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Panikattacken: Symptome, Diagnose und Behandlung

Von Wenke Gürtler
Aktualisiert am 26. Okt. 2020
© Pexels/ Karolina Grabowska
© Pexels/ Karolina Grabowska

Atemnot, Brustschmerzen, Herzklopfen, Übelkeit oder Todesangst – Panikattacken kommen scheinbar aus dem Nichts und lösen eine massive Furcht aus. Doch was steckt hinter diesen Anfällen und wer kann helfen? Wir verraten es Ihnen.

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Inhaltsverzeichnis

  1. Was sind Panikattacken?
  2. Typische Symptome einer Panikattacke
  3. Wo kommen Panikattacken her?
  4. Diagnose: Panikstörung wird oft nicht erkannt
  5. Behandlung von Panikattacken
    1. Wer behandelt Panikattacken?
    2. Entspannung bitte
    3. Gesünder leben
  6. Was tun bei Panikattacken?
  7. Wissen zum Mitnehmen

Kein Mensch ist frei von Angst. Und das ist auch gut so: Das Gefühl manövriert uns durch die Gefahren des Lebens, schärft unsere Sinne und mobilisiert Energie, damit wir notfalls kämpfen oder flüchten können. Bei manchen Personen nimmt die Furcht aber ein übersteigertes Ausmaß an.

Angststörungen wie Phobien, Platzangst (Agoraphobie) oder Panikanfälle zählen mit zu den häufigsten psychischen Erkrankungen und schränken Betroffene in ihrem Alltag erheblich ein. Aber was sind überhaupt Panikattacken?

Was sind Panikattacken?

Panik ist schon seit dem Altertum bekannt. So leitet sich das Wort von dem griechischen Hirtengott „Pan“ ab. Wer ihn im Schlaf zu Mittagsstunde störte, wurde mit seinem lautstarken und unbändigen Auftreten derart erschrocken, dass sie panisch flohen und den Ort des Geschehens fortan vermieden. 

In der Realität treten Panikattacken oft unangekündigt auf oder sind mit einer Klaustrophobie verbunden. Sie beginnen abrupt, erreichen innerhalb weniger Minuten den Höhepunkt und dauern fünf bis zehn Minuten – mitunter sogar eine halbe Stunde. Währenddessen überfällt die Betroffenen eine massive Furcht, die sich ganz unterschiedlich ausdrückt. Taucht die Heidenangst immer wieder auf, handelt es sich um eine Panikstörung.

Merke!
Panikattacken treten meist plötzlich oder durch Platzangst auf. Starke Furcht und Unbehagen halten für fünf bis zehn Minuten an. Bei mehreren Anfällen ist von einer Panikstörung die Rede. 

Typische Symptome einer Panikattacke

Ein Anfall wird von verschiedenen Leitbeschwerden begleitet, die Betroffene höchst sensibel wahrnehmen. Treffen vier der folgenden Symptome zu, handelt es sich um einen Panikanfall:

  • Herzklopfen oder Herzrasen
  • Zittern
  • Mundtrockenheit
  • Atemnot, Erstickungsgefühl, Brustschmerzen oder Enge im Hals
  • Druck oder Enge in der Brust
  • Übelkeit oder Bauchbeschwerden
  • Schwindel-, Unsicherheit-, Ohnmachts- oder Benommenheitsgefühle
  • Gefühl, dass Dinge unwirklich sind (wie im Traum) oder dass man selbst nicht richtig da ist
  • Hitzewallungen oder Kälteschauer
  • Taubheits- oder Kribbelgefühle
  • Angst, die Kontrolle zu verlieren, wahnsinnig oder ohnmächtig zu werden
  • Angst zu sterben

Wer einmal eine heftige Panikattacke erlebt hat, befürchtet häufig einen neuen Panikanfall. Betroffene meiden dann Situationen, die der ähneln, in der die Panik aufgetreten ist. Sie entwickeln also eine Angst vor der Angst.

Merke!
Die Panik ist extrem: Atemnot, Herzklopfen, Hitzewallungen, Mundtrockenheit bis hin zur Todesangst machen den Betroffenen sehr zu schaffen. Häufig kommt dann die Angst vor der Angst hinzu.

Wo kommen Panikattacken her?

Unter Panikattacken leiden Frauen doppelt so häufig wie Männer. Im Grunde kann es aber jeden treffen. Nicht selten gehen einer Panikstörung Kindheitstraumata wie Tod des Vaters, Trennung der Eltern, Alkoholsucht in der Familie oder sexueller Missbrauch voraus. Auch gegenwärtige Lebenskrisen, genetische Einflüsse oder ein Ungleichgewicht im Botenstoffsystem des Gehirns können zu der Entstehung beitragen. Mitunter sind sie auch eine Folge von Depressionen oder Drogenmissbrauch. 

Warum Betroffene die Angst stärker wahrnehmen und sie sich als Panikstörung manifestiert, ist noch unklar. Forscher nehmen an, dass harmlose Veränderungen wie Herzklopfen oder Schwindel vielfach bedrohlicher wahrgenommen werden. Dadurch nimmt die innere Erregung zu, worauf sich die körperlichen Beschwerden weiter ausweiten. So schaukelt sich die Furcht zur Panik hoch; allein die Vorstellung einer unbehaglichen Situation kann wiederum einen Anfall auslösen.

Merke!
Jeder kann an einer Panikattacke leiden. Kindheitstraumata oder eine belastende Lebenssituation können zur Entstehung beitragen oder sie sind eine Folge von Depressionen oder Drogenmissbrauch.

Diagnose: Panikstörung wird oft nicht erkannt

Das Herz rast, der Blutdruck steigt, die Luft wird knapp und die Brust schmerzt: Viele Betroffene können die Symptome nicht richtig deuten und vermuten dahinter einen Herzinfarkt oder Schlaganfall. Oft klagen sie auch über Schwindel oder Übelkeit. Betroffene stellen sich dann in Notaufnahmen vor oder wenden sich an ihren Hausarzt. Die verschiedenen Untersuchungen sind in der Regel unauffällig und die Angststörung wird dann häufig nicht erkannt.

Einige wollen sich auch nicht eingestehen, dass sie psychisch krank sind. In unserer Leistungsgesellschaft ist das ein Tabu. Sie scheuen sich davor, einen Psychiater aufzusuchen oder sich über eine mögliche Behandlung zu informieren.

Merke!
Viele Betroffene vermuten, dass hinter ihren Symptomen eine organische Krankheit steckt und wenden sich an einen Arzt, der mitunter die eigentliche Ursache nicht erkennt. Aber auch falsche Scham spielt eine Rolle.

Behandlung von Panikattacken

Mitunter versuchen Betroffene ihre Furcht zunächst selbst in den Griff zu bekommen, etwa mithilfe von Ratgebern. Manche Menschen greifen auch zu Baldrian, Lavendel oder Melisse – oder verordnen sich sogar starke Beruhigungsmittel und Alkohol zur Linderung. Sie dämpfen zwar für einige Stunden die Symptome, aber führen zu Gewöhnung und langfristig zu einer gefährlichen Abhängigkeit. Somit verstreicht viel Zeit, eine frühzeitige Behandlung aber würde den Angstkreislauf leichter durchbrechen lassen.

Wer behandelt Panikattacken?

Haben Menschen den Eindruck, bei ihnen entwickelt sich eine Panikstörung, ist der Hausarzt der erste Ansprechpartner. Der Allgemeinmediziner kann zunächst körperliche Ursachen wie beispielsweise Asthma, Herz-Rhythmus-Störungen, Migräne oder Schilddrüsenüberfunktion ausschließen und dann an einen Psychotherapeuten oder entsprechenden Facharzt vermitteln. Hier lässt sich über Gespräche und speziellen Fragebögen die Diagnose stellen.

Entspannung bitte

In der Psychotherapie können Betroffene sich Entspannungstechniken wie progressive Muskelentspannung, autogenes Training oder das Biofeedback (Rückmeldung physiologischer Prozesse) aneignen. Die erlernten Methoden können dann im Alltag angewandt werden, um Stress abzubauen und zur Ruhe zu kommen.

Gesünder leben

Auch ein bewusster Lebensstil hilft, die Wahrscheinlichkeit für erneute Panikattacken zu senken. Dazu gehört eine ausgewogene Ernährung, regelmäßiger Schlaf – und der Umgang mit Alkohol: Übermäßiger Konsum kann Attacken begünstigen und zu einem Suchtproblem werden. 

Schonen Sie sich trotz Symptomen wie Atemnot, Herzrasen oder anderen Beschwerden nicht. Beim Sport merken Sie, dass ein schneller Puls auch durch körperliche Betätigung entsteht und eine normale Reaktion ist. So lernen Sie, Ihrem Körper wieder zu vertrauen. Zudem baut Bewegung Stress ab und setzt Endorphine frei, die Wohlfühlen und Entspannung fördern.

Merke!
Bei Panikattacken ist professionelle Hilfe ratsam, denn eine frühe Behandlung lässt den Angstkreislauf leichter durchbrechen. Entspannung, ausgewogene Ernährung, regelmäßiger Schlaf und Sport unterstützen dann die Therapie.

Was tun bei Panikattacken?

Meldet sich die Heidenangst zum Beispiel in der U-Bahn, sollten Sie nicht flüchten, sondern sitzen bleiben, ruhig atmen und sich auf etwas konzentrieren, was keine Unbehagen auslöst. Das kann ein belangloser Gegenstand in Sichtweite sein. Dann an eine schöne Urlaubserinnerung denken – und die Panikattacke zulassen. Der Kampf dagegen würde die Anspannung nur erhöhen, ähnlich wie dies auch bei unterdrückten Tränen der Fall ist.

Wenn Betroffene jedoch das Gefühl haben, die Kontrolle zu verlieren und mit der Situation nicht alleine umgehen können, ist Hilfe ratsam. Das kann auch schon mal der Notruf sein.

Merke!
Meldet sich ein Panikanfall gilt es: sitzen bleiben, ruhig atmen, an etwas Angenehmes denken und die Attacke zulassen. Wenn Sie die Kontrolle verlieren, ist Hilfe ratsam.

Wissen zum Mitnehmen

Viele Menschen vermuten, dass hinter Atemnot, Herzklopfen, Hitzewallungen, Mundtrockenheit oder sogar Todesangst ein Herzinfarkt oder Ähnliches steckt und wenden sich an einen Arzt. Mitunter wird die eigentliche Ursache nicht erkannt oder Betroffene suchen aus falscher Scham keine professionelle Hilfe.

Dabei kann jeder Mensch unter einer Panikattacke leiden – wenn sich die Anfälle häufen, ist von einer Panikstörung die Rede. Betroffene sollten sich nicht in Eigenregie therapieren, sondern einen Psychotherapeuten oder entsprechenden Facharzt aufsuchen. Während einer Therapie sind Entspannung, ausgewogene Ernährung, regelmäßiger Schlaf und Sport eine sinnvolle Unterstützung.


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