Gegen Massentierhaltung hilft... Geld?

Von Lina Nagel
Aktualisiert am 27. Dez. 2018
Fairr-Investoren: Titel der Broschüre

Ein internationales Investoren-Konsortium will die Nahrungsmittelversorgung der Zukunft sichern. Um dieses Ziel zu erreichen, will "FAIRR" multinationale Konzerne wie Nestlé ermutigen, in die Erforschung von Alternativen zu tierischen Proteinen zu investieren. Hinter der Idee steckt ein pfiffiger Vegetarier.

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Im Jahr 2050 wird die Weltbevölkerung Hochrechnungen zufolge die Marke von zehn Milliarden geknackt haben. All diese Menschen möchten essen und satt werden. Mit konventioneller Ernährung und Landwirtschaft, wie sie aktuell betrieben wird, reicht die Nahrung nicht für alle, warnen Wissenschaftler - auch, weil der weltweite Appetit auf Fleisch und tierische Produkte wächst und wächst.

Wo immer mehr Fleisch, Eier und so fort immer günstiger produziert werden, leiden Umwelt und Klima: Grundwasser mit hoher Nitratbelastung, Bodenerosion durch intensiven Futtermittelanbau, Wasserknappheit, Gefahr durch multiresistente Keime, schnellere Erderwärmung durch erhöhten CO2-Ausstoß. Von dem Leid der Tiere, die industriell aufgezogen und geschlachtet werden, ganz zu schweigen. Und auch die Menschen, die in den Tierfabriken arbeiten, tun dies zum Teil unter unsäglichen Bedingungen. 

Wer nicht ganz blind durch die Welt geht, ist sich bewusst, welchen Effekt unser Appetit auf Grillwurst, Steak, Schnitzel, Rührei und Milchkaffee auf die Welt haben. Und doch ist der Anteil von Vegetariern und Veganern an der Weltbevölkerung verschwindend gering. Was also tun?

FAIRR will Großkonzerne zum Umdenken bewegen

Einen ungewohnten Weg beschreitet der US-Amerikaner Jeremy Coller. Der Gründer der weltweit agierenden Finanzgruppe "Coller Capital" ernährt sich seit seiner Jugend vegetarisch. Doch das reichte dem milliardenschweren Finanz-Experten nicht: Er gründete 2016 die FAIRR (Farm Animal Investment Risk and Return) Initiative.

Ziel der Inititiative ist es, die Protagonisten des weltweiten Kapitalmarktes über die Risiken und Grenzen der industriellen Tierhaltung aufzuklären. Doch damit nicht genug: FAIRR zeigt Investoren die Wachstumschancen, die in der Produktion von Alternativen von tierischen Proteinen im Allgemeinen und Fleisch im Speziellen stecken.

Zurzeit haben sich für die FAIRR-Inititiative bereits 71 Investoren zusammengeschlossen, die zusammen das unvorstellbare Vermögen von 1,25 Trillionen Dollar verwalten. Im September vergangenen Jahres machte FAIRR bereits von sich reden, als 16 global agierende Lebensmittelkonzerne angeschrieben und diese aufgefordert, endlich auf die Risiken der industriellen Fleischproduktionen zu reagieren und verstärkt auf die Erschließung pflanzlicher Proteinquellen zu setzen. Unter den Firmen waren unter anderem Kraft Heinz, Nestle, Unilever, Tesco und Walmart. Firmen wie McDonald`s und Domino´s Pizza wurden aufgefordert, den exzessiven Einsatz von Antibiotika bei ihren Zulieferern vor allem für Geflügelhaltung zu unterbinden.

Wenn vor einer Konzernzentrale 200 Menschen mit Transparenten stehen und ähnliche Forderungen stellen, so ist dies Konzernlenkern häufig nur ein Achselzucken wert. Wenn jedoch Investoren ihr Geld nur noch dann geben, wenn gewisse Bedingungen hinsichtlich der Nahrungsmittelproduktion erfüllt werden, dann ist der Effekt gleich ein ganz anderer. Gelingt es, die Geldströme so zu lenken, dass Firmen unterstützt werden, die nachhaltig handeln und produzieren, und andererseits bei anderen die Finanzquellen versiegen, dann ist dem Vegetarier Jeremy Coller ein großer Schritt gelungen. Ein spannender Ansatz ist die Initiative in jedem Fall.

Wie es gelingen kann, Menschen mit einem finanziellen Anreiz von verantwortungsvollem Handeln zu überzeugen, zeigt Shaun Frankson mit seiner Intitiative "plastic bank"  – in kleinerem Stil, aber nicht weniger beeindruckend. Seine Idee: Wo Menschen Geld bekommen, wenn sie Plastikmüll abgeben, liegt auch kein Plastik mehr herum, das die Meere verschmutzen kann. Auf den Philippinen ist dieses so einfache wie geniale Prinzip bereits erfolgreich angelaufen.

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Das Prinzip von Plastic Bank im Video erklärt:

 

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