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Dr. Google: Gesundheitsrecherche im Internet

Von Maja Seimer
Aktualisiert am 24. Feb. 2020
© Pexels/ bongkarn thanyakij
© Pexels/ bongkarn thanyakij

Wer krank ist, geht zum Arzt – das war einmal. Denn Dr. Google weiß bekanntlich alles. Die eigene Recherche kann jedoch auch nach hinten losgehen. Wir verraten Ihnen, wie Sie als kompetenter Patient Informationen bestmöglich nutzen.

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Inhaltsverzeichnis

  1. Wer ist Dr. Google?
  2. Hat die Online-Recherche auch Nachteile?
  3. Wie finde ich zuverlässige Quellen?
  4. Wie gehe ich mit Informationen bestmöglich um?
  5. Wissen zum Mitnehmen

Wer ist Dr. Google?

Im Internet finden wir quasi alles. Vor allem, wenn es um Erkrankungen, Diagnosen und Behandlungsmöglichkeiten geht. 

Zwei Drittel befragen zunächst Dr. Google

Ein Stechen in der Bauchgegend, juckender Ausschlag oder Taubheitsgefühle – worum es auch geht, Google, liefert bei allen Beschwerden die passende Erklärung. Wird die Suchmaschine als Ratgeber in Gesundheitsfragen genutzt, ist die Rede davon "Dr. Google zu befragen". Statt einen Arzt zu konsultieren, checken die meisten ihre Symptome erst einmal über die Suchmaschine. Eine Studie der Bertelsmann-Stiftung ermittelte kürzlich: Zwei Drittel der Deutschen beziehen Informationen über Gesundheit aus dem Internet (1)

24/7 Gesundheitsinformationen verfügbar

Das Angebot an medizinischen Informationen im Netz ist groß. Zahlreiche Portale bieten Antworten auf Patientenfragen und private Websites liefern vermeintlich fundiertes Gesundheitswissen. Zudem können Smartphone-User ein weitreichendes Angebot an Gesundheits-Apps nutzen. Während Patienten noch vor ein paar Jahren auf einen Termin beim Arzt warten mussten, gibt es heute 24/7 Antworten auf Gesundheitsfragen jeder Art.

TK-Studie: auch ältere Menschen nutzen Dr. Google

Die Studie "Homo Digivitalis" der Techniker Krankenkasse (TK), die Menschen in Deutschland hinsichtlich der digitalen Gesundheitskompetenz befragte, ergab: Selbst bei den 60- bis 70-Jährigen halten 54 Prozent das Netz für eine wichtige Informationsquelle bei Gesundheitsthemen (2)

Merke!
Wenn Patienten Antworten auf ihre Gesundheitsfragen übers Internet recherchieren, ist auch die Rede davon "Dr. Google zu fragen".

Hat die Online-Recherche auch Nachteile?

Die Bertelsmann-Untersuchung aus 2018 ermittelte, dass 52 Prozent der Patienten, die das Internet bei Gesundheitsfragen nutzen, mit ihren Recherche-Ergebnissen zufrieden sind. Dabei suchen 72 Prozent der Nutzer auf dem Online-Lexikon Wikipedia und Gesundheitsportalen wie Onmeda und Netdoctor. 

Vorteil: Trost, Austausch

Den Patienten geht es dabei nicht nur um die reinen Fakten. Laut der Bertelsmann-Studie suchen sie im Internet auch Sicherheit, Trost, Austausch und Zerstreuung. Großer Vorteil von Dr. Google: Er bietet mit Foren jederzeit die Möglichkeit, sich mit anderen Patienten auszutauschen, gegenseitig zu ermutigen und Trost zu spenden.  

Viele unzuverlässige Quellen

Doch auch, wenn mehr als die Hälfte der recherchierten Informationen subjektiv helfen, heißt das nicht, dass es sich dabei um korrektes und fundiertes Gesundheitswissen handelt. Denn Dr. Google kann auch schaden. Zahlreiche unzuverlässige Quellen verunsichern Patienten. Bei einigen führen die undifferenzierten Aussagen und widersprüchlichen Informationen dazu, einen regelrechten Recherchezwang zu entwickeln und bei den gefundenen Ergebnissen in Panik zu geraten.

Merke!
Unzuverlässige Quellen aus dem Internet enthalten oft Fehlinformationen, die Patienten verunsichern.

Was ist Cyberchondrie?

Wer zum Beispiel unter häufigen Kopfschmerzen leidet, findet bei seiner Suche nicht nur Stichworte wie "Verspannungen" und "Stress", sondern auch "Hirntumor" und "Gehirnhautentzündung". Kein Wunder, dass Betroffene hier in Besorgnis geraten. Die Hypochondrie, bei der Menschen davon überzeugt sind, vielfältige gesundheitliche Probleme zu haben oder gar todkrank zu sein, ist als psychische Störung anerkannt. Mit der Verbreitung von Dr. Google, hat sich die "Cyberchondrie", auch "Morbus-Google", entwickelt. Der Begriff, bestehend aus Cyber und Hypochondrie und beschreibt einen krankhaften Zustand, bei dem hypochondrische Tendenzen durch Informationen aus dem Internet ausgelöst werden.

Merke!
Cyberchondrie beschreibt einen krankhaften Zustand, bei dem Menschen durch Informationen aus dem Internet glauben, unter zahlreichen und ernsthaften Erkrankungen zu leiden.

Wie finde ich zuverlässige Quellen?

Ein großes Problem im Netz ist die Qualität der Quellen. Oftmals werden Patienten über gesponserte Artikel, die nicht für jeden als Werbung zu erkennen sind, auf bestimmte Behandlungen oder Medikamente aufmerksam gemacht.

Unabhängige Portale nutzen 

Setzen Sie auf unabhängige Informationsplattformen, beispielsweise das Portal www.gesundheitsinformation.de. Hier bereiten Krankenhausbetreiber, niedergelassene Ärzte, Zahnärzte und Krankenkassen zuverlässige Informationen für Laien verständlich auf. Nutzen Sie zudem Seiten von Fachgesellschaften und offiziellen Verbänden, wie beispielsweise der Deutschen Zöliakie Gesellschaft.

Seriöse Gesundheitsinformationen finden Sie etwa auf:

Kritischen Umgang üben

Als aufmerksamer Patient ist es vor allem wichtig, Informationen kritisch zu betrachten und sich zusätzlich gewisse Kompetenzen zum Thema Gesundheit anzueignen. 

Wenn Sie über eine Suchmaschine Gesundheitsinformationen suchen, sollten Sie Folgendes im Hinterkopf haben:

  • die ersten Treffer sind meistens gekaufte Werbeanzeige, sie sind in der Regel mit dem Wort "Anzeige" gekennzeichnet
  • die Reihenfolge der Artikel sagt nichts über ihre inhaltliche Qualität aus
  • überprüfen Sie immer, wer die Internetseite betreibt und welche Ziele verfolgt werden
  • wenn neben dem Artikel Werbung für das passende Produkt erscheint oder Sie in einem Online-Shop landen, seien Sie besonders kritisch
  • Foren sind gut zum Austausch, bieten aber keine gesicherten Informationen
  • "Patienten" aus Foren können eventuell versteckt Werbung machen
  • Heilversprechen sind ein Zeichen für fehlende Seriosität

Merke!
​Auch, wenn es verlockend erscheint, meiden Sie reißerische Headlines und ignorieren Sie Werbeanzeigen und Heilversprechen.

Wie gehe ich mit Informationen bestmöglich um?

Tipps für den Umgang mit Informationen aus dem Internet:

  • wählen Sie verlässliche Quellen für Ihre Recherche
  • nutzen Sie nicht mehr als drei Quellen zu einem Thema
  • machen Sie bei Beschwerden auch einen Arzttermin
  • schreiben Sie Ihre Fragen auf und besprechen diese beim Arzttermin
  • holen Sie sich bei Zweifeln eine Zweitmeinung ein
  • machen Sie sich bewusst, dass Menschen in Foren immer Individuen mit persönlicher Krankheitsgeschichte sind, keine repräsentativen Studien

Spezielle Programme fördern Kompetenz

Zudem besteht immer die Möglichkeit, sein Wissen um Gesundheit zu erweitern. Die TK etwa bietet ihren Versicherten unter dem Motto "Kompetent als Patient" verschiedene Präsenz- und Online-Kurse. So will sie die Kompetenz in Sachen eigener Gesundheit gezielt fördern. Das Programm vermittelt Nutzern Wissen und bieten ihnen ein Kompetenztraining, bei dem sie unter anderem Fragen rund um das Gesundheitssystem sowie zu Anbietern von Gesundheitsleistungen beantworten können. So lernen sie, wie sie an entsprechende Informationen gelangen und deren Qualität beurteilen können. 

Merke!
Betrachten Sie Informationen zu Symptomen, Erkrankungen und Diagnosen immer relativ. Wenn es um Gesundheit und Krankheit geht, ist jeder Mensch ein Einzelfall.

Wissen zum Mitnehmen

Während wir vor 20 Jahren noch bei Beschwerden einen Arzttermin vereinbart haben, fällt die erste Wahl bei vielen heute auf Dr. Google. Die Suchmaschine bietet Antworten auf alle Gesundheitsfragen und kennt so gut wie jede Erkrankung. 

Wer verlässliche Gesundheitsportale nutzt und kritisch und rational mit Informationen aus dem Netz umgeht, kann sie als Unterstützung und praktische Hilfe nutzen, um Beschwerden zu lindern und gesund zu werden.

Doch zahlreiche unseriöse Quellen und Fehlinformationen bieten auch das Potenzial, Patienten zu verunsichern und Ängste zu entwickeln, ernsthaft krank zu sein, obwohl dies nicht der Fall ist. Daher ist bei Dr. Google immer Vorsicht geboten und letztendlich der richtige Umgang entscheidend.


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Gemeinsam mit der TK haben wir großes Interesse daran, Sie über wichtige Themen rund um Gesundheit und Ernährung aufzuklären. Mehr über die Zusammenarbeit und die TK erfahren Sie hier.

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