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Die Getränkeprüferin
27. November 2015

Heißgetränkepulver: Was dürfen Winter-Drinks versprechen?

Altbewährte Hausmittelchen wie die heiße Zitrone haben in diesen Tagen wieder Hochsaison. Das Getränk verspricht Wohltuendes für den Hals, zusätzlich soll sein hoher Vitamin C-Gehalt die Abwehrkräfte unterstützen. Zu Beginn des Herbstes rücken mit Vitamin C oder Zink angereicherte Heißgetränkepulver zum Aufgießen in die Supermarktregale. Klein der Aufwand ihrer Zubereitung, groß das Versprechen ihrer Wirkung. Doch was ist da eigentlich dran?

Halten Heißgetränkepulver was sie versprechen? Halten Heißgetränkepulver was sie versprechen?

Keine heiße Luft

Dass Heißgetränke bei kratzendem Hals angenehm sind, kann wahrscheinlich jeder aus eigener Erfahrung bestätigen. Behauptet aber ein Hersteller, dass sein Produkt gut für die Gesundheit ist, reicht ein solches individuelles Erfahrungswissen nicht aus. Seine Behauptungen müssen Hand und Fuß haben. Sie müssen wissenschaftlich belegt und zugelassenen sein und dürfen den Verbraucher nicht täuschen.

Ob all diese Punkte erfüllt sind, ist in der Praxis gar nicht so einfach zu beurteilen. Dabei nämlich spielt der Wortlaut der Aussagen eine entscheidende Rolle. Besonders interessant wird die Angelegenheit, wenn es um Aussagen geht, die – wenn auch nur indirekt – etwas mit Krankheiten zu tun haben. Denn: Es ist verboten, Lebensmittel mit Aussagen zu bewerben, die die Verhütung, Heilung oder Linderung von Krankheiten versprechen.

Zitrone im Tee

Regelung durch Health-Claims-Verordnung

Was aber heißt das jetzt für Heißgetränkepulver, deren hohe Gehalte an Vitamin C und oft auch Zink als das Mittel der Wahl gegen das Übel kalt-feuchter Herbstwinde gelten? Die Antwort auf diese Frage gibt – mehr oder weniger zumindest – die europäische Health-Claims-Verordnung (HCVO). Sie regelt die Werbung mit gesundheitsbezogenen Aussagen über Lebensmittel und verweist dabei auf eine Liste zugelassener Werbeaussagen – darunter auch einige über Vitamin C und Zink.

Bestimmte Aufnahmemengen dieser beiden Stoffe helfen, dass das Immunsystem normal, also gut, funktioniert. Wie viel der jeweiligen Inhaltsstoffe in Produkten mindestens enthalten sein müssen, ist in der besagten Liste auf Basis wissenschaftlicher Daten genau festgelegt. Wenn also Heißgetränkepulver damit beworben werden soll, dass es dank Vitamin C und Zink die normale Funktion des Immunsystems unterstützt, dann muss der Hersteller dafür Sorge tragen, dass die besagten Mindestmengen auch tatsächlich in dem Pulver enthalten sind. Und zwar bis zum Ablauf der Mindesthaltbarkeit.

Herbstanfang

Gesundheitsbezogene Werbeaussagen

SGS Institut Fresenius untersucht zum Beispiel, ob Vitamingehalte über einen langen Lagerzeitraum in Produkten erhalten bleiben. Das müssen Hersteller nämlich belegen können, im Streitfall auch vor Gericht. Auch hilft SGS Institut Fresenius Herstellern bei der Beurteilung von gesundheitsbezogenen Aussagen, die zu Werbezwecken dienen sollen. Denn ob gesundheitsbezogene Produktversprechen erlaubt sind oder nicht, hängt von ihrem individuellen Wortlaut ab.

Zugelassen ist zum Beispiel für eine bestimmte Zusatzmenge an Vitamin C die Aussage „trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei“. Die alternative Formulierung „fördert die Funktion des Immunsystem“ würde wohl inhaltlich zu weit gehen. Denn eine Förderung geht zweifellos über einen Beitrag hinaus. Die Aussagen „unterstützt die Funktion des Immunsystem“ oder auch „unterstützt die Abwehrkräfte“ wiederum wären wahrscheinlich als synonym zu bewerten.

Doch damit nicht genug: Auch die sonstige Produktaufmachung spielt in die Beurteilung mit hinein. Deshalb lassen viele Hersteller ihre Produkte nicht nur auf stimmige Nährstoffgehalte von SGS Institut Fresenius prüfen, sondern nutzen darüber hinaus auch die Gelegenheit, die gesamte Etikettierung mit unseren unabhängigen Fachexperten zu diskutieren.


Über den Autor dieses Beitrags

Dr. Lars Lobbedey ist beim Prüfinstitut SGS als Division Manager Sales für die Bereiche Agricultural Services und Consumer Testing Services Food verantwortlich. Darüber hinaus betreut er den Bereich Health Food. Als promovierter Lebensmittelchemiker berät er zu den Themen Nahrungsergänzungsmittel, Functional Food sowie diätische Lebensmittel und Novel Food. Gemeinsam mit seinem Team im Berliner Labor von SGS Institut Fresenius beantwortet er Herstellern lebensmittelrechtliche Fragestellungen, die bei Produktaufmachung und Werbung beachtet werden müssen, und sorgt mit Analysen von wertgebenden Inhaltsstoffen und Rückstandsanalytik dafür, dass Nahrungsergänzungsmittel qualitativ sicher in den Handel kommen. Mehr über die Dienstleistungen der SGS erfahren Sie auf www.sgsgroup.de und www.sgs-institut-fresenius.de.

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