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Die Getränkeprüferin
13. November 2015

Bier ist laut Gesetz nicht bekömmlich

„Prost“, sagen die einen. „Wohl bekomm‘s“, die anderen. Trinksprüche wie diese werden in geselliger Runde nicht hinterfragt. Anders ist das in der Werbung. Nach einem Urteil des Landgerichts Ravensburg darf Bier nicht als „bekömmlich“ beworben werden.

Bier ist laut Gesetz nicht bekömmlich Bier ist laut Gesetz nicht bekömmlich

Bier ist nicht bekömmlich. Zumindest darf es nicht so beworben werden – wenn es nach den Richtern des Landesgerichts Ravensburg geht. Denn sie sehen in der fraglichen Werbeaussage eines Bierbrauers einen Verstoß gegen die europäische Health-Claims-Verordnung. Diese verbietet es nämlich generell, für Getränke mit einem Alkoholgehalt über 1,2 Volumenprozent mit gesundheitsbezogenen Angaben zu werben.

Die große Frage lautet: Ist die Aussage „bekömmlich“ wirklich gesundheitsbezogen? Oder vielleicht nur eine allgemeine Äußerung, die mehr mit dem Genuss, als mit echten gesundheitlichen Wirkungen zu tun hat? Eine Unterscheidung, die in der Praxis der Rechtsauslegung gar nicht so leicht fällt. Ein Gesundheitsbezug liegt nach der europäischen Health-Claims-Verordnung vor, sobald auch nur mittelbar in Aussicht gestellt wird, dass ein Lebensmittel positiv auf die Gesundheit wirkt.

Nach Meinung der Ravensburger Richter ist das bei dem Wort „bekömmlich“ der Fall. Denn der Begriff besagt, dass der Körper ein Lebensmittel – im vorliegenden Fall also das Bier – besonders gut vertragen könne. Mit dieser Auffassung sind die Ravensburger Richter übrigens nicht allein. Der Europäische Gerichtshof (EuGH) sah es in einem Urteil aus dem Jahr 2012 so: Werbung für alkoholische Getränke wie Wein oder Bier muss frei von jeder Mehrdeutigkeit sein, damit die Gefahren des Alkoholkonsums nicht verharmlost werden.

Bier

Genau da knüpfen auch die Ravensburger Landgerichtsrichter mit ihrem aktuellen Urteil zur „bekömmlich“-Werbung für Bier an. Kritiker wenden dagegen ein, dass die Aussage nicht mehr als ein Hinweis auf einen besonderen Genuss sei. Ein expliziter Gesundheitsbezug sei bei der Werbung nicht erkennbar. Und diese Debatte ist in Bezug auf Bier auch noch nicht zu Ende. Denn das Ravensburger Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Der Brauer kann über ein Berufungsverfahren versuchen, das Werbeverbot für seine Biere noch einmal abzuwenden. In der Presse äußerte er sich bereits dazu, dass der Begriff „bekömmlich“ in seiner Werbung schon seit über 80 Jahren für Genuss – und nicht für die Gesundheit stehe.


Über die Autorin dieses Beitrags

Nicole Oschwald ist staatlich geprüfte-Lebensmittelchemikerin und Leiterin der Kundenbetreuung am Freiburger Standort von SGS Institut Fresenius. Das dortige Labor ist Kompetenzzentrum für die Analyse von alkoholhaltigen und alkoholfreien Getränken, Fleisch- und Wurstwaren und Tierarzneimittelrückständen. Eine weitere Spezialität des Standorts ist die Aromaanalyse, die für die Getränke- und Lebensmittelindustrie eine große Rolle spielt. Mehr über die Dienstleistungen der SGS erfahren Sie auf www.sgsgroup.de und www.sgs-institut-fresenius.de

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