegen so nah beieinander, dass Sie diese innerhalb eines Tagesausflugs von Washington aus entdecken können. Schnallen Sie sich an und begleiten Sie uns auf einen kulinarischen Roadtrip durch die Capital Region USA.

Eine kulinarische Reise durch die Capitol Region der USA

Weiße Haus

Jeden Morgen in aller Herrgottsfrühe fährt Jeff Harrison hinaus aufs Wasser der Chesapeake Bay in Maryland. Die größte Flussmündung der USA glänzt bei Sonnenaufgang wie flüssiges Quecksilber. Hier verdient der 55-Jährige seit mehr als drei Jahrzehnten sein Geld mit dem Fangen von Fischen, Krabben und Austern. Genauso wie schon sein Vater, sein Großvater, sein Urgroßvater und sein Ururgroßvater. „Ich gehöre in meiner Familie schon zur fünften Generation, die fischt“, erzählt er stolz, während sein Blick über die riesige Bucht gleitet.

Seafood-Paradies nur eine Stunde von Washington

Washington D.C., die mächtigste Politmetropole des Planeten, liegt nur 50 Kilometer, etwa eine Autostunde entfernt. Doch an der Chesapeake Bay wähnt man sich wie in einer Welt aus einem anderen Jahrhundert. Mit mehr als 1000 Kilometern Küste gilt die Region, besonders das östliche Ufer der Mündung (auch als Eastern Shore bekannt), als „Riviera of the East Cost“. Hier gibt es nur Kleinstädte und Fischerdörfer, alle mit ihrer eigenen Marina und vielen, teils sehr teuren Yachten. Hochrangige Politiker wie der frühere Vizepräsident Dick Cheney oder Verteidigungsminister Donald Rumsfeld wohnen hier. Auch Hollywood-Star Johnny Depp hat in diesen Gewässern eine Yacht liegen. Neben der spektakulären Landschaft dürften es auch die regionalen Seafood-Spezialitäten sein, die so viele Politiker, Prominente und Touristen an die Eastern Shore locken.

Austern öffnenHunderte Austernbänke gibt es in der Chesapeake Bay. Die Tiere müssen 7,5 Zentimeter groß sein, bevor sie gefangen werden dürfen. Der Fang wird streng reguliert, nicht nur die Mindestgröße wird vorgeschrieben, auch die Menge an Austern, die jeder Fischer täglich fangen darf: 15 Eimer. Jeff Harrison kennt diese Regeln natürlich. Je nach Saison ändert sich sein Fang: Blaukrabben gibt es nur bis Ende November, Austern ab Oktober, Aale, Barsche und Flundern das ganze Jahr über.

Vergeht einem hier nicht irgendwann die Lust auf Fisch und Meeresfrüchte? „Auf keinen Fall! Während der Saison bringe ich jeden Abend Austern mit nach Hause. Deswegen hat meine Frau mich doch geheiratet“, sagt Harrison und lacht. Daheim werden die Austern frittiert und mit Blauschimmelkäse bedeckt – so mag es der Fischer am liebsten.

Auch Kelley Cox lebt von Krabben und Austern. Doch anders als Harrison fängt sie die Tiere nicht, sondern klärt auf. Die Meeresbiologin zeigt Schulkindern – oder ausnahmsweise einer deutschen Journalistin – die maritimen Besonderheiten der Chesapeake Bay. In ihrer Hütte direkt am Hafen von Tilghman Island stapeln sich die Aquarien. Darin schwimmen Blaukrabben, Austern, Aale und Diamantschildkröten (das Wappentier von Maryland). „Am besten schmecken Blaukrabben mit Old Bay Seasoning“, findet die Meeresbiologin. Die Gewürzmischung gehört zur Chesapeake Bay wie die Currywurst zu Berlin. Sie besteht aus Senf, Paprika, Lorbeere, Pfeffer, Nelke, Muskat, Kardamom und Ingwer und gibt nicht nur Blaukrabben den letzten Schliff, die Bay-Bewohner würzen mit der kulinarischen Allzweckwaffe auch Salate, Hähnchen, und sogar Bloody Marys und Popcorn.

Auf der Erkundungstour durch Maryland geht es über den Chesapeake Country Scenic Byway und die knapp sieben Kilometer lange Chesapeake Bay Bridge vom Eastern Shore nach Annapolis. Die historische Hafenstadt war von 1783 bis 1784 sogar die Hauptstadt der damals noch jungen Vereinigten Staaten. Die Stadt lässt sich perfekt zu Fuß erkunden – vom alten State House durch das Stadtzentrum bis zum Hafen sind es nur wenige Minuten. Mein Tipp: an der Kaimauer angekommen mit dem Wasser-Taxi ans andere Ende des Hafens fahren und im „Carrol’s Creek“ Waterfront Restaurant (www.carrolscreek.com) auf der Terrasse direkt über dem Wasser essen. Auch ein Besuch der United States Naval Academy (die Marineakademie der USA) lohnt sich. Der Campus ist so groß, dass er seine eigene Postleitzahl hat. Bis auf die privaten Schlafräume und die Mensa sind alle Gebäude öffentlich zugänglich. So kann man leider nicht zuschauen, wenn sich um exakt 12.05 Uhr alle 4500 Kadetten auf Befehl gleichzeitig an die Tische setzen, um zu essen.

Loudon County – D.C.’s Wine Country

Solche Menschenmassen gibt es in Loudoun County in Virginia nicht. Die Region zeichnet sich durch etwas anderes aus: Mit mehr als 40 Weingütern auf einer Fläche gerade mal halb so groß wie das Saarland wird die Gegend nicht umsonst „D.C.’s Wine Country“ genannt. In den letzten Jahren gab es hier einen regelrechten Wein-Boom. Der Grund: fruchtbare Erde, mildes, sonniges Klima und zahlungskräftige Kunden – Politiker und Geschäftsleute, die in Washington arbeiten, aber auf dem Land leben möchten. Inzwischen gewinnen die Weine aus Virginia internationale Preise und müssen sich längst nicht mehr vor ihren berühmten Verwandten aus Kalifornien zu verstecken.

Wine TastingsWine Tastings direkt auf dem Weingut gibt es schon ab acht Dollar (ein Dollar entspricht etwa 0,75 Euro) –mit darauf abgestimmten Snacks wie zum Beispiel selbst gebackenem Brot oder auch Schokoladen-Trüffeln (ab 15 Dollar). Wer sich nicht entscheiden kann, welchen Winzer er besuchen möchte, kann eine Fahrrad-Weintour buchen (über die „Trail’s End Cycling Company“, www.trailsendcycling.com) und so gleich mehrere Weingüter besichtigen.

Wer von Loudoun County noch weiter gen Westen fährt, gelangt in den Shenandoah Nationalpark. Das Highlight dort ist der Skyline Drive: eine 169 Kilometer lange Straße auf dem Gebirgskamm der Blue Ridge Mountains. Ein spektakulärer Aussichtspunkt jagt den nächsten – 75 sind es insgesamt. Von welchem es den schönsten Ausblick gibt? Unmöglich, sich zu entscheiden. Halten Sie einfach bei einem, erkunden Sie den Park von dort zu Fuß und entdecken Sie einen der atemberaubenden Wasserfälle. Auf dem höchsten Punkt (etwa 1100 Meter) des Skyline Drives liegt das „Skyland Ressort“ (www.goshenandoah.com). Dort gibt es neben dem spektakulären Ausblick nicht weniger spektakuläres Essen: Die „Mile-High Blackberry Ice Cream Pie“ ist nicht nur wegen des zur Lage passenden Namens zu empfehlen. Hochsaison ist in dem eindrucksvollen Nationalpark übrigens nicht im Sommer, sondern im Herbst, wenn sich das Laub färbt.

Von der Ruhe des ländlichen Virginias ist in der Hauptstadt der Weltmacht USA nichts zu spüren – zumindest wenn der Kongress, bestehend aus Senat und Repräsentantenhaus, tagt. Während dieser Zeit wimmelt es in den Edelrestaurants Washingtons nur so von Politikern, Richtern und Angestellten des Surpreme Courts und Lobbyisten. Woran man die mächtigen Menschen erkennt, wenn sie nicht gerade in einem privaten Raum essen? „Politiker sind meist zu zweit beim Essen. Sie sitzen einander gegenüber, nicht nebeneinander, sodass sie sich besser unterhalten können. Außerdem mögen es Politiker, wenn ich sie persönlich an ihrem Tisch begrüße. Das beweist ihren VIP-Status und ist für sie eine gute Möglichkeit, vor ihrem Gegenüber anzugeben“, erzählt Maria Trabocchi, Besitzerin des „Fiola“ (www.fioladc.com). Besonders das nicht gerade günstige, aber schnelle Mittagsmenü des italienischen Restaurants ist bei den US-Politikern beliebt.

Was isst Barack Obama?

Wenn jedoch Präsident Barack Obama essen geht, wird das zur Staatsaffäre: Bevor er ein Restaurant betritt, werden vorher alle Gäste vom Geheimdienst akribisch durchsucht. Trotz des Aufwands geht der mächtigste Mann der Welt gerne aus – zum Beispiel ins „Nora“ (www.noras.com). In dem ersten biozertifizierten Restaurant der USA (seit 1999) überraschte er seine Michelle mit einer Geburtstagsparty. Lamm für die First Lady und Hummer mit Safran-Risotto für den Präsidenten – das bereitete Benjamin Lambert für die hochrangigen Gäste zu. Nervös war der Koch nicht, obwohl zwei Secret-Service-Agenten jeden seiner Handgriffe überwachten. „Ich habe seit Gerald Ford schon für jeden US-Präsidenten gekocht“, sagt er selbstbewusst. Die frühere First Lady und Außenministerin Hillary Clinton war von dem Essen im „Nora“ so begeistert, dass es seitdem eines ihrer Lieblingsrestaurants in Washington ist. Ein Vier-Gänge-Menü gibt es hier ab 69 Dollar, einzelne Hauptgerichte ab 30 Dollar.

Auch Angela Merkel kann Obamas guten Geschmack, zumindest was Restaurants betrifft, bestätigen. Am Abend vor einem Staatsbankett im Weißen Haus lud er die Kanzlerin zum privaten Abendessen ins „1789“ (www.1789restaurant.com) ein. In dem Restaurant im Landhausstil in Washingtons Szeneviertel Georgetown wird vor allem saisonale amerikanische Küche serviert – Hauptgänge kosten 30 bis 50 Dollar. Für die deutsche Bundeskanzlerin gab es Spargelsalat, Lendenbraten vom Bio-Rind mit Kartoffelpüree, Steinpilzen und Mangold.

Ben's Chili BowlOffizielle Galaabende, repräsentative Dinner mit Staatsgästen oder knallharte Verhandlungen beim Mittagessen im Edelrestaurant – auch kulinarisch ist im Leben von Amerikas mächtigstem Mann alles exakt durchgeplant. Wen wundert es da, dass Barack Obama es in seiner Freizeit bei Tisch etwas legerer mag. Wenn das Protokoll es erlaubt, besucht der 52-Jährige mit seiner Familie gerne das „Ben’s Chili Bowl“ (www.benschilibowl.com). Die Spezialität des Hauses ist Chili: Sei es im Hotdog, auf einem Burger oder einfach so. Auch die Preise sind zivil: Ab vier Dollar gibt es Gerichte! Übrigens: Bis vor Kurzem bekam nur der Komiker und Schauspieler Bill Cosby sein Essen kostenlos. Mittlerweile gilt das auch für die First Family, zumindest für Michelle Obama und die beiden Töchter Sasha und Manila. Der Präsident, so heißt es, muss weiter brav bezahlen.

(bor)

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