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Kater-Mythen: Was hilft, was nicht?

Von EAT SMARTER
Aktualisiert am 27. Dez. 2018
Verkaterter Mann liegt in einer chaotischen Wohnung auf der Couchlehne

Pünktlich zum Ersten Advent beginnt die Zeit der feuchtfröhlichen Weihnachtsmarktbesuche und Firmenfeiern – schmerzhaftes Erwachen am nächsten Tag oft inklusive. Wie Sie den Kater in Schach halten und warum Ölsardinen Ihnen dabei mehr helfen als Brot, erfahren Sie im Live Smarter-Blog.

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Zur Kurzfassung ►

Warum bekommen wir einen Kater?

Ein Gläschen Sekt hier, zwei Becher Glühwein mit Schuss dort, nach dem fettigen Essen noch der ein oder andere „Verteiler“ … gerade in der Vorweihnachtszeit trinken wir oft mehr Alkohol, als für uns gut ist.

Die Quittung für den Abend mit Freunden oder Kollegen, der dann doch länger dauerte als geplant, bekommen wir am nächsten Tag: einen dicken, fetten Kater. Die Zunge „klebt“ am Gaumen, der Magen fühlt sich flau an, und beim Aufstehen dröhnt der Schädel.

Streng genommen ist jedes Gramm Alkohol, das wir zu uns nehmen, für den Organismus eine kleine Vergiftung. Gegen die kämpft der Körper an, indem er versucht, den Alkohol im Blut wieder abzubauen. Doch das dauert – bei Frauen schafft der Organismus etwa 0,1 Promille pro Stunde, bei Männern sind es 0,2 Promille.

Dieser Abbauprozess ist es auch, der – so vermuten Experten – zum charakteristischen „Schädel“ führt: „Eine Verschiebung von Elektrolyten an den Zellen" sei ein vermuteter Grund für alkoholbedingten Spannungskopfschmerz, sagt Prof. Dr. Arne May, Leiter der Kopfschmerzambulanz der Neurologischen Klinik am Universitätsklinikum Hamburg. Eine weitere Theorie lautet, „dass es durch Alkoholkonsum zu erhöhtem Harndrang und dadurch einer Dehydratation kommt“, so Prof May; „andere Theorien besagen, dass es durch den Alkoholkonsum zu einer entzündlichen Veränderung kommt.“

Aus welchem Grund auch immer uns der schmerzhafte Kater heimsucht – wir können vorbeugen. Wie das geht und welche Tipps ins Reich der Mythen gehören, lesen Sie in unserem Fakten-Check. Eines sei vorweg bemerkt: Die wirksamste Waffe gegen den Katzenjammer ist immer noch, auf Alkohol zu verzichten. Aber das wissen Sie ja selber…

MERKE !

Kater wird im Wesentlichen durch die Dehydrierung des Körpers hervorgerufen. Weitere mögliche Ursachen sind die Verschiebung von Elektrolyten an den Zellen sowie entzündliche Veränderungen im Organismus durch Alkoholkonsum. 

Richtig oder falsch? Kathermythen im Check  

Wer eine ölige Grundlage schafft, wird langsamer betrunken

Richtig. Wer vor dem Weihnachtsmarktbesuch fettige Speisen wie zum Beispiel Ölsardinen zu sich nimmt, dem steigt der Punsch nicht so schnell zu Kopf. Der Grund: Wenn die Magenschleimhaut durch wasserabweisende Substanzen wie Fett und Öl bedeckt ist, verlangsamt sich die Zeit, in der Alkohol resorbiert wird, und der Blutalkohol steigt langsamer an.

Kohlenhydrate binden Alkohol

Eher falsch. „Iss mal ordentlich Brot, das saugt den Alkohol auf!“ – diesen Rat haben Sie vielleicht schon einmal gehört. Doch zum einen werden Kohlenhydrate zerkaut und haben keine aufsaugende Wirkung, wenn sie im Magen ankommen. Und zum anderen gibt es für eine verlangsamte Resorption von Alkohol durch Kohlenhydrate keine wissenschaftlichen Beweise. Ein wenig Brot in Olivenöl zu stippen – zum Beispiel bei der Weihnachtsfeier – schadet jedoch nicht (siehe vorhergehende Antwort).

Durcheinander trinken verstärkt den Kater

Falsch. Für den alten Spruch „Bier auf Wein, das lass’ sein“ steht ein wissenschaftlicher Beleg noch aus. Richtig ist jedoch: Spirituosen, die Begleit- oder Fuselalkohole enthalten, können den Kater verstärken. Fuselalkohole entstehen bei der alkoholischen Gärung als Nebenprodukte des Hefestoffwechsels und werden im menschlichen Körper zu Giftstoffen abgebaut. Spitzenreiter ist Weizenbier, das bis zu 160 Milligramm Fuselalkohol pro Liter enthalten kann, während Wodka so gut wie keinen Fuselalkohol enthält.

Ein weiterer Aspekt des Durcheinandertrinkens: Wer beispielsweise mit Sekt startet, dann zu Wein und später zu Gin and Tonic übergeht, hat subjektiv oft weniger getrunken als jemand, der sich den ganzen Abend am Bier festhält – oft ist die konsumierte Alkoholmenge aber größer.

Warme Spirituosen „knallen“ mehr als kalte

Richtig. Glühwein geht schneller ins Blut als Rotwein, da die warme Flüssigkeit die Magendurchblutung fördert. Auch hier der Ratschlag: Eine schützende Fettschicht auf der Magenschleimhaut hemmt den Aufnahmeprozess. Wie Sie Glüwein selber machen, lesen Sie hier.

Immer mal ein Wasser zwischendurch trinken

Richtig. Je mehr Wasser sich im Organismus befindet, desto größer ist das Volumen, in dem der Alkohol sich verteilt. Wer pro getrunkenem Glas Alkohol ein Glas Wasser zu sich nimmt und – ganz wichtig – vor dem Zubettgehen noch ein großes Glas Wasser trinkt, kann der Dehydrierung und damit einem Kater vorbeugen.

Ein Konterbier killt den Kater

Falsch. Zwar kann das erste Bier am Abend nach einem Hangover-Tag schneller dazu führen, dass man sich wieder „leistungsfähig“ und partytauglich fühlt – gerade am Wochenende für viele Menschen ein nicht zu unterschätzender Faktor – doch die Dehydration, die schlussendlich zu den Katersymptomen führt, wird durch das Kontergetränk nur noch weiter verschärft. Daher: Lieber Finger weg von Konterbier, sonst haben Sie schlimmstenfalls auch zu Beginn der Arbeitswoche noch unliebsame Erinnerungen an das Wochenende.

Rollmops ist eine Geheimwaffe gegen Kater

Richtig. Denn zum einen trinken wir automatisch mehr, wenn wir Salziges zu uns nehmen – streng genommen muss es also kein Rollmops sein, sondern einfach deftige Speisen. Zum anderen wird auf diese Weise der gebeutelte Elektrolythaushalt des Körpers aufgefüllt.  

Der Alkoholabbau lässt sich durch kalte Duschen und starken Kaffee beschleunigen

Leider falsch! Vielleicht erinnern Sie sich an die entsprechende Fangfrage – und ihre ernüchternde Antwort – aus dem Fahrschulunterricht. Das Tempo, in dem unser Körper Alkohol abbaut, lässt sich nicht beschleunigen, auch wenn Sie sich auf den Kopf stellen. Eine Wechseldusche und frische Luft haben trotzdem einen wohltuenden Effekt, da sie den Kreislauf in Schwung bringen.

Übersicht zu diesem Artikel

 
Liebes EatSmarter-Team, vielen Dank für den interessanten Beitrag. Was mir nicht klar ist, ist diese Beschreibung: „Eine Verschiebung von Zellen an den Elektrolyten“ - muss das nicht heißen "eine Verschiebung der Elektrolyte in den Zellen"? Schöne Grüße aus Köln Nicolas Ting Ernährungs- und Lebensmittelwissenschaftler MSc
Bild des Benutzers EAT SMARTER
Lieber Herr Ting, herzlichen Dank für Ihren Kommentar! Sie haben recht – hier liegt ein Wortdreher vor, den wir korrigieren. Beste Grüße, Ihr EAT SMARTER-Team
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