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Selfies: Auswirkungen auf die Gesundheit

Von Maja Seimer
Aktualisiert am 13. Feb. 2020
© Unsplash/ Amy Humphries
© Unsplash/ Amy Humphries

Selfies zu schießen, ist nicht mehr nur ein Trend, sondern gehört für viele zum Alltag. Experten sehen das ständige Knipsen der Selbstporträts kritisch. Wir verraten Ihnen, welche Auswirkungen Selfies auf die Gesundheit haben und wie Sie einen gesunden Umgang üben.

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Inhaltsverzeichnis

  1. Was ist ein Selfie?
  2. Was ist Selfitis?
  3. Welche Auswirkungen haben Selfies auf die Gesundheit?
  4. Tipps für einen gesunden Umgang mit Selfies
  5. Wissen zum Mitnehmen

Was ist ein Selfie?

Ein Selfie ist ein Selbstporträt, das in der Regel mit dem Handy auf Armeslänge aus der eigenen Hand aufgenommen wird. Entstanden ist das Phänomen mit dem Erscheinen von Smartphones mit integrierter Kamera. Was zunächst als witziges Trendwort mit einem Schmunzeln verwendet wurde, ist heute ein alltäglicher Begriff. Grundsätzlich wird zwischen dem klassischen Selfie, auf dem nur der Fotograf selbst zu sehen ist, und dem "Gruppen-Selfie" unterschieden. Hier knipst eine Person sich selbst inmitten einer Gruppe.

Anerkannter Begriff

Das Selfie bekam sogar offizielle Anerkennung. Das Time Magazine wählte es zu einem der wichtigsten Wörter des Jahres 2012. Ein Jahr später wurde "Selfie" vom Oxford English Dictionary zum Wort des Jahres 2013 erklärt.

Soziale Netzwerke sind voll von Selfies

Auf Facebook, Twitter, Instagram: vor allem auf Social Media sind Selfies überall zu finden. Auch Promis nutzen sie gern zur Selbstdarstellung und für kostengünstige Social-Media-Werbung. Die meisten machen Selfies mit dem Ziel, sie zu posten, an Freunde zu verschicken oder auf anderem Wege zu teilen. Selten sind die Aufnahmen nur für einen selbst gedacht.

Merke!
Ein Selfie ist ein Selbstporträt, das in der Regel mit dem Handy aus Armeslänge mit der eigenen Hand aufgenommen wird.

Was ist Selfitis?

Neigt jemand zu massenhaftem Knipsen von Selbstporträts mit dem Smartphone, wird von Selfitis gesprochen.

Ein Massenphänomen

Selfitis sei eine psychische Erkrankung, bei der Betroffene süchtig danach sind, Selfies zu machen. Wer unter akuter Selfitis leide, mache mindestens drei Selfies am Tag und postet jedes davon auf Social-Media-Kanälen. In dieser Art beschrieb eine Zeitungsente im Jahr 2014 die Selfitis. Sie behauptete, die American Psychatric Association habe die Selfitis als psychische Erkrankung offiziell anerkannt.

Ernstzunehmendes Problem

Was als Scherz begonnen hat, ist ein ernstzunehmendes Problem geworden. Viele Forscher sind sich mittlerweile einig, dass das ständige Knipsen von Selbstporträts und vor allem die Bearbeitung der Bilder Auswirkungen auf die Gesundheit haben. Die ausgedachte Selfitis hat Forscher dazu angeregt, sich näher mit dem Phänomen zu beschäftigen.

Merke!
Selfitis ist ein ausgedachter Begriff, der eine psychische Erkrankung beschreibt, bei der Betroffene ständig Bilder von sich selbst mit dem Smartphone machen.

Welche Auswirkungen haben Selfies auf die Gesundheit?

Forscher der Nottingham Trent Universität und der Thiagarajar School of Management in Chennai (Indien) veröffentlichten im Jahr 2018 eine Untersuchung, die Aussagen über die Selfie-Gewohnheiten von jungen Menschen machte. Ihr Ergebnis: Selfitis existiert tatsächlich.

Drei Abstufungen der Selfitis 

Für ihre Untersuchungen gehen die Wissenschaftler von drei Abstufungen der Selfitis aus:

  1. Borderline Selfitis: Mindestens drei Selfies am Tag machen, sie aber nicht posten.
  2. Akute Selfitis: Mindestens drei Selfies am Tag machen und jedes davon posten.
  3. Chronische Selfitis: Unkontrollierbarer Zwang, rund um die Uhr Selfies zu machen und täglich mehr als sechs Mal welche davon posten.

6 Gründe, Selfies zu machen:

Die Forscher untersuchten in ihrer Studie die Persönlichkeitsstruktur von 400 Studenten, die übermäßig viele Selfies machten, wobei übermäßig hier als drei bis sechs Selfies pro Tag definiert wurde. Es stellte sich heraus, dass die meisten Probanden Züge hatten, die an eine Sucht erinnerten. Außerdem konnten die Forscher sechs Hauptgründe ausmachen, die Jugendliche dazu bewegt, Selbstporträts von sich zu knipsen:

  • zur Aufwertung der eigenen Umwelt
  • als Wettstreit um Likes in sozialen Medien
  • um Aufmerksamkeit zu erregen
  • zur eigenen Aufheiterung oder Stimmungsveränderung
  • um das eigene Selbstbewusstsein zu stärken
  • aus Gruppenzwang heraus (alle machen Selfies)

Studie: geringes Selbstbewusstsein

Die Forscher kamen zu dem Schluss, dass Menschen, die übermäßig viele Selfies machen, ein geringes Selbstbewusstsein haben. Mit den Selfies wollen sie vor allem ihre Stellung in ihrer sozialen Gruppe verbessern. Allerdings räumen die Wissenschaftler ein, dass ihre Studie nicht wirklich repräsentativ ist. Der Altersdurchschnitt der Studienteilnehmer lag bei knapp über 20 Jahren und mit insgesamt 400 Personen, die letztendlich teilgenommen haben, war die Testgruppe recht klein (1).

Unrealistisches Selbstbild

Doch nicht nur das dauernde Knipsen der Selbstporträts an sich kann zu viel sein. Häufig nimmt vor allem das Retuschieren ungesunde Ausmaße an. Sie bearbeiten ihre Selfies solange, bis alle vermeintlichen Makel verschwunden sind und sie ein perfektes Aussehen haben. Forscher der Boston University School of Medicine fanden heraus: Das extreme Bearbeiten der Bilder kann dazu führen, dass bei Selfie-Fans unrealistische Erwartungen an das eigene Erscheinungsbild entstehen (2)

Merke!
Der Drang, perfekte Bilder von sich zu posten, hängt oft mit dem eigenen Selbstbewusstsein zusammen. Die inszenierten Bilder können wiederum das Selbstbild beeinflussen. Es ist sinnvoll, sein Selfie-Verhalten zu hinterfragen.

Tipps für einen gesunden Umgang mit Selfies

Keine Sorge, Sie müssen nun nicht komplett auf Selfies verzichten. Mit folgenden Tipps lernen Sie einen gesunden Umgang mit den Selbstporträts:

  • Selfie-Serien vermeiden: Wenn wir ein Bild an Freunde schicken oder posten wollen, geben wir uns meistens nicht mit einem Selfie zufrieden. Viele haben ganze Serien auf ihren Smartphones. Der Anspruch an das eigene Aussehen wächst mit den zahlreichen Fotos immer mehr und es fällt schwer, zufrieden zu sein. Nehmen Sie es sich daher zum Ziel, höchstens drei Bilder zu machen und das beste davon auszuwählen.
  • Perfekt unperfekt: Echte Selfie-Fans sind nicht nur Profis im Fotografieren, sondern auch im Retuschieren. Die Programme der Smartphones werden immer umfangreicher und mit Filtern, Apps und Photoshop gelingt es mittlerweile jedem, sich perfekte Haut, volle Lippen und die gewünschte Augenfarbe zu zaubern. Wer sein Aussehen auf diese Weise verändert, dem fällt es mit der Zeit immer schwerer, sich so zu akzeptieren, wie man ist. Versuchen Sie, anstatt die Bilder zu bearbeiten, auf Ihren Selfies etwas zu finden, dass Ihnen positiv auffällt. Haben Sie ein tolles Lächeln, strahlende Augen oder sympathische Grübchen?
  • Achtsamkeit üben: Für Menschen, die mindestens ein Selfie am Tag machen, ist es sinnvoll, ihr Selfie-Verhalten zu hinterfragen. Wenn Sie das Bedürfnis haben, ein Foto von sich zu machen, um dieses zu posten oder an Freunde zu schicken, nehmen Sie sich vorher einen Moment Zeit. Versuchen Sie, in sich hinein zu spüren und herauszufinden, warum Sie gerade jetzt das Bedürfnis nach einem Selfie haben. Wenn das Bedürfnis aus dem Wunsch ein besonderes Erlebnis zu teilen entsteht, nur zu. Wenn Sie aber merken, dass Sie sich von dem Selfie Anerkennung erhoffen oder Ihre Laune verbessern wollen, nutzen Sie lieber andere Möglichkeiten. Sprechen Sie zum Beispiel mit einem Freund oder tun sich selbst etwas Gutes wie ein heißes Bad, ein gemütlicher Abend auf dem Sofa oder ein leckeres Essen.
  • Momente genießen: Während die Generation unserer Großeltern in schönen Momenten innegehalten hat, um sie zu genießen, zücken wir unsere Smartphones. Mittlerweile ist es für viele zum Automatismus geworden, ihre Umwelt ständig auf ihr Selfie-Potenzial zu checken. Versuchen Sie, sich bei dem Griff zum Smartphone zu ertappen und üben sich darin, schöne Momente und Bilder in Ihrem Gedächtnis zu speichern.

Merke!
Hin und wieder sind Selfies durchaus eine schöne Erinnerung. Allerdings gibt es viele Momente, in denen sie eher störend sind. Genießen Sie lieber bewusst das hier und jetzt, ganz ohne Filter.

Wissen zum Mitnehmen

Selfies gehören für viele zum Alltag. Besonders junge Menschen knipsen, retuschieren und teilen auf Instagram, Facebook und anderen Kanälen, was das Zeug hält. 

Eine Zeitung erfand 2014 den Begriff Selfitis – eine psychische Erkrankung, bei der Betroffene süchtig danach sind, Selfies von sich zu machen. Doch so weit hergeholt ist das nicht. Forscher nahmen dies zum Anlass, dass Selfie-Verhalten junger Menschen zu untersuchen.

Sie fanden heraus, dass viele mit dem Schießen von Selbstporträts ein mangelndes Selbstbewusstsein zu kompensieren versuchen. Jedoch geht das nach hinten los: Vor allem die Bearbeitung der Bilder kann dazu führen, dass das natürliche Aussehen weniger wertgeschätzt wird und unrealistische Erwartungen an das eigene Selbstbild entstehen.

Das heißt jedoch nicht, dass Sie auf Selfies komplett verzichten müssen. Ein Anfang sich in einem gesunden Umgang zu üben, kann sein, beim Knipsen und Posten ein bisschen weniger Perfektionismus an den Tag zu legen.


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