Die Getränkeprüferin

Glitzerkaffee – das neue Trend-Getränk?

Von Nicole Oschwald
Aktualisiert am 27. Dez. 2018
Glitzerkaffee

Ein neuer Getränke-Trend bahnt sich langsam den Weg von Indien nach Europa – Kaffee und Cappuccino, der funkelt und glitzert. Doch ist die Glitzer-Deko wirklich genießbar und auch nicht gesundheitsschädlich?

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Cappuccino mit Glamour: Wenn der Milchschaum glitzert

Mit ein bisschen Glitzer geht alles! Selbst der Cappuccino wird schöner. Nach diesem Motto krönen Szene-Cafés das Heißgetränk neuerdings mit Milchschaum, der funkelt. Die Fans des Glamour-Kaffees veröffentlichen die Fotos der Kreationen unter dem Schlagwort #glittercoffee auf der Online-Plattform Instagram. Aus dem Internet-Phänomen könnte der Getränke-Trend des Jahres 2018 werden.

Wer den „Glitter Coffee“ probieren möchte, musste bislang noch nach Indien fliegen. Das Kaffee-Kunstwerk steht in Mumbai bei der Cafékette „Coffee by Di Bella“ auf der Karte. Die Kunden können zwischen den Varianten „Gold“ und „Diamond“ wählen. Dabei wird der Kaffee ganz normal zubereitet. Erst der Milchschaum lässt das Getränk funkeln.

Der Glitzer soll essbar und für die Gesundheit unbedenklich sein. Auf den Lippen hinterlässt der Cappuccino eine feine Glitzerschicht, die jeden Lipgloss überflüssig machen soll.

Glitzerkaffee – bald auch in Deutschland?

Nun schwappt der Hype nach Europa. Ein britisches Kaffeehaus in der Nähe von Birmingham hat jetzt glitzernde Heißgetränke im Angebot. Allerdings bringen sie etwas mehr Farbe in die Tasse: Der Rote-Beete-Latte wird mit blauem Glitter bestreut und mit goldenen Sternen sowie silbernen Perlen verziert. „Glaubst du, dass das unser Inneres zum Funkeln bringt?", fragt ein Instagram-Nutzer.

Noch ist das Hipster-Getränk nicht in deutschen Kaffeestuben angekommen. In sozialen Netzwerken wird aber bereits rege über den Sinn und Unsinn des Trends diskutiert: Während manche begeistert sind, trinken andere ihren Kaffee lieber ohne Funkeln und bunte Zusatzstoffe. 

Auf die Farbstoffe kommt es an

Der glitzernde Cappuccino wirft einige lebensmittelrechtliche Fragen auf. Die amerikanische Behörde für Lebensmittelüberwachung FDA vermutet, dass Deko-Partikel für den Glitzereffekt verantwortlich sind. Diese seien zwar unter Umständen für den Kontakt mit Lebensmitteln geeignet, jedoch bedeute dies nicht, dass das Glitzerpulver auch essbar ist. Deutlich wird diese Logik an einem anderen Beispiel: Eine Frischhaltedose darf mit Lebensmitteln in Kontakt kommen. Ein Nahrungsmittel ist sie deswegen aber nicht.

Aus der Ferne ist schwer zu beurteilen, warum der Milchschaum tatsächlich funkelt. Der Glitzer-Effekt könnte auch auf die Lebensmittelfarbstoffe E174 (Silber) und E175 (Gold) zurückzuführen sein. In der Europäischen Union sind Silber und Gold allerdings nur für das Färben von Pralinen und Süßwaren erlaubt. Bei Getränken ist Likör die einzige Ausnahme. Café-Betreiber dürften also streng genommen kein Glitzerpulver auf einen Kaffee oder Cappuccino streuen.

Eine Alternative wäre der Zusatzstoff E172: Eisenoxide und Eisenhydroxide sind in aromatisierten Getränken zugelassen und könnten sich als Streudekor zum Verzieren eignen. Dafür gäbe es auch keine Mengenbeschränkungen. Kreative Café-Betreiber sollten daher beim Einkauf ihrer Zutaten auf eine entsprechende Deklaration achten. Dann klappt’s auch mit dem Glitzer.


Über die Autorin dieses Beitrags

Nicole Oschwald ist staatlich geprüfte Lebensmittelchemikerin und Leiterin der Kundenbetreuung am Freiburger Standort von SGS Institut Fresenius. Das dortige Labor ist Kompetenzzentrum für die Analyse von alkoholhaltigen und alkoholfreien Getränken, Fleisch- und Wurstwaren und Tierarzneimittelrückständen. Eine weitere Spezialität des Standorts ist die Aromaanalyse, die für die Getränke- und Lebensmittelindustrie eine große Rolle spielt. Mehr über die Dienstleistungen der SGS erfahren Sie auf www.sgsgroup.de und www.sgs-institut-fresenius.de.  

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