0
Die Getränkeprüferin
17. Februar 2018

Limonade mit einer Unbekannten: Kaffeekirsche

Von Nicole Oschwald

Fruchtauszüge sind typische Zutaten von Limonaden. Orange und Zitrone sind Klassiker. Mittlerweile kennen viele Konsumenten auch Melone oder Drachenfrucht. Mit der Kaffeekirsche mischt nun aber ein besonderer Exot das Limonaden-Angebot in Supermarkt auf. Es handelt sich dabei um das Fruchtfleisch, das die Kaffeebohne umgibt. Es ist ein Nebenprodukt der Kaffeeproduktion, hierzulande als Lebensmittel allerdings unbekannt. Das sagt zumindest eine EU-Verordnung. Ein Problem für die Limonaden-Hersteller, die es verwenden möchten. Zumindest noch.

Kaffeekrische
0
Drucken

Das Rezept klingt verlockend: eine Limo mit fruchtig-herber Note, Zucker, Zitrone und dazu – ein besonderes Extra – Kaffeekirschen-Extrakt. Gewonnen wird dieser aus dem koffeinhaltigen Fruchtfleisch, das Kaffeebohnen umgibt. Die Getränke-Innovation ist eine erfrischende Alternative zu Kaffee, Cola oder Mate und soll auch Ressourcen schonen. Denn das Fruchtfleisch der Kaffeekirsche landet meist im Müll.

Kaffeekirsche kennt hier keiner

Doch die Sache mit der besonderen Limo hat einen Haken: Das Kaffeekirschen-Fruchtfleisch unterliegt der europäischen Novel Food-Verordnung. Sie soll die Gesundheit des Verbrauchers schützen – vor Lebensmitteln, die irgendwie neu, besonders oder unbekannt und somit vielleicht gesundheitsschädlich sind.

Weil sie zum Beispiel mit besonderen Verfahren behandelt wurden, wie etwa UV-behandelte Milch. Oder, weil sie innerhalb der EU vor dem 15. Mai 1997 nicht verzehrt wurden, wie zum Beispiel der Saft der Noni-Frucht oder Baobab, das getrocknete Fruchtfleisch des Affenbrotbaumes.

Was all diese Produkte – Novel Food genannt – gemeinsam haben: Anders als bei Kartoffeln, Brot, Kuhmilch oder Äpfeln weiß niemand so genau, wie sie auf den menschlichen Körper wirken – ob sie Allergien oder Bauchkrämpfe auslösen oder gar krebserregend sind. Deshalb muss Novel Food ein Zulassungsverfahren durchlaufen. Das soll sicherstellen, dass sein Genuss gesundheitlich unbedenklich ist.

Klarheit können etwa wissenschaftliche Studien bringen oder auch Belege, dass das fragliche Produkt vielleicht doch bereits vor dem gesetzlichen Stichtag im Mai 1997 als Lebensmittel bekannt war und auch als solches verzehrt wurde. Aber wie ist das nun bei der Kaffeekirsche?

Limonade

Getränke mit Kaffeekirsche: Neu oder antik?

In Bolivien, Panama und Nicaragua ist es seit jeher üblich, aus den getrockneten Schalen der Kaffeekirsche ein belebendes Aufgussgetränk zuzubereiten – „Cáscara“ genannt. Doch allein damit ist die Zulassungshürde für ein solches Getränk innerhalb der EU noch nicht genommen. Denn zumindest bis Ende des Jahres 2017 forderte das europäische Recht, dass ein Verzehr innerhalb der EU nachgewiesen werden musste, damit der Zulassungsvorbehalt hinfällig wurde.

Obwohl es einige Hinweise gab, dass der Aufguss aus Kaffeekirschen schon vor 1997 in der EU im Verkehr war, stoppte die Lebensmittelüberwachung zwischenzeitlich den Vertrieb von Kaffeekirschen-Limonade. Das hat vor allem einige Start-ups überrascht, die solche Produkte bereits in Deutschland anbieten wollen.

Seit dem 1. Januar 2018 können Freunde exotischer Limonaden-Kreationen neue Hoffnung schöpfen. Seither genießen Lebensmittel, die außerhalb der EU eine Tradition als Lebensmittel haben, einen Sonderstatus unter Novel Food-Produkten. Für sie muss nun in einem vereinfachten Anmeldeverfahren nur noch eine 25-jährige Verwendungsgeschichte als Lebensmittel nachgewiesen werden.

Ein konkreter Beleg der Sicherheit ist für sie nicht mehr erforderlich. Also: Bahn frei für die Kaffeekirsche in Limonaden – vorausgesetzt ein Hersteller macht sich jetzt die Mühe, den geforderten Verwendungsnachweis zu führen.

Bis die Zulassung der Kaffeekirsche als Novel Food in Kraft getreten ist, gibt es noch eine Möglichkeit, den Geschmack der Kaffeekirsche legal zu genießen: Aromen oder Aromaextrakte gelten nicht als Novel Food und müssen daher nicht nach der Novel Food Verordnung zugelassen werden.

Sofern der Extrakt aus der Kaffeekirsche nicht wie ein Tee-Extrakt hergestellt wird und somit nicht als teeähnliches Erzeugnis gilt, ist dieser als Aroma einzustufen und wäre dann bereits jetzt zur Aromatisierung zugelassen.


Über die Autorin dieses Beitrags

Nicole Oschwald ist staatlich geprüfte Lebensmittelchemikerin und Leiterin der Kundenbetreuung am Freiburger Standort von SGS Institut Fresenius. Das dortige Labor ist Kompetenzzentrum für die Analyse von alkoholhaltigen und alkoholfreien Getränken, Fleisch- und Wurstwaren und Tierarzneimittelrückständen. Eine weitere Spezialität des Standorts ist die Aromaanalyse, die für die Getränke- und Lebensmittelindustrie eine große Rolle spielt. Mehr über die Dienstleistungen der SGS erfahren Sie auf www.sgsgroup.de und www.sgs-institut-fresenius.de.

Top-Deals des Tages

ODRVM 3D Stift Set mit LCD Display, 3D Drucker Stift, 3D Druckstift mit 1.75 mm PLA Filament für Kinder Kritzelei, Zeichnung, Kunst & Handgefertigte Werke
VON AMAZON
25,49 €
Läuft ab in:
Elektrischer Anspitzer, WILWOLF Automatischer Bleistiftanspitzer mit zwei Löchern, Pencil Sharpener Batterie und USB Zwei Mode mit 6 Klingen, Anti-Rutsch Auto Stop für Sicherheit, Perfekt für Kinder Büro und Zuhause, Blau
VON AMAZON
11,04 €
Läuft ab in:
FIBISONIC LED Holz Wecker Modern Tischuhr Klein Standuhr Datum/Temperatur/Feuchtigkeit Anzeige Digital Wecker
VON AMAZON
24,64 €
Läuft ab in:
Zu allen Top-Deals des Tages

Schreiben Sie einen Kommentar