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Mysterium Schlafparalyse: Was steckt dahinter?

Von Wenke Gürtler
Aktualisiert am 15. Nov. 2021
© Pexels/ Kristin Vogt
© Pexels/ Kristin Vogt

Wie im Horrorfilm: Einige Menschen wachen nachts auf, können sich kein Stück bewegen und werden von schauerlichen Spukerscheinungen heimgesucht. Schuld daran ist keine übersinnliche Kraft, sondern eine Schlafparalyse. Erfahren Sie mehr darüber und was dagegen hilft.

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Inhaltsverzeichnis

  1. Was ist eine Schlafparalyse?
  2. Warum bekommt man eine Schlafparalyse?
  3. Ist eine Schlafparalyse gefährlich?
  4. Wie verhindert man Schlafparalysen?
  5. Wissen zum Mitnehmen

Die tägliche Nachtruhe ist lebenswichtig: Im Schlaf wird Erlebtes verarbeitet und Gelerntes in das Langzeitgedächtnis überführt. Unser Körper regeneriert sich und Krankheiten können besser abgewehrt werden. Dennoch graut es manchen Menschen vor dem Land der Träume. Insbesondere, wenn sie regelmäßig von der Schlafparalyse betroffen sind und stark darunter leiden.

Was ist eine Schlafparalyse?

Die Schlafparalyse zählt medizinisch gesehen zu den Schlafstörungen und wird auch als Schlaflähmung oder Schlafstarre bezeichnet. Dabei wachen Betroffene nachts auf, können aber keinen Finger rühren – der ganze Körper ist wie gelähmt, selbst das Sprechen ist nicht möglich. Nur Atmung und Augen lassen sich noch bewusst steuern.

Zeitgleich werden 25–75 Prozent der Betroffenen von Halluzinationen geplagt. So sehen einige eine Person an ihrem Bett stehen, einen dunklen Schatten durchs Zimmer huschen oder jemanden auf allen vieren über dem Boden kriechen. Mitunter hören sie Geräusche, die objektiv nicht vorhanden sind, verspüren Kälte auf der Haut oder beklemmendes Druckgefühl, als säße jemand auf der Brust. Und alles fühlt sich völlig real an. 

Manche erleben sogar ganze Szenarien, zum Beispiel als würden sie bei lebendigem Leib aufgeschnitten und operiert werden. Das flößt den Personen natürlich Angst ein. Auch wenn es nur ein kleiner Trost ist: Der Körper nimmt während einer Schlaflähmung keinen Schaden. Und nach mehreren Sekunden bis wenigen Minuten löst sie sich vollständig von selbst. 

Merke!
Eine Schlafparalyse ist eine Schlafstörung, in denen Betroffene bei Bewusstsein sind, sich aber nicht bewegen können. Der Körper ist wie gelähmt. In vielen Fällen kommen Halluzinationen hinzu.

Warum bekommt man eine Schlafparalyse?

Schlafparalysen sind keine Einzelfälle, denn geschätzte acht Prozent der Bevölkerung haben sie schon einmal erlebt. Auch existieren seit der Antike Berichte darüber und sie sind in der Mythologie weit verbreitet. So machten schon die alten Germanen die Alben für ihre schlechten Träume verantwortlich: Diese tückischen, koboldhaften Naturgeister drangen durch das Schlüsselloch ins Schlafzimmer, hockten sich auf die Brust der schlafenden Person und machten ihr das Atmen schwer. Im Mittelalter glaubten dann die Menschen, das sie von Dämonen heimgesucht wurden.

In der Realität stecken aber keine Alben hinter einer Schlafparalyse, sondern sie lässt sich mit den verschiedenen Abschnitten der Nachtruhe erklären: Erst ist der Schlummer leicht, dann wird er immer tiefer, bis wir in der REM-Phase ankommen, von der wir nachts mehrere durchlaufen. REM steht für „Rapid Eye Movement“ und heißt so, weil sich die Augen unter den geschlossenen Lidern schnell hin- und herbewegen. Das Gehirn läuft ebenfalls auf Hochtouren. Wir träumen. Daher wird dieser Abschnitt auch als Traumphase bezeichnet.

Damit wir unsere Träume nicht ausleben, also zum Beispiel wegrennen, da wir verfolgt werden oder aus dem Fenster springen, weil fliegen können, sind unsere Muskeln völlig entspannt. Doch wer zu diesem Zeitpunkt wach wird, nimmt die Muskellähmung bei vollem Bewusstsein fälschlicherweise wahr. Diese Dissoziation empfinden dann viele als unangenehm, insbesondere wenn sie mit Albträumen einhergeht. Was die Menschen dabei fühlen, hören oder sehen, hängt dann stark von ihrem persönlichen Umfeld, Glauben und ihren Erfahrungen ab.  

Warum einige Personen Schlafparalysen erleben und andere nicht, weiß die Wissenschaft noch nicht genau. Jedoch liegt eine genetische Komponente nahe, denn in einigen Familien kommen sie häufiger vor. Personen, die bereits mit einer anderen Schlafstörung zu kämpfen haben oder an einer Depression oder Angststörung leiden, sind ebenfalls öfter betroffen. Außerdem gibt es einige Faktoren, die eine Schlaflähmung triggern können, darunter Alkohol-, Drogen- und Medikamentenmissbrauch, übermäßiger Stress und auf dem Rücken liegen.

Merke!
Früher thematisieren Menschen die Schlafparalyse als nächtliche Heimsuchung durch böse Geister oder Dämonen. Wissenschaftlich betrachtet kommen Betroffene in der REM-Phase zu Bewusstsein und nehmen die schützende Muskellähmung fälschlicherweise wahr.

Ist eine Schlafparalyse gefährlich?

Für Betroffene ist es mitunter sehr verstörend, wenn sie solch einen nächtlichen Horror erleben, gefährlich ist er aber nicht. Auch die Furcht, dass sie dabei womöglich aufhören zu atmen oder ihr Herz nicht mehr weiter schlägt, ist unbegründet. Denn von der Lähmung ist nur die sogenannte Skelettmuskulatur betroffen, also jene, die wir willentlich anspannen können. Außerdem löst sich der Zustand immer von selbst und hat keine Folgen. Aus diesen Gründen ist eine Behandlung normalerweise nicht notwendig. 

Vielen Menschen hilft es schon zu wissen, dass sie keine Angst haben müssen, denn die Bedrohung ist nicht echt. Ist man in der Schlafparalyse gefangen, gilt es vor allem, sich darüber bewusst zu werden, ruhig zu atmen und sich selbst zu sagen: Es geht gleich vorbei. Um den Zustand schneller zu lösen, kann es helfen, sich darauf zu konzentrieren, einen Finger oder Zeh zu bewegen.

Tauchen diese Zustände allerdings sehr häufig auf oder verursachen einen großen Leidensdruck, empfiehlt sich der Gang zur Ärztin oder zum Arzt. Denn mitunter ist die Schlafparalyse eine Begleiterscheinung der Narkolepsie. Im Volksmund wird diese als Schlummersucht bezeichnet und bedarf einer Behandlung. Auch können die gruseligen Erlebnisse zu einer Angststörung führen, die wiederum den Schlaf beeinträchtigt. Um den Teufelskreis zu durchbrechen, kann eine Psychotherapie helfen. 

Merke!
Treten Schlafparalysen sehr oft auf oder verursachen einen großen Leidensdruck, holt man am besten ärztlichen Rat ein. Ansonsten ist eine Therapie nicht nötig, viel wichtiger ist die Aufklärung.

Wie verhindert man Schlafparalysen?

Betroffene können einiges unternehmen, um Schlaflähmungen vorzubeugen oder ihre Anzahl zu verringern:

  • Achten Sie auf ausreichend Nachtruhe. Davon benötigen Erwachsene im Durchschnitt sieben bis acht Stunden. Um den natürlichen Schlaf-Wach-Rhythmus zu fördern, gehen Sie wenn möglich immer zur selben Zeit ins Bett, auch am Wochenende. 
  • Offenbar begünstigt die Rückenlage das Phänomen. Legen Sie sich deshalb lieber auf die Seite oder auf den Bauch.
  • Um Stress zu reduzieren und abends besser abzuschalten, kann Hypnose, Yoga oder Meditation helfen. Ein guter Einstieg in die Meditation ist der sogenannte Body Scan. Ebenso sorgen leise Musik, ein heißes Bad oder eine Tasse beruhigender Tee für Entschleunigung.
  • Zudem baut körperliche Bewegung Stress ab und macht den Kopf frei. Achten Sie jedoch darauf, dass die Sporteinheit weder zu kräftezehrend ist, noch direkt vor dem Zubettgehen stattfindet. Das würde Sie nur aufputschen.
  • Späte, vor allem üppige und fettreiche Mahlzeiten sind keine gute Idee: Der Körper ist mit Verdauen beschäftigt und kommt dann schlecht in den Ruhemodus. Auch Alkohol sollten Sie nicht zur Entspannung einsetzen. Greifen sie stattdessen zu schlaffördernden Lebensmitteln.

Merke!
Einige Maßnahmen können einer Schlafparalyse vorbeugen, indem Betroffene auf ihre Schlafhygiene achten, die Liegeposition verändern, Stress abbauen, auf Alkohol und schwere Kost vor dem Zubettgehen verzichten.

Wissen zum Mitnehmen

Die Schlafparalyse ist eine REM-Schlafstörung. Dabei wachen Betroffene nachts auf, können sich nicht bewegen und nicht sprechen. Schätzungsweise haben acht Prozent der Bevölkerung diesen Zustand erlebt, davon traten bei 25–75 Prozent sogar Halluzinationen auf. Dann sehen, hören oder spüren sie Dinge, die in der Realität gar nicht dar sind. All das kann sehr beängstigend sein, ist aber weder gefährlich noch hat es etwas mit übersinnlichen Dingen zu tun. 

Das Phänomen lässt sich mit den verschiedenen Phasen erklären: Nach dem Einschlummern durchlaufen wird zyklisch die Leichtschlafphase, Tiefschlafphase und REM-Phase (Traumphase). Damit wir unsere Träume nicht ausleben, setzt ein Schutzmechanismus ein und die Muskulatur ist völlig erschlafft. Kommen wir zu diesem Zeitpunkt zu Bewusstsein, nehmen wir die Muskellähmung fälschlicherweise wahr. Unklar ist, was diese Dissoziation verursacht, jedoch liegt eine genetische Komponente nahe. 

Außerdem gibt es einige begünstigende Faktoren, darunter bestehende Erkrankungen, Alkohol-, Drogen- und Medikamentenmissbrauch, übermäßiger Stress und Schlummern in Rückenlage. Betroffene können zunächst selbst aktiv werden, indem sie auf ihre Schlafhygiene achten, die Liegeposition verändern, Stress abbauen, auf Alkohol und schwere Kost vor dem Zubettgehen verzichten. Häufen sich die Schlafparalysen oder verursachen einen großen Leidensdruck, empfiehlt sich der Gang zur Ärztin oder zum Arzt.


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