Die andere Ess-Klasse

So ernähren sich Frutarier

Von EAT SMARTER
Aktualisiert am 01. Sep. 2022
Das gehört zum Speiseplan der Frutarier
Das gehört zum Speiseplan der Frutarier

In den ersten beiden Teilen der Serie "Die andere Ess-Klasse" stellte EAT SMARTER Vegetarier und Veganer vor. Im dritten Teil erzählt Bert Rutkowsky von seinem Leben als Frutarier. Im Vergleich zu Vegetariern und Veganern geht er noch einen Schritt weiter: Für sein Essen dürfen nicht nur keine Tiere sterben, es dürfen auch keine Pflanzen zerstört werden.

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Was essen Frutarier?

Frutarier wie der Berliner Bert Rutkowsky (41/Foto) ernähren sich wohl nach den strengsten Regeln, für ihr Essen dürfen nicht einmal Pflanzen vernichtet werden. Bei Bert Rutkowsky kommen daher nur Lebensmittel auf den Tisch, die von der Pflanze gepflückt werden können. Dazu gehören Nüsse, Obst, zum Beispiel Äpfel oder Beeren, Gemüsefrüchte wie Tomaten und Kürbisse oder Hülsenfrüchte wie Erbsen oder Bohnen. Aber Kartoffeln, Rüben, Zwiebeln oder Kohl dürfen nicht gegessen werden. Denn bei diesen Lebensmitteln handelt es sich um Wurzel-, Knollen-, Blatt- oder Stängelteile. Die Pflanzen würden bei der Ernte zerstört werden.

Gibt es bei der Ernährung Ausnahmen?

Eigentlich sind Getreideprodukte für Frutarier erlaubt. Einige Anhänger verzichten aber trotzdem auf Getreide, weil es in Monokulturen angebaut wird. Bert Rutkowsky dagegen sieht das nicht ganz so streng: „Getreidepflanzen beenden ihr Leben nach dem Ausreifen der Samen von selbst.“ Sind die Getreidekörner noch nicht angekeimt, ist auch kein neues Leben entstanden.

Warum legen sie sich diese Regeln auf?

Während viele Menschen die Gründe für eine vegetarische oder vegane Ernährung noch nachvollziehen können, wird es bei den Frutariern schwieriger: Warum legen sich Menschen diese asketischen Ernährungsregeln auf? Für Bert Rutkowsky sind es ethische Gründe. Er möchte nicht, dass für seine Ernährung irgendein Lebewesen getötet wird. Diese Einstellung entwickelte er nach eigenen Angaben schon im Alter von zehn Jahren. Damals bekam er mit, dass auf dem Hof seines Großvaters alle Hühner getötet werden sollten. Der Großvater zog in die Stadt. Bert Rutkowsky beschloss darauf, mehr auf Tiere zu achten. Erst aß er nur weniger Fleisch, später wurde er dann Veganer und 2000 schließlich zum Frutarier. Er sieht darin einen logischen Schritt: „Für mich haben Pflanzen die gleiche Daseinsberechtigung wie Menschen oder Tiere. Und deswegen will ich sie nicht für mich sterben lassen.“

Warum leben Frutarier so?

Bert Rutkowsky möchte so im Einklang mit der Natur leben. Er weitet seine Regeln daher auch auf andere Lebensbereiche aus: Auch für Möbel sollte nach Möglichkeit kein Holz vernichtet werden. Stammt es aber von einem umgestürzten Baum, würde er eine Ausnahme machen.


Was halten Ernährungs-Experten von Frutariern?

Rutkowsky sagt, er habe erst vor kurzer Zeit einen Vitamintest machen lassen. Alles sei in Ordnung gewesen. Dennoch warnen Mediziner vor der frutarischen Selbstbeschränkung. 
„Je dogmatischer die Ernährungsweise wird, desto höher ist die Gefahr der Unterversorgung“, sagt Ernährungsexperte Prof. Claus Leitzmann. Im Vergleich zu Vegetariern oder Veganern sei vor allem bei Frutariern die Lebensmittelauswahl erheblich eingeschränkt.

Wie viele Frutarier gibt es?

Nach Angaben von Leitzmann lässt sich nicht genau sagen, wie viele Frutarier es derzeit gibt. Der bekannteste war sicherlich Steve Jobs, wenn es denn stimmt. Der Mitbegründer des Apple-Konzerns soll sich in den 70er-Jahren eine Zeit lang ausschließlich von Früchten ernährt haben. So kam angeblich auch seine spätere Firma zu dem legendären Logo mit dem angebissenen Apfel.

(wil)

 
Lobenswerter Ansatz, jedoch: Wir sind auf die Erde gekommen, um schuldig zu werden. Es gibt kein Entrinnen. Auch in Korn, Nüssen oder Früchten steckt Leben. Wir brauchen Nahrung die lebt bzw. gelebt hat und bringen so immer neues Leid in die Welt: eine erschreckende Erkenntnis für einen mitfühlenden Menschen. Wenn wir gehen oder fahren zertreten oder überfahren wir kleine Insekten oder Tiere, auch wenn wir es gar nicht wollen. Aus diesem Spiel kommen wir erst mit unserem körperlichen Tod heraus, leider.
 
Alles Klar
 
Hin und her, wer es gern probieren will der tuts, wer nicht, der lässts! Der Gedanke dahinter ist wie ich finde ehrenswert. Viel Erfolg allen, die sich in diesem Lebensbereich umstellen n.N.
 
Alles in der Natur hat seinen Sinn, auch die Nahrungskette. Das ist doch alles nur Augenwischerei: "Die Pflanzen geben ihre Früchte gerne her damit man ihre Samen verteilt." Bei einer Tomate funktioniert das eventuell noch, aber beim Getreide? Die Aussage, dass ein Getreidekorn, solange es noch nicht gekeimt hat kein Leben ist, hat mit der Realität nichts zu tun. Das Getreidekorn ist die einzige Möglichkeit der Getreidepflanze unsern Winter zu überleben, es ist sozusagen das ungeborene "Kind" der Pflanze; Leben, welches durch die Vereinigung einer männlichen und weiblichen Keimzelle entstanden ist. Wie soll die Pflanze weiter leben, wenn ihre "Kinder" erst mal zu Mehl vermahlen wurden? Frutarier könnten dann eigentlich nur das Stroh und die Wurzel der abgestorbenen Getreidepflanze essen. Da auch Frutarier (noch ;-)) keinen Wiederkäuermagen haben, wird das nicht viel bringen. Ich empfehle ausgewogene Ernährung, wie sie sich im Laufe unserer Entwicklungsgeschichte als sinnvoll erwiesen hat.
 
Ist ja auch egal, woraus Wurst oder Salat oder Zecken oder Schnecken oder Beute gemacht sind! Weiter so!
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