Entdecken Sie Teneriffa | EAT SMARTER
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Kulinarische Reise

Entdecken Sie Teneriffa

Mit 300 Sonnentagen und ganzjährigen milden Temperaturen lockt Teneriffa gerade im Winter viele Besucher an. Im Februar lohnt sich eine Reise zur beliebtesten Kanarischen Insel besonders: Es ist Karnevalszeit!

Kulinarische Reise nach Teneriffa

Abwechslungsreiche Landschaft

Klar, auf Teneriffa kann man auch einfach nur in der Sonne liegen, faulenzen und grinsend an die Kollegen denken, die jetzt zu Hause im grauen deutschen Winter fröstelnd den Mantelkragen hochklappen. Doch wer auf der Insel des ewigen Frühlings nur am Pool rumhängt, verpasst das Beste: Canyons, Traumstrände, Regenwälder, wilde Klippen, majestätische Wale und gleißenden Schnee an den Hängen des Teide, dem höchsten Berg Spaniens. Schon Alexander von Humboldt, dem großen Entdecker und Gelehrten, entfuhr es beim Betreten der Atlantikinsel: „So etwas Schönes habe ich selten gesehen.“

Für alle, denen das zu gediegen und nach Wandern und Kultur klingt: Zwischen Januar und März geht es auf der Insel richtig ab: Karneval! Und zwar der beste zwischen Köln und Rio. In Noria, dem Ausgehviertel der Hauptstadt, ist dann die Hölle los. 100 000 Feierwütige sind rund um die Uhr auf der Straße, schrille Clowns verhöhnen Politiker, knapp bekleidete Tänzerinnen heizen zu Samba-Rhythmen ein und von den Umzugswagen fliegen Kamelle und Kondome in die Menge. Der Aschermittwoch heißt hier „Entierro de la sardina“, Beerdigung der Sardine, wird gerne auf den Samstag verschoben und mit dem Verbrennen eines gigantischen Pappmachee-Fisches kräftig gefeiert. Wenn am späten Sonntag irgendwann Ruhe in Santa Cruz einkehrt, zieht die Karnevals-Karawane weiter – über den Rest der Insel. Auch wer mit der „Fünften Jahreszeit“ nur wenig anfangen kann, kommt auf Teneriffa auf seine Kosten: Die Insel bietet buchstäblich etwas für jeden Geschmack. Dank des seit Jahrzehnten boomenden Tourismus finden sich hier fast alle Gastro-Trends der Welt – von Sushi über Steak bis Sachertorte. Ob das als Fortschritt durchgeht, darf bezweifelt werden.

Fisch- und Kartoffelspezialitäten

Um Haxen, Wiener Schnitzel und ähnlichen „Klassiker“ der Teutonen-Küche macht man besser einen Bogen. Das fällt angesichts der Vielfalt der kanarischen Küche auch nicht schwer. Sowohl im meist trockenen Süden, als auch im grünen Norden genießen Einheimische und Besucher Heimatkost im besten Sinne. Neben den klassischen „Papas arrugudas“, Kartoffeln in Salzkruste, die traditionell mit roter Paprika- und grüner Kräutersoße serviert werden, bestimmen Fisch- und Fleischgerichte die Küche der Inseln vor Afrikas Küste. Fangfrisch aus den nahen Gewässern vor Mauretanien kommen besonders häufig Seehecht, Zahnbrasse und Bonito-Thunfisch auf den Teller. Ungewohnt sind „Lapas“, Napfschnecken, die in der Brandung von Felsen geerntet werden und wie Muscheln aussehen. Mit Zitrone beträufelt, schmecken sie köstlich. Besonders empfehlenswert ist „La vieja“, eine butterzarte Köstlichkeit, die auf Deutsch Papageienfisch heißt. Zubereitet und serviert wird Fisch hier, wie auf den meisten Inseln, ohne viel Schnickschnack, der vom frischen Eigengeschmack ablenken könnte: etwas Öl, etwas Zitrone, ein paar Kräuter – fertig. Und so schmeckt es auch am besten. Vor allem unter freiem Himmel, wenn der milde Wind salzige Atlantikbrise herüberweht und auf dem Tisch ein Glas mit kühlem Wein steht. Die Insel hat eine jahrhundertealte Winzertradition, schon Shakespeare ließ sich vom englischen Hof regelmäßig Fässer mit Kanarenwein liefern – und verewigte den „Canary“ in „King Henry IV“. Kaum sonst wo wachsen auf so begrenztem Raum ähnlich viele Rebsorten.

Vollmundige Weine

Den besten Überblick über die Produkte aus Teneriffas 17 Bodegas in fünf Weinregionen bekommt man in der Casa del Vino, einem Gutshof aus dem 16. Jahrhundert in El Sauzal. In urig-rustikalem Ambiente kann man hier, umrahmt von hunderten Flaschen und riesigen alten Fässern, alle guten Inselweine kosten und kaufen. Wer sich hier wohlfühlt, der wird auch die „Guachinches“ mögen, die für Kanaren typischen kleinen Lokale, die meist in einer Laube oder Garage untergebracht sind. Einfach in die Berge fahren und in den Dörfern auf handgemalte Schilder mit „Guachinches“ oder „Se vende vino“ achten. Manche der Schenken sind pittoresk-gemütlich, bei anderen blieben die Wände unverputzt und Blocksteine und alte Bohlen dienen als Stuhlwerk. Doch entscheidend ist nicht nur das Ambiente, sondern auch was auf den Tisch kommt. Hier essen die Einheimischen, hier gibt es Wein aus eigener Ernte, Tapas und echte Familienküche. Zum Beispiel den Kanaren-Klassiker „Conejo en salmorejo“ – Kaninchenbraten, der über Nacht in Wein und Gewürzmischung eingelegt, am nächsten Tag zart geschmort wird. Probierenswert sind auch die vielen Tintenfisch-Variationen, die auf den Kanaren aus gutem Grund so beliebt sind: Pulpo, Chocos oder die knusprigen Chipirones. Feste Öffnungszeiten haben die „Guachinches“ übrigens nicht. Um zu verhindern, dass sie den regulären Restaurants dauerhaft Konkurrenz machen, dürfen sie nicht ganzjährig geöffnet haben, sondern nur, bis der Wein aus der jeweiligen Ernte ausgeschenkt ist. Auf den Schildern steht deshalb nicht selten der klein geschriebene Zusatz: „Von Dezember bis der Wein alle ist ...“

Bruntje Thielke, Lea Lüdemann

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