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Analyse

Warum Sie Ernährungsempfehlungen kritisch hinterfragen sollten

Ernährungsempfehlungen gibt es viele. Doch längst nicht alle sind auch wirklich aussagekräftig. US-Forscher warnen jetzt davor, die Aussagen sogenannter Beobachtungsstudien unreflektiert zu übernehmen und nicht zu hinterfragen.

Ernährungsempfehlungen gibt es viele. © Anna Omelchenko - Fotolia.com Ernährungsempfehlungen gibt es viele. © Anna Omelchenko - Fotolia.com

Untersuchungen, die bestimmte Ernährungsempfehlungen beinhalten, gibt es viele. Im Rahmen einer aktuellen Übersichtsarbeit rücken US-Forscher nun die Schwächen sogenannter Beobachtungsstudien in den Fokus. Die Autoren mahnen diesbezüglich zu „größerer Vorsicht bei Ernährungsempfehlungen“, denn Beobachtungsstudien seien „nicht geeignet, präventive oder therapeutische Empfehlungen abzuleiten“. Letzteres jedoch ist häufig der Fall.

Warum Beobachtungsstudien wenig Aussagekraft besitzen

Doch warum geraten die meisten Beobachtungsstudien nun in die Kritik? Fakt ist: Es gibt gleich mehrere Gründe, den Wert der Untersuchungen zu hinterfragen. So können Beobachtungsstudien ausschließlich Korrelationen, also Zusammenhänge, niemals jedoch Kausalitäten, also das Prinzip von Ursache und Wirkung, liefern. Mithilfe der Studien kann festgestellt werden, ob zwei Konstellationen besonders häufig zusammen auftreten. Daraus lässt sich allerdings nicht zwangsläufig ein ursächlicher Zusammenhang ableiten. Ergibt eine Beobachtungsstudie, dass Frauen, die abends nichts essen, häufiger einen Schlaganfall erleiden, bedeutet dies nicht, dass ein Abendbrot vor Schlaganfällen schützt. Doch genau solch eine Umdeutung wird häufig vorgenommen. Ein Problem, wie die US-Forscher im Rahmen ihrer Übersichtsarbeit nachdrücklich betonen.

Darüber hinaus können die Daten von Beobachtungsstudien auch durch ein beeinträchtigtes Erinnerungsvermögen getrübt sein, denn dass Ernährungsverhalten wird von den Studienteilnehmern normalerweise nur erfragt, nicht aber überprüft oder gar kontrolliert. Einige Studien werden zudem von Konzernen und großen Unternehmen finanziell unterstützt. Auch ihre Aussagekraft ist durchaus zu hinterfragen.

Der Verzehr von Obst und Gemüse schützt nicht vor Krebs

Prof. Rudolf Kaaks vom Deutschen Krebsforschungszentrum DKFR bekräftigte in verschiedenen Medien jüngst die Bedenken seiner US-Kollegen im Hinblick auf die Aussagekraft von Beobachtungsstudien. Es sei noch nicht einmal ein statistischer Zusammenhang zwischen dem Verzehr von Obst und Gemüse und Krebserkrankungen zu finden. „Keinerlei Beziehung, nullkommanull“, so Kaaks.

Riesige Langzeitstudien könnten eine Lösung sein, sind aber sehr teuer

Wie also kann man hilfreiche Ernährungsregeln generieren? Die Antwort lautet: mithilfe umfassender Langzeitstudien, sogenannter RTC – randomisierter klinischer Studien. Diese sind sehr kostenintensiv und zeitaufwendig. Experten bezweifeln zudem, ob etwaige Erkenntnisse, die diese Studien liefern könnten, tatsächlich Auswirkungen auf das Ernährungsverhalten in der Gesellschaft hätten. Neben einer hinreichenden Ernährungsforschung sei nämlich auch eine ausführliche Ernährungsberatung entscheidend. Bis dahin allerdings sollten Ernährungsempfehlungen und entsprechende Regeln laut US-Forschern und vielen renommierten Experten stets mit Vorsicht genossen und kritisch hinterfragt werden.

Quelle: Limitations of Observational Evidence: Implications for Evidence-Based Dietary Recommendations; American Society for Nutrition. Adv. Nutr. 5: 7-15, 2014.

(jad)

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