Der Profi-Coach

Vom Glück des Suchens und Findens

Von Uwe Pettenberg
Aktualisiert am 27. Dez. 2018
Ostereier suchen

Was hat das Suchen von Ostereiern mit der Partnerwahl zu tun? Uwe Pettenberg zieht eine spannende und lehrreiche Parallele.

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Am Sonntag ist es wieder soweit: Überall werden sich kleine (und große) Kinder auf die Suche nach Schokoeiern, echten Eiern, kleineren und größeren Geschenken machen. Sie werden suchen – und sie werden finden. Manchmal vielleicht mit ein wenig Unterstützung („Heiß! Kalt!“), doch in der Regel wird alles gefunden, was versteckt wurde.

Je älter wir sind, umso mehr Erwartungen haben wir

Je jünger – und damit meist unbeschwerter – die Suchenden sind, umso freudiger und lustiger ist die Suche. Dann macht das Suchen fast noch mehr Spaß als das Finden, um nicht zu sagen, eigentlich geht es nur um das Glück beim Suchen. Je älter wir allerdings werden, umso mehr Erwartungen haben wir, und dann lässt der Spaß oft ein wenig nach.

Je älter wir sind, und (interessanterweise) je erwachsener wir glauben zu sein, umso wahrscheinlicher ist es, dass wir uns mit mehr oder minder großen Erwartungen auf die Suche machen. Das Leben hat uns gelehrt zu vermuten, zu befürchten oder auch zu hoffen, was kommen wird. Je mehr Erfahrungen wir gesammelt haben, umso genauer glauben wir zu wissen, was passieren wird. Doch indem wir das Kommende ständig gegen das Erlebte abgleichen, kreieren wir (unbewusst) das immer wieder Gleiche!

Energie folgt der Aufmerksamkeit

Denn die Energie folgt unfehlbar unserer Aufmerksamkeit, und wenn wir also unseren Fokus ständig auf dem halten, was wir bereits (zu) kennen (meinen), wie sollte da je wieder etwas ganz Neues und Unerwartetes in unser Leben treten?

So wie damals, als wir das allererste Mal Ostereier im hohen Gras in Omas Garten gesucht haben. Voller Neugier, voller Freude und vollkommen erwartungsfrei und offen, in der puren Gewissheit, dass wir etwas sehr, sehr Schönes entdecken würden. Diese Vorfreude hat uns das Entdecken und schließlich das Herausfinden unendlich genießen lassen.

Erwartungslos und offen zu sein, fällt uns als sogenannte Erwachsene aus den oben genannten Gründen meist sehr schwer. Und doch sind sie der Schlüssel zum glücklichen Finden. Absichtslosigkeit ist der Turbo, der es uns erlaubt, das in unser Leben zu ziehen, was wir uns so sehnlichst wünschen. Ohne Absicht und ohne Erwartung kann alles kommen und zwar ohne anstrengendes Suchen.

Wir suchen ständig

Wie soll das gehen, fragen Sie sich jetzt wahrscheinlich? Schließlich suchen wir den ganzen Tag, und das geht beim besten Willen nicht immer ganz ohne Erwartungen. Wir suchen den passenden linken zum rechten Strumpf, die Parklücke am rechten Ort zur rechten Zeit und den Lieblingskaffee im Supermarkt unserer Wahl. Wir erwarten, dass wir den Strumpf finden, dass es einen Parkplatz für uns gibt und dass der Kaffee vorrätig ist.

Und jetzt wird es spannend. Wenn wir den Strumpf nicht finden – und natürlich ist es immer der, den wir jetzt gerade am liebsten anziehen möchten – entscheiden wir uns eben für ein anderes Paar Strümpfe. Wir fahren nochmal um den Block, wenn es mit dem Parken nicht auf Anhieb klappt und kaufen dann eben auch mal einen anderen Kaffee, sollte der gerade aus sein, den wir sonst immer kaufen. In solch gefühlt „kleinen“ Entscheidungen tun wir uns relativ leicht, flexibel zu reagieren, wenn wir mal nicht finden, was wir suchen.

Schwieriger wird es da schon bei beispielsweise der richtigen Partnerwahl – was auch immer darunter zu verstehen ist. Manche Menschen sind lange auf der Suche nach der oder dem vermeintlich Richtigen und oft haben wir, bewusst und unbewusst, eine lange Liste mit Bedingungen in uns abgespeichert, wie er oder sie sein soll. Die Suche nach Mrs. oder Mr. Right gestaltet sich dann oft wie die Suche nach der berühmten Nadel im Heuhaufen.

Wünsche sind nicht gleich Ziele

Das liegt unter anderem daran, dass, wenn wir „groß“ sind, wir gerne unsere Wünsche mit unseren Zielen verwechseln. Ein Wunsch oder auch eine Sehnsucht fühlt sich prickelnd und aufregend an, wenn wir daran denken: „Oh, wäre das schön! Ich würde zerspringen vor Glück!“ Ein Ziel hingegen hat diese „Ich muss!“ Qualität, wie zum Beispiel „Ich muss jetzt endlich auch in einer Beziehung sein.“

Die von Herzen kommende Sehnsucht nach Zweisamkeit kann sich schnell in das Ziel verwandeln, eine Beziehung haben zu müssen, und das Gefühl der freudigen Erwartung wandelt sich in Mühe und manchmal sogar Verbissenheit. Darüber hinaus zieht es sehr wahrscheinlich dann eben nicht den passenden Partner an – und die mühevolle Suche geht möglicherweise bald wieder von vorne los.

Sich finden lassen

„Was Du suchst, sucht Dich“, lautet ein Zitat von Rumi. Und genau so ist. Was suchen Sie, das Sie sucht? Wenn wir uns bewusst machen, dass wir in einem Zustand der liebevollen Offenheit alles das finden können, was wir uns wünschen und was zu uns passt, fällt es uns umso leichter, uns danach auszurichten.

Lassen Sie uns offen sein für die Geschenke, die dieses Leben für uns bereit hält – und Sie wissen ja, wenn Sie sich beim Suchen unterwegs verlaufen, gibt es immer den unfehlbaren Kompass der Liebe und Sie können sich jederzeit fragen „Was würde die Liebe jetzt sagen?“. Sie werden nie falsch liegen und immer etwas Schönes finden.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen frohes Suchen und Finden und ein schönes Osterfest!

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