Was Sie wirklich über Wein wissen müssen | EAT SMARTER
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Was Sie wirklich über Wein wissen müssen

Wein gilt bei vielen immer noch als Angelegenheit für Experten - nach dem Motto: ohne Fachwissen kein Genuss. "Völliger Quatsch", sagt Hendrik Thoma, einer der weltweit besten Weinexperten. In EAT SMARTER beantwortet er sieben Fragen für alle, die einfach nur ein gutes Glas Wein trinken wollen.

„Wie teuer muss ein guter Wein sein?“

Für einen guten Wein sollte man schon fünf bis sechs Euro ausgeben. In diesem Preissegment bekommt man in der Regel solide Qualität. Natürlich kann man auch Glück haben, wenn man einen preiswerteren Wein kauft. Aber rechnen Sie einmal selbst: Der Durchschnittspreis für deutsche Supermarkt-Weine liegt bei 2,60 Euro. Darin sind Transport, die Steuer, die Flasche und die Gewinnmarge des Anbieters schon eingerechnet. Eigentlich kann dafuür kein vernünftiger Wein verkauft werden.

„Wie entwickle ich meinen Geschmack?“

Ganz wichtig: Machen Sie aus dem Weintrinken keine Wissenschaft. Ob die Traube jetzt am Nordhang wächst, ist vielleicht unter Experten ein wichtiges Thema. Aber nicht für Sie. Finden Sie Bilder, an die Sie der Wein erinnert. Vielleicht ist es der Geruch des Meeres aus Ihrem letzten Urlaub oder der Duft von frischgebackenem Brot beim Bäcker. Schauen Sie auch auf die Farbe: Vielleicht erinnert Sie das Rot an eine aufgeschnittene Paprika. Keine Angst, ich mache das manchmal genauso. Mit diesen Vergleichen schulen Sie Ihren Geschmack. Sie denken darüber nach, was Sie da trinken. Und Sie werden herausfinden, welchen Wein Sie gerne getrunken haben. Zum Beispiel den leichten Weißen, der Sie immer an Stachelbeeren erinnert.

„Zu welchem Essen passt welcher Wein?“

Diese Frage taucht immer wieder auf. Doch die Weinwahl beim Essen ist weniger festgelegt, als viele glauben. Natürlich passt zu einem Schinken ein kräftiger Rioja, zu Nudeln mit Tomatensauce kann man einen Salice Salentino trinken oder einen Chianti. Aber der Rest ist Handlungsspielraum und da können Sie ausprobieren. Weißwein nur zum Fisch? Längst überholt. Ein mediterraner Rotwein passt gut zu Loup de Mer oder Lachs. Und zu rotem Fleisch können Sie genauso gut einen kräftigen, im Fass gereiften Weißwein trinken.

„Sind Schraubverschlüsse wirklich gut?“

Dass Wein mit Schraubverschlüssen Billigware ist, ist ein lange überholtes Klischee. Klar, bei High-End-Weinen dominiert noch immer der Kork, aber Schraubverschlüsse haben einen großen Vorteil: Die Weine entwickeln sich langsamer und behalten somit mehr Frische. Man kann die Flasche wieder verschließen und den Wein so besser aufbewahren. Besonders transportabel und praktisch sind Weine aus sogenannten Bag-in-Boxen. In diesen Behältern herrscht ein Vakuum, somit kommt kein Sauerstoff hinein. Der Wein sollte aber innerhalb von sechs Monaten ausgetrunken werden, länger hält er sich in diesen Boxen nicht.

„Welcher Wein muss in den Dekantierer?“

Beim Dekantieren werden alte Weine von ihren Trubstoffen, dem sogenannten Depot, getrennt. Allerdings ist Vorsicht geboten, denn alte Weine können beim Kontakt mit Sauerstoff auch umkippen. Als Faustregel gilt: Je länger der Wein im Holzfass gereift ist, desto stabiler reagiert er. Je leichter und frischer der Wein ist, umso weniger nötig ist es, ihn vor dem Trinken zu dekantieren.

„Welche Trinktemperatur muss ein Wein haben?“

Gerade Weißweine werden häufig viel zu kalt getrunken. Das Aroma kann sich so kaum entfalten, der Wein schmeckt im schlimmsten Fall nach nichts. Als Faustregel gilt hier: Je einfacher der Wein, desto kühler kann er getrunken werden. Die Temperatur ist dabei natürlich auch immer eine individuelle Geschmackssache. Im Sommer trinken die meisten Menschen kühler, im Winter temperierter. Rotweine sollten allerdings niemals über 19 Grad getrunken werden, sonst verflüchtigt sich der typische Duft. Schwere Weißweine haben ihr Optimum zwischen 10 und 14 Grad, nur in diesem Bereich entwickeln sie auch ihr Bukett. Mehr über den Master Sommelier Hendrik Thoma erfahren Sie auf www.hendrikthoma.de.

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Ein wunderbarer und aufschlussreicher Artikel für Leute, die unsicher im Weintrinken sind. Sehr hilfreich. Einzig der Hinweis, dass man sich am besten auf seinen eigenen Geschmack verlässt und es zum Glück bei vielen Weinhändlern möglich ist, den Wein vor dem Kauf zu verkosten, fehlt mir. Ich werde nie vergessen, dass der SPIEGEL einmal von einer Weinverkostung im Hause derer von Rothschild berichtete und dabei bei der Blindverkostung ein preiswerter algerischer Landwein als bester Wein gekürt wurde, den meisten Gästen mithin am besten schmeckte.