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Der Good-Food-Blog

Zauberwörtchen "zuckerfrei"

Von Dr. Alexa Iwan
Aktualisiert am 27. Dez. 2018
Würfelzucker in einer Schale

Liebe Leute an der Rezeptentwicklungsfront! Ich möchte hier einmal meinen Unmut über den zum Teil sehr fahrlässigen Umgang mit dem Wörtchen "zuckerfrei" äußern. Zuckerfrei ist ein Schlagwort (neudeutsch: tag), welches LeserInnen anzieht, denn viele Menschen möchten möglichst wenig Zucker zu sich nehmen. Wenn man im Internet nach etwas Bestimmtem sucht, sind Schlagwörter ziemlich praktisch und weniger Zucker zu essen ist auch ziemlich gut. So weit, so gut also.

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Nicht gut ist allerdings, dass im Internet haufenweise Rezepte rumschwirren, die als "zuckerfrei" getaggt sind – in Wirklichkeit jedoch alles andere als zuckerfrei sind. Als ob wir nicht schon genug Verwirrung und Verunsicherung auf diesem Gebiet hätten ...

Hier ein Beispiel: Neulich stieß ich auf ein Energyball-Rezept aus Trockenpflaumen. Trockenpflaumen sind ein prima Energielieferant, deshalb kann man auch ganz prima Energyballs daraus machen – eben weil sie natürlicherweise eine ganze Menge Zucker enthalten. Trotzdem war das Rezept mit "zuckerfrei" getaggt. Wie kann das sein? Ich nehme an, was der oder die Autor/in gemeint hat, ist sicherlich dieses: Den Energyballs wurde kein Zucker zugesetzt. Das ist allerdings etwas komplett anderes als zuckerfrei.

Laut offizieller Definition darf ein "zuckerfreies Lebensmittel" nicht mehr als ein halbes Gramm Zucker pro 100 Gramm des Lebensmittels enthalten. Und dabei ist es egal, ob der Zucker zugesetzt wurde oder natürlicherweise in dem Lebensmittel enthalten ist.

Liebe/r Verbraucherinnen und Verbraucher! Lasst euch also bitte nicht in die Irre führen. Ein Rezept zum Beispiel, in dem Früchte verarbeitet werden, kann niemals zuckerfrei sein. Wenn das dran steht, ist es Quatsch. Denn Obst enthält nun mal Zucker. Und so ist ein "zuckerfreier Schokoladen-Dattel-Kuchen" ebensolcher Blödsinn wie "zuckerfreie Apfel-Waffeln" oder "zuckerfreier Rüblikuchen mit Aprikosenpüree".

Ganz besonders irrsinnig wird das ganze übrigens, wenn Trockenfrüchte als Zutaten verwendet werden, denn in diesen ist der Zucker noch einmal höher konzentriert als in frischen Früchten. Auch Agavendicksaft oder Ahornsirup haben, bloß weil es natürliche Süßungsmittel sind, in zuckerfreien Rezepten nichts verloren.  

Nun mögen meine Einwände dem einen oder anderen vielleicht etwas erbsenzählerisch vorkommen. Und ich möchte auch überhaupt nicht sagen, dass obige Rezeptbeispiele per se schlecht sind. Im Gegenteil: Sie sind meist sehr lecker und durchaus auch gesund. Aber eben nicht zuckerfrei.

Und es gibt eine große Gruppe von Menschen, die keine Zeit haben, sich bis ins letzte Detail mit dem Thema Ernährung zu beschäftigen. Und wir Ökotrophologen sind am Ende diejenigen, die in der Ernährungsberatung auf Kunden treffen, die tatsächlich glauben, mit einem "zuckerfreien Bananenshake" überhaupt keinen Zucker konsumiert zu haben. Weil es am Rezept so dabei stand ....

Deshalb: Lasst uns doch bitte alle bei den Fakten bleiben. Zuckerfrei heißt "ohne Zucker", Punkt. Alles andere heißt: "kein extra Zucker zugesetzt" oder gegebenfalls auch "zuckerarm" (wenn weniger als fünf Gramm Zucker pro 100 Gramm Endprodukt enthalten sind).

Herzlichst,

Dr. Alexa Iwan (Dipl. Ökotrophologin)

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Bisherige Kommentare

 
Sehr geehrte Frau Iwan, DANKE für Ihr Statement, denn so denke ich mittlerweile auch! Ich hatte erst einen Instagram-Account mit dem Namen Zuckerfrei ein Selbstversuch und habe das dann korrigiert in Zuckerfrei ein Selbstversuch und das ohne Industriezucker, Zuckeraustauschstoffe und Süßstoffe. Das finde ich passender, gerade weil Sie richtig sagen Obst ist ebenfalls ein Zuckerlieferant, auch wenn es Fruktose ist und es anders im Körper verstoffwechselt wird, ist es doch ebenfalls Zucker! Da ich mein Experiment erst seit knapp 4 Wochen mache, ist mir aufgefallen, das es wirklich viele Menschen gibt, die das Thema Zuckerfrei interessiert, doch die Menschen einiger Blogs/Accounts das Thema Zuckerfrei tatsächlich anders interpretieren. Zum Beispiel schrieb mir eine Userin, ich solle doch bitte ihre zuckerfreie Schokolade probieren. Ich habe ihr geschrieben, die ist nicht zuckerfrei, denn da kommt Lactit drin vor, ein Zuckeraustauschstoff. Nun ja, jeder denkt sich dabei was anderes, aber ich habe Sie verstanden. Mein Endziel ist es alles frisch herzustellen, zu kochen und evtl. zu backen, letzteres ist mir allersings schon 2x (wirklich ohne Zucker etc.) daneben gegangen. Das schmeckte nach NIX. Mit Datteln und Banane war das aber kein Problem, das war sehr lecker! Also dann, danke für Ihr Aussagen, die wirklich sehr treffend sind! Freundliche Grüße, Anke Wießmann Instagram: wiessmann.a - Blog in Arbeit ;-)
 
Für mich hat sich während des Lesens ehrlich gesagt die Frage gestellt, wieso ich ein zuckerfreies Lebensmittel konsumieren sollte? Wie die Autorin richtig schreibt, enthält Obst von Natur aus Zucker. Meiner Ansicht nach sind dies natürliche Zuckerlieferanten, die mit dem nährstofflosen Industriezucker nichts gemein haben. Ich persönlich ernähre mich sowohl kohlenhydrat- als auch zucker"reich". Ich bin bei bester Gesundheit, habe Energie, meine Blutwerte sind top. Meines Erachtens nach ist die generelle Verteufelung von Kohlenhydraten/Zucker überholt. Dann dürfte ich auch keinen Mais oder Karotten essen - dabei sind beides nicht nur gute Energie-, sondern auch Nährstofflieferanten. Also bitte liebe Leser, verteufelt Kohlenhydrate nicht und lasst sie euch nicht schlecht reden/Angst machen. Kohlenhydrate machen nicht dick, sondern ein Überschuss an Kalorien. Nährstoffreiche, natürliche Lebensmittel tun der Gesundheit gut - egal ob Obst oder Kartoffeln, Naturreis, Dinkel, etc.
 
Leider musste ich aufgrund eines Darmpilzes (candida albicans) einige WOchen zuckerfrei und kohlehydratfrei (kein Getreide, Reis und nur selten mal Kartoffeln) leben. Keinerlei Obst und fructosehaltiges Gemüse. Durch die konsequente Einhaltung der Diät ist der Pilz nicht mehr nachweisbar. Obwohl ich nie viel Süßes gegessen habe, eher Obst, hatte ich durch den Zuckerentzug die erste Woche starke Kopfschmerzenunter denen ich nie leide. Aber danach ging es mir bestens. Nur musste ich feststellen dass in fast allen Produkten reichlich Zucker in allen verschiedenen Formen zugesetzt sind. In Lebensmittel wo dies überhaupt nicht nötig ist. Dextrose, Glucose, Fructose ,Xanthan, Honig,, Apfelsaft Malz, usw. Dadurch war es sehr schwierig Lebensmittel zu finden die ich überhaupt essen konnte. Jetzt esse ich wieder Obst und alle Sorten Gemüse. Aber ich werde weiter alle Produkte der Lebensmittelindustrie meiden in denen Zucker oder ähnliches sowie unnötige Zusatzstoffe und Konservierungsstoffe enthalten sind.

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