Der Profi-Coach

Warum Selbstliebe die Basis für unsere Beziehungen ist

Von Uwe Pettenberg
Aktualisiert am 27. Dez. 2018
Beziehung

Unsere inneren Stimmen begleiten uns ständig. Kennen Sie das nicht auch? Der ständige innere Dialog, der fortwährend die eigenen und die Taten anderer bewertet und analysiert. Diese innere Stimme spiegelt ganz deutlich wieder, wie wir uns selbst sehen und wie wir andere behandeln.

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Für viele von uns ist diese innere Stimme wie ein Tyrann, ein richtig gehender Fiesling, der uns heruntermacht und herunterzieht, der uns in der Angst sein und von dort agieren lässt. Typische Aussagen dieses Tyrannen sind:

  • „Du bist nicht gut genug!“
  • „Du gehörst nicht dazu!“
  • „Du bist es nicht wert!“
  • „Du bist hässlich!“
  • „Du bist dumm!“
  • „Du wirst nicht geliebt!“

So schwarz auf weiß ausgeschrieben hört es sich schrecklich an, nicht wahr? Traurigerweise kommt hinzu, dass uns ganz oft gar nicht bewusst, was da in unserem Inneren abläuft. Denn die Gedanken und die sie auslösenden Gefühle kommen ganz automatisch und wenn wir nicht wissen, wie wir sie zur Ruhe bringen können, fühlen wir uns deprimiert und erschöpft.

Diese innere Stimme lässt uns uns selbst nicht trauen und sie macht uns ängstlich hinsichtlich unserer Entscheidungen. Anderen zu vertrauen fällt uns womöglich noch schwerer, und am allerschwersten fällt es uns dann, in einer Liebesbeziehung glücklich zu sein. Sind wir doch ständig am Überlegen und Zweifeln, wie er oder sie uns bloß interessant finden kann. Dann verlangen wir einerseits nach ständiger Bestätigung und reagieren andererseits eifersüchtig auf alles und jeden, der von außen dazu kommt.

Doch selbst ein noch so beruhigender und unterstützender Partner kann uns nicht helfen, den inneren Kritiker zum Schweigen zu bringen – das müssen wir schon selbst tun. Wenn wir aktiv beginnen, mit uns selbst liebevoll und aufmunternd zu sprechen, wenn wir uns selbst der beste Freund werden, dann sind wir auch gute Partner für jede Art von Beziehung.

Den inneren Kritiker erkennen und liebevoll annehmen

Beginnen Sie doch mal damit, Ihrer inneren Stimme ganz bewusst zuzuhören. Wie hört sie sich an? Was sagt sie so den ganzen Tag? Ist sie inspirierend oder zieht sie Sie eher herunter?

Dann befragen Sie Ihren inneren Kritiker. Die meisten von uns stellen ihn nicht in Frage und haben daher den Eindruck, dass er immer recht hat. Wenn Sie sich jedoch bewusst anhören und hinterfragen, was er immer wieder sagt (er ist ein Meister im Wiederholen), werden Sie auch feststellen, dass alle diese Aussagen jeglicher Grundlage entbehren. Wenn Sie sich mal eine der Beurteilungen. ganz gezielt herausnehmen und bewusst nachfragen: „Wer sagt das?“ werden Sie feststellen, dass es einzig und allein Ihr (blinder) Glaube ist, der das Statement Wirklichkeit sein lässt.

Auflösen lassen sich solche Glaubenssätze zum Beispiel, wenn Sie Ihrem inneren Kritiker schlaue Fragen stellen, auf die er keine Antwort hat. Hier sind ein paar Beispiele:

  • Gibt es Beweise für diesen Glauben?
  • Gibt es vielleicht Gegenbeweise, die belegen, dass mein Glaube falsch ist?
  • Ist das ein Gedanke oder eine Tatsache?
  • Kommt mein Glaube an diesen Gedanken aus meinen Gefühlen?
  • Was würde ich zu einem Freund sagen, wenn er oder sie diesen Glauben hätte?
  • Was würde umgekehrt ein guter Freund zu mir sagen, wenn ich ihm von dieser Überzeugung erzählte?

Erkennen Sie Gefühle als das, was sie sind: Gefühle

Ganz oft verwechseln wir unsere Gedanken mit unseren Gefühlen. Dabei ist es so enorm hilfreich, wenn wir erkennen können, was gerade passiert. Ein Gefühl können wir in der Regel mit einem Wort beschreiben; wir können sagen, dass wir uns gerade traurig, glücklich oder durcheinander fühlen. Im Gegensatz dazu handelt es sich bei einem Gedanken häufig um die Bewertung einer Erfahrung und ist meist mehrere Sätze lang.

Unser innerer Kritiker nutzt diese Verwechslung gerne gegen uns. Sobald wir uns unwohl oder angespannt fühlen, tritt er auf den Plan und erklärt, dass mit uns etwas nicht stimmt. Tatsächlich aber ist alles in Ordnung mit uns. Es ist völlig in Ordnung, immer wieder unangenehme Gefühle zu haben, und bedeutet keinesfalls, dass wir falsch oder schlechte Menschen sind.

Seien Sie achtsam und liebevoll mit sich

Dies zu erkennen ist ein großer Schritt in Richtung Selbstakzeptanz und Selbstliebe. Seien Sie hier liebevoll und achtsam mit sich und versichern Sie sich innerlich, dass alles gut ist, auch wenn Sie sich momentan ängstlich, wütend oder traurig fühlen; es geht vorbei und bedeutet nicht, dass mit Ihnen oder Ihren Handlungen etwas nicht stimmt. Sie sind vollkommen in Ordnung genauso wie Sie sind, mit all Ihren Gefühlen und all Ihren Gedanken.

Seien Sie vor allem geduldig mit sich, schließlich hören Sie dieser kritischen inneren Stimme schon ein paar Jahre zu. Und diese Stimme hat bereits jede Menge Übung, also geben Sie sich ein bisschen Zeit, um die Stimme in eine wohlwollende, unterstützende zu verwandeln. Wenn die Beziehung zu uns selbst aufmerksam und liebevoll ist, dann agieren wir in unseren Beziehungen auch nicht länger aus Bedürftigkeit und Angst, sondern mit Vertrauen und Respekt.

In diesem Sinne!

Herzlichst, Ihr Uwe Pettenberg

 

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