Der Profi-Coach

Besser streiten in der Partnerschaft

Von Uwe Pettenberg
Aktualisiert am 27. Dez. 2018
Richtig streiten: Pärchen sitzt beleidigt nebeneinander

Kein Mensch ist uns so nah wie Freund oder Freundin beziehungsweise Ehemann oder Ehefrau. Und gleichzeitig streiten wir oft mit niemandem so fies wie mit dieser Person! Uwe Pettenberg rät: Öfter mal tief Luft holen, ehrlich sein und – ganz wichtig – niemals per SMS WhatsApp etwas ausdiskutieren.

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Im täglichen Miteinander sind wir permanent am Kommunizieren. Und auch wenn Sie vielleicht ein ausgeglichener Mensch sind, der in der Regel mit seinem Umfeld gut klar kommt, eines macht uns allen zu schaffen: Wenn es Streit in der Beziehung gibt.

Den meisten von uns geht es dann so, dass wir uns hilflos und zornig entweder zurückziehen oder ungerecht und laut werden. Dabei wäre gerade jetzt eine faire, wertschätzende Auseinandersetzung das einzig richtige. Vielleicht helfen Ihnen dabei künftig meine heutigen Tipps.

Den richtigen Zeitpunkt wählen

Wenn Sie etwas stört, und Sie möchten darüber reden, kann der richtige Zeitpunkt immens wichtig sein. Finden Sie eine Zeit, in der Sie beide ruhig und ungestört sind, ohne Hektik und Stress. Manchmal macht es sogar Sinn, eine richtiggehende Verabredung mit Tag und Uhrzeit zu verabreden.

Sprechen Sie persönlich miteinander

Über wirklich wichtige Dinge sollten wir nicht schriftlich miteinander kommunizieren. Was wir in einer SMS, einer Email oder gar einem Brief womöglich mühevoll formulieren, kann dennoch ziemlich missverstanden werden. Wenn Sie befürchten, nicht alles loswerden zu können, was Sie auf dem Herzen haben, machen Sie sich Notizen, die Sie mit in das Gespräch nehmen.

Keine persönlichen Angriffe

Das ist leichter gesagt als getan, ganz besonders in einer Partnerschaft. Aber gerade hier sollten wir uns große Mühe geben! Selbst wenn wir es gut meinen, fasst der andere das oft als hart auf, ganz besonders, wenn wir in „Du-Botschaften“ sprechen. „Du bist nicht für mich da“ klingt nicht nur wie ein Vorwurf, es ist auch einer.

Noch schlimmer machen es die Wörtchen „nie“ und „immer“. „Nie bist Du für mich da!“ wird vom Gegenüber als massiver Angriff verstanden und lässt ihm kaum die Möglichkeit für eine kooperative Antwort. Er wird in die Defensive gehen und immer weniger aufnahmebereit für das, was Sie darüber hinaus noch sagen wollen.

Besser ist es mit „ich“ oder „wir“ zu beginnen. „Ich fühle mich allein“ oder „wir sind uns nicht mehr so nah“ zeigen dem anderen Ihre Gefühle und im zweiten Fall wird er miteinbezogen. Das entschärft die Situation und schafft Verbindung.

Seien Sie ehrlich

Einigen Sie sich, noch bevor Sie in ein Beziehungsgespräch gehen, ehrlich zueinander zu sein. Die Wahrheit schmerzt manchmal, doch sie ist die Basis für eine gute Beziehung.

Geben Sie zu, dass Sie auch nicht immer perfekt sind, und entschuldigen Sie sich aufrichtig, wenn Sie Mist gebaut haben, ohne Ausflüchte zu suchen. Dadurch fühlen Sie selbst sich auch besser und Ihre Beziehung wird gestärkt, weil der andere weiß, dass er vertrauen kann.

Welche Sprache spricht Ihr Körper?

Zeigen Sie Ihrem Partner, dass er Ihre volle Aufmerksamkeit hat: Wenden Sie sich ihm offen zu, schauen Sie ihm ins Gesicht, halten Sie Augenkontakt und lassen Sie sich nicht durch einen Anruf oder eine Nachricht unterbrechen. Zeigen Sie sich gegenseitigen Respekt durch ungestörtes, aufmerksames Zuhören und Antworten.

48 Stunden

Manchmal empfiehlt es sich, unseren Unmut nicht sofort kundzutun. Wenn es nach 48 Stunden immer noch weh tut, sagen Sie es dem anderen. Wenn nicht, könnten Sie nun in Erwägung ziehen, das Ganze zu vergessen. Allerdings sollten wir immer daran denken, dass unser Partner nicht unsere Gedanken lesen kann. Wenn wir also nichts sagen, obwohl wir gerade sauer sind, hat der andere keine Möglichkeit zu reagieren, eventuell mit einer Entschuldigung oder einer Erklärung. Dann können Sie die Angelegenheit auch loslassen, und es besteht weniger Gefahr, dass das Thema bei anderer Gelegenheit durchs Hintertürchen wiederkommt.

Und wenn es doch mal sein muss, dass Sie miteinander reden, obwohl Sie gerade sehr wütend sind, sorgen Sie dafür, dass der Konflikt dann für beide Seiten zufriedenstellend gelöst wird. Dabei helfen vielleicht die folgenden Tipps:

Tief durchatmen

Wenn Sie so richtig zornig sind, halten Sie ein, gehen Sie einen Schritt zurück und atmen einmal tief durch. Sagen Sie Ihrem Partner, dass Sie eine kurze Pause brauchen, bevor Sie weiterdiskutieren können. Nehmen Sie sich soviel  eit, dass sich die Wut abkühlen kann, in dem Sie an die frische Luft gehen, mit einem Freund sprechen, Musik hören oder was auch immer Sie beruhigen könnte. Eine solche Pause kann verhindern, dass alles noch schlimmer wird.

In Ruhe nachdenken

Wenn Sie nicht mehr wütend sind, können Sie noch einmal darüber nachdenken, warum Sie so wütend geworden sind. War es, weil Ihr Partner etwas Bestimmtes gesagt hat? Oder war es, wie er sich verhalten hat? Sehr oft triggert der Andere etwas in uns, was nur indirekt, manchmal sogar gar nichts, mit ihm zu tun hat. Das zu erkennen, kann sehr hilfreich und entspannend sein.

In dieser Stimmung lässt sich dann sehr gut miteinander reden und auch sich wieder versöhnen. Geben Sie Ihrem Partner mindestens genau soviel Zeit um seine Gefühle auszudrücken, wie Sie sich genommen haben und hören Sie ihm aktiv zu (siehe oben). Sie verdienen es beide, sich in Ihrer Partnerschaft sicher und geborgen zu fühlen. Das wichtigste ist, dass der Andere Ihr Interesse, Ihre Wertschätzung, Ihre Liebe spürt. Dann ist alles gesagt.

In diesem Sinne!

Herzlichst, Ihr Uwe Pettenberg


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