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Fruktoseintoleranz: Ursache, Symptome und Behandlung

Von Maja Seimer
Aktualisiert am 28. Mai. 2019
© Unsplash/ Brenda Godinez
© Unsplash/ Brenda Godinez

Führt der Verzehr von Obst zu Bauchschmerzen und Durchfall, kann Fruktose, also Fruchtzucker, daran schuld sein. Manche Menschen können diese nur in sehr kleinen Mengen verdauen. Fruchtzucker aber verbirgt sich längst nicht nur in Obst. Wir verraten Ihnen, in welchen Lebensmitteln er steckt und wie Sie eine Fruktoseintoleranz erkennen.

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Inhaltsverzeichnis
  1. Was passiert bei einer Fruktoseintoleranz?
    1. Transport im Darm gestört
    2. Angeboren oder erworben 
  2. Was sind die Symptome einer Fruktoseintoleranz?
    1. Stimmung im Keller
    2. Geschwächtes Immunsystem
  3. In welchen Lebensmitteln steckt Fruktose?
  4. Was sind die Ursachen für eine Fruktoseintoleranz?
    1. Überschreiten der Toleranzschwelle
    2. Faktoren, die zu einer Fruktoseintoleranz beitragen können:
  5. Wie wird eine Fruktoseintoleranz diagnostiziert?
    1. Ernährungstagebuch führen
    2. Atemtest beim Arzt
  6. Was tun bei einer Fruktoseintoleranz?
    1. Auslassphase: Fruchtzucker ist tabu
    2. Traubenzucker zum Süßen
    3. Testphase: kleine Mengen probieren
    4. Dauerernährung: abwechslungsreich essen
  7. Wissen zum Mitnehmen

Was passiert bei einer Fruktoseintoleranz?

Bei einer Fruktoseintoleranz löst der Verzehr von Fruchtzucker, etwa aus Obst und Süßigkeiten, Verdauungsbeschwerden aus. Der Darm kann die aufgenommene Fruktose nicht richtig verarbeiten und es kommt zu Problemen. Da Menschen mit einer Fruktoseintoleranz jedoch meist noch ein bisschen Fruktose vertragen, spricht man korrekterweise von einer Fruktosemalabsorption, also einer gestörten Aufnahme von Fruchtzucker.    

Transport im Darm gestört

Im Darm befinden sich kleine Transporteiweiße, die verzehrte Fruktose über den Dünndarm ins Blut befördern. Die Menge, die sie transportieren können, ist begrenzt und individuell verschieden. Funktionieren die Transportmoleküle im Darm nicht richtig, sorgen auch schon kleinere Mengen für Probleme. Anstatt ins Blut überzugehen, wandert die Fruktose in den Dickdarm, wo die ansässigen Darmbakterien versuchen, sie zu verdauen. Da die Dickdarmbakterien auf diesen Job jedoch nicht spezialisiert sind, gelingt die Verdauung nur mäßig gut. Als Nebenprodukt entstehen Gase, die zu Blähungen und weiteren Verdauungsbeschwerden wie Durchfall führen.

Angeboren oder erworben 

Bei den meisten Menschen entwickelt sich eine Fruktoseintoleranz im Laufe des Lebens. Die gute Nachricht hier: Die Aufnahme kann sich nach einer gewissen Schonzeit, in der Sie ganz auf Fruktose verzichten, auch wieder verbessern.

In seltenen Fällen ist die Intoleranz angeboren. Hier spricht man von der hereditären Fruktoseintoleranz. Meistens fällt die angeborene Stoffwechselstörung bei Kleinkindern erst mit Gabe der Beikost auf, da die Muttermilch keine Fruktose enthält. Bei der angeborenen Intoleranz hat die Unverträglichkeit nichts mit den Fruktose-Transportern, sondern mit einem fehlenden Enzym zum Abbau zu tun. Betroffene dürfen nicht einmal das kleinste Bisschen Fruktose zu sich nehmen, da die nicht abgebaute Fruktose Leber, Nieren und den Darm schädigen können.

Merke!

Bei einer Fruktoseintoleranz kann der Darm Fruchtzucker nicht richtig aufnehmen. In den meisten Fällen entsteht diese Intoleranz im Laufe des Lebens. Nur in seltenen Fällen ist sie angeboren.

Was sind die Symptome einer Fruktoseintoleranz?

Menschen, die keine Fruktose vertragen, haben nach einem Apfel oder einer Handvoll Cashewnüsse oft Bauchschmerzen und einen starken Blähbauch. Neben den typischen Verdauungsbeschwerden, zu denen auch Durchfall gehört, können jedoch noch weitere unangenehme Symptome auftreten. Häufige Beschwerden sind:

  • Blähbauch und Blähungen
  • Völlegefühl
  • Bauchschmerzen
  • Aufstoßen, Übelkeit
  • Durchfall
  • Kopfschmerzen
  • Müdigkeit, Abgeschlagenheit
  • Infektanfälligkeit
  • Konzentrationsstörung
  • gedrückte Stimmung

Stimmung im Keller

Bei einer Fruktoseintoleranz ist die Aufnahme von Tryptophan gehemmt. Da die Aminosäure eine Vorstufe unseres Glückshormons Serotonin ist, das uns innere Ruhe, Gelassenheit und Zufriedenheit gibt, kann bei einer Fruktoseintoleranz auch die Psyche betroffen sein. Viele fühlen sich unruhig und niedergeschlagen. 

Geschwächtes Immunsystem

Wer sich zudem oft müde und abgeschlagen fühlt oder häufig kränkelt, könnte ebenfalls an einer Fruktoseintoleranz leiden. Die Verdauungsstörung kann den ganzen Organismus belasten und führt bei einigen sogar zu einem Folsäure- und Zinkmangel. Die Gründe für die genaue Entstehung der Mängel sind noch nicht abschließend geklärt. Klar ist jedoch, dass die Vitaminmängel auch das Immunsystem schwächen.

Merke!

Neben Verdauungsbeschwerden, vor allem Durchfall und Blähungen, kann eine Fruktoseintoleranz auch die Stimmung negativ beeinflussen.

In welchen Lebensmitteln steckt Fruktose?

Fruktose steckt unter anderem in:

  • allen Obstsorten und Fruchtsäfte
  • allen Produkte, die Haushaltszucker enthalten, da dieser zu 50 Prozent aus Fruktose und 50 Prozent aus Glukose besteht
  • Trockenfrüchten 
  • Marmelade und Konfitüre
  • Artischocken, Auberginen, Brokkoli, Karotten, Kürbis, Tomaten (diese Gemüsesorten enthalten mehr Fruktose als andere)
  • Honig 
  • allen Nüsse außer Paranüsse
  • Früchtetee 
  • süßen Weinen 

Merke!

Nicht nur in Obst und Fruchtsäften, sondern auch in vielen Fertigprodukten wie Süßigkeiten, Limonaden und Eiscreme ist Fruktose enthalten.

Was sind die Ursachen für eine Fruktoseintoleranz?

Wie genau eine Fruktoseintoleranz entsteht, kann im Einzelfall ganz unterschiedlich sein. Häufig sind es mehrere Faktoren, die bei der Entstehung zusammenkommen. 

Überschreiten der Toleranzschwelle

Nicht immer steckt gleich eine Intoleranz hinter den Beschwerden. Häufig ist auch ganz einfach eine "Überdosis" der Grund für Bauchgrummeln oder Durchfall. Wer etwa bei einer großen Schale Obstsalat mit Verdauungsbeschwerden reagiert und mit kleinen Portionen kein Problem hat, hat vermutlich seine Fruktosetransporter überfordert. Sind die Transporter überlastet, wandert ein Teil der Fruktose in den Dickdarm und macht dort Probleme.

Je häufiger Obst, Säfte, Süßigkeiten und gesüßte Fertigprodukte auf dem Speiseplan stehen, desto mehr Fruktose muss der Darm transportieren. Bei einer häufigen Überdosierung kann es sein, dass die Transporter irgendwann komplett streiken. Dies kann jedoch auch durch andere Ereignisse geschehen.

Faktoren, die zu einer Fruktoseintoleranz beitragen können:

  • Verzehr von großen Mengen Süßigkeiten, Obst oder anderen fruktosehaltigen Lebensmitteln strapazieren die Fruktose-Transporter
  • Antibiotika-Therapie
  • Glutenunverträglichkeit
  • Magen-Darm-Virus
  • Pilze oder Parasiten, welche die Darmflora schwächen

Darüber hinaus können alle äußeren und inneren Einflüsse, die die Darmflora stören, eine Fruktoseintoleranz fördern.

Merke!

Wer sehr viel Fruktose zu sich nimmt, strapaziert seine Fruktose-Transporter. Das kann dazu führen, dass sie irgendwann komplett streiken.

Wie wird eine Fruktoseintoleranz diagnostiziert?

In vielen Fällen ist der Weg bis zur richtigen Diagnose mühselig. Da Fruktose neben Obst auch in vielen anderen Lebensmitteln enthalten ist, fällt der Zusammenhang zwischen den Beschwerden und der Fruktose-Betroffenen nicht direkt auf. 

Ernährungstagebuch führen

Wenn der Bauch öfter mal grummelt und Ihre Verdauung Ihnen Sorgen bereitet, kann ein Essprotokoll dabei helfen, den Übeltäter in der Ernährung ausfindig zu machen. Wenn Sie auf kleinere Mengen Saft und Obst, Honig und Marmelade mit Durchfall, Blähungen und anderen unangenehmen Beschwerden reagieren, könnte eine Fruktoseintoleranz der Grund dafür sein.

Atemtest beim Arzt

Bevor Sie mit einer fruktosearmen Ernährung beginnen, sollte Sie die Diagnose von einem Arzt bestätigen lassen. Der sogenannte Wasserstoff-Atemtest liefert hier ein eindeutiges Ergebnis. Er misst, ob verzehrte Fruktose, anders als vorgesehen, im Dickdarm landet. Ist das der Fall, lässt sich in der Atemluft Wasserstoff nachweisen. Vereinbaren Sie für den Test einen Termin bei einem Gastroenterologen. Wichtig ist, dass Sie vor Ihrem Arztbesuch nicht essen und nur Wasser trinken.

Beim Test nehmen Sie nüchtern ein Glas Wasser mit darin aufgelöstem Fruchtzucker zu sich. Anschließend pusten Sie über einen Zeitraum von zwei bis drei Stunden in regelmäßigen Abständen in ein Testgerät, das den Gehalt an Wasserstoff in Ihrer Atemluft misst. Anhand der Ergebnisse kann der Arzt feststellen, ob eine Fruktose-Malabsorption vorliegt. Sollte dies der Fall sein, werden im Laufe des Tests Ihre bekannten Beschwerden auftreten. 

Merke!

Mit einem Wasserstoff-Atemtest überprüft der Arzt, ob Sie Fruktose verdauen können und kann so eine Diagnose stellen.

Was tun bei einer Fruktoseintoleranz?

Auslassphase: Fruchtzucker ist tabu

Zunächst verzichten Sie in der sogenannten Karenzphase zwei bis drei Wochen lang, auf jegliche Lebensmittel und Produkte, die Fruktose enthalten. Damit ist auch alles, was Zucker enthält, zunächst einmal gestrichen. Gewöhnen Sie sich daran, Inhaltsangaben zu lesen und achten Sie auch auf versteckten Zucker in der Liste, wie beispielsweise Maissirup, Fruchtsüße oder Raffinose. Insgesamt gibt es um die 70 Begriffe, die Zucker beschreiben.

Nutzen Sie gern auch fruktosefreie Produkte, die es im Reformhaus und in Drogerien zu kaufen gibt. Die Pause, die Sie Ihrem Darm damit gönnen, gibt ihm die Möglichkeit sich zu regenerieren und seine Fruktose-Transporter wieder fit zu machen. Die meisten Menschen vertragen Fruktose nach dieser Schonzeit wieder deutlich besser.

Im Internet finden Sie häufig unterschiedliche Angaben zu Fruktosewerten von Lebensmitteln. Diese Liste kann Ihnen eine Orientierung geben. 

Traubenzucker zum Süßen

Sie können Traubenzucker und Reissirup zum Süßen verwenden. Diese Süßungsmittel bestehen nur aus Glukose. Wenn Sie Ihrem Immunsystem mal einen Vitamin-C-Kick verpassen möchten, ist ein Spritzer Zitrone im Wasser erlaubt. Auch Sanddornsaft enthält viel Vitamin C und ist frei von Fruktose. Wer den sauren Geschmack mag, kann den Saft gut als Obstersatz in Joghurt verwenden. Grundsätzlich brauchen Sie sich keine Gedanken darüber zu machen, ob Sie in der Auslassphase einen Vitaminmangel entwickeln. In dieser kurzen Zeit ist das unwahrscheinlich. 

Zuckeraustauschstoffe wie Sorbit, Xylit und Mannit allerdings behindern die Aufnahme von Fruchtzucker im Darm. Daher sollten diese Stoffe in der Karenzphase gemieden werden. Meistens stecken Zuckeraustauschstoffe in Produkten, die als zuckerfrei angepriesen werden. Sorbit kommt auch natürlicherweise vor – in Obstsorten wie Apfel, Birne, Pflaume und Aprikose. Besonders hoch ist der Sorbitgehalt in Trockenobst wie Rosinen und Sultaninen.

Testphase: kleine Mengen probieren

In diesen sechs Wochen führen Sie nach und nach Lebensmittel wieder ein, die Fruktose enthalten. Starten Sie mit kleinen Mengen. Ein Ernährungstagebuch hilft Ihnen, herauszufinden, wie viel okay ist. Generell sollten Sie lieber mehrere kleine Portionen über den Tag verteilt zu sich nehmen als eine große. Obst wird übrigens besser vertragen, wenn es etwa gleichviel Traubenzucker (Glukose) wie Fruktose enthält. Das ist zum Beispiel bei Bananen, Blaubeeren, Himbeeren, Erdbeeren und Kiwis der Fall. 

Glukose zum Ausgleich: Klingt verrückt, aber hilft! Wenn Sie fruktosereiches Obst wie Mango oder Ananas essen, geben Sie etwas Traubenzucker dazu. So vertragen Sie das Obst besser. Auch Naturjoghurt und andere eiweißhaltige Produkte helfen. Durch das Eiweiß wird die Aufnahme von Fruktose im Darm verzögert und kann nach und nach erfolgen.

Dauerernährung: abwechslungsreich essen

Nach acht bis zehn Wochen sollte Ihr Speiseplan wieder ausgewogen und abwechslungsreich aussehen. Integrieren Sie täglich die Obstmenge, die Sie vertragen und vermeiden Sie, zu viel Zucker oder Fruktose auf einmal zu essen. Sollte sich die Verträglichkeit einmal verschlechtern, schrauben Sie die Mengen wieder etwas zurück.

Merke!

Wenn Sie eine Zeit lang auf fruktosehaltige Lebensmittel verzichten, erholt sich der Darm und in den meisten Fällen vertragen Sie danach wieder mehr Fruktose als zuvor.

Wissen zum Mitnehmen

Eine Fruktoseintoleranz führt bei dem Verzehr von Obst oder zuckrigen Snacks zu Verdauungsbeschwerden wie Durchfall, Bauchschmerzen oder Übelkeit. Was viele nicht vermuten: Fruktose steckt nicht nur in Obst, sondern auch in allen Lebensmitteln, die Zucker enthalten. Haushaltszucker, auch Saccharose genannt, besteht zu 50 Prozent aus Fruktose. Auch andere Lebensmittel wie zum Beispiel Nüsse enthalten Fruktose.

Wer vermutet von einer Fruktoseunverträglichkeit betroffen zu sein, kann mit einem Ernährungstagebuch Klarheit schaffen. Darin wird alles Gegessene sowie daraufhin auftretende Beschwerden protokolliert.

Sicherheit gibt ein Wasserstoff-Atemtest, den ein Gastroenterologe durchführen kann. Wenn dieser positiv ausfällt, heißt es erst mal Verzicht auf alle fruktosehaltigen Lebensmittel und Produkte. Nach zwei bis drei Wochen kann die Fruktose langsam wieder in die Ernährung eingeführt werden.

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