Earth Overshoot Day 2020

Von Selina Janzen
Aktualisiert am 24. Aug. 2020
Earth Overshoot Day 2020

Am 22. August 2020 war es so soweit: die Menschheit hat die ökologischen Ressourcen der Erde für ein Jahr bereits verbraucht. Damit kam der Earth Overshoot Day etwas später als letztes Jahr. Doch was bedeutet das für uns und die Weltkugel?

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Inhaltsverzeichnis

  1. Was ist der "Earth Overshoot Day"?
  2. Gibt es einen "Overshoot Day" für einzelne Länder?
  3. Warum verbrauchen wir so viel?
  4. Eigenen Fußabdruck berechnen
  5. Was können wir also tun?

Was ist der "Earth Overshoot Day"?

Der Earth Overshoot Day, Welterschöpfungstag, ist der Tag, an dem die Menschheit mehr ökologische Ressourcen binnen eines Jahres verbraucht hat, als die Erde in einem Jahr neu bilden konnte. Demnach haben wir schon im August Ressourcen verbraucht, die erst in der zweiten Jahreshälfte von der Erde gebildet worden wären. Wir leben demzufolge über unseren Verhältnissen.

Im vergangenen Jahr waren die Ressourcen bereits am 29. Juli aufgebraucht. Dass der Earth Overshoot Day 2020 in die zweite Augusthälfte fällt, ist eine Folge der Corona-Pandemie und des wirtschaftlichen Lockdowns, denn dadurch hat sich der Ressourcenverbrauch in den meisten Ländern stark verringert. Es wurde weniger Holz verbraucht (8,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr) und weniger CO2-Emissionen wurden gemessen (14,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr).

„Die Corona-Pandemie hat uns die Verletzlichkeit unseres Zusammenlebens und Wirtschaftens gezeigt. Der im Kalender 2020 nur kurz verzögerte Welterschöpfungstag ist keine Trendwende, sondern eine Warnung: Der Verlust von natürlichen Ökosystemen und biologischer Vielfalt bringt nicht nur die Gesundheit unseres Planeten, sondern auch unsere eigene Gesundheit in Gefahr. Wir müssen aufhören, die Natur für unseren verschwenderischen Lebensstil zu zerstören. Um unsere Lebensgrundlagen besser zu schützen, brauchen wir zügig Gesetze, die Sorgfaltspflichten für Menschenrechte und Umweltschutz auch entlang von Lieferketten verbindlich regeln", so Eberhard Brandes, geschäftsführender Vorstand des WWF Deuschland (1).

Um dieses Problem greifbarer zu machen, wurde das Sinnbild des Earth Overshoot Days vom Global Footprint Network, einer internationalen Forschungsorganisation, entwickelt. Er ist in erster Linie ein Kampagnentag für Nachhaltigkeit.

Berechnet wird der Welterschöpfungstag in erster Linie durch eine Gegenüberstellung des globalen ökologischen Fußabdrucks der Menschen zu der gesamten Biokapazität der Erde. Mit der Biokapazität ist die Fähigkeit der Erde gemeint, vom Menschen verbrauchte Ressourcen zu regenerieren und Schadstoffe, wie Treibhausgase, abzubauen. Wenn das Ergebnis auf ein Jahr mit 365 Tagen bezogen wird, entsteht die vereinfachte Formel:

Biokapazität der Erde /  ökologischen Fußabdrucks * 365 Tage (2)

Gibt es einen "Overshoot Day" für einzelne Länder?

Ja. Die "Erschöpfungstage" der einzelnen Länder werden ebenfalls mit der Formel, nur auf das Land bezogen, berechnet. Einen Überblick darüber erhalten Sie hier: 

Country Overshoot Day 2020

Aus der Grafik lässt sich entnehmen, dass gerade die reicheren und weiter entwickelten Länder ein frühes Datum erreichen. So sind Katar, 11.02.2020, und Luxemburg, 16.02.2020, die ersten Länder, die ihr Limit überschritten haben und zu einem frühen Welterschöpfungstag beitragen.

Die weniger entwickelten und armen Länder Indonesien, 18.12., und Ecuador, 14.12, schneiden deutlich besser ab. Auch in Deutschland, 3.05., Österreich, 8.04., und der Schweiz, 8.05., ist der Tag früher als von der gesamten Welt gewesen.

Wobei an dieser Stelle Kritiker einwerfen, dass Parameter wie die Größe und damit nachwachsende Ressourcen eines Landes nicht mit in die Berechnung einbezogen werden. Dadurch hat Myanmar eine höhere Chance besser als Deutschland abzuschneiden, weil es fast doppelt so groß ist (3)

Warum verbrauchen wir so viel?

Dass der Earth Overshoot Day jedes Jahr ein Stückchen eher kommt liegt insbesondere an unserer Lebensweise in den Industriestaaten. Wir konsumieren viel, geben der Natur aber wenig zurück. So ist durch uns beispielsweise der CO2-Ausstoß deutlich höher als die Meere absorbieren und die Wälder in Sauerstoff umwandeln können.

Es werden mehr Bäume gerodet, als neue nachwachsen können, und wir fischen den Bestand der Meere leer. Ebenfalls sind unser hoher Fleischkonsum und die Lebensmittelverschwendung ein Problem. Um diesem Überfluss gerecht zu werden, bräuchten wir Deutschen drei Erden. 

Erden 2019

Eigenen Fußabdruck berechnen

Wenn Sie sich das nicht vorstellen können oder einfach nur interessiert sind, können Sie hier Ihren CO2-Fußabdruck ausrechnen:

Fußabdruck berechnen

Was können wir also tun?

Für die Verschiebung des Tages wirbt das Global Footprint Network mit dem Hashtag #MoveTheDate. Darunter ist es Nutzern von Instagram, Facebook und Co. möglich, kreative Vorschläge zur Reduzierung des eigenen ökologischen Fußabdrucks abzugeben. Für einen ersten Input lohnt es sich, dort nachzuschauen.

Ebenfalls schlägt die Organisation in den Bereichen Städte, Energie, Nahrung, Bevölkerung und Planet selbst Lösungen vor und hat ausgerechnet, um wie weit sich der Tag nach der Etablierung nach hinten verschieben würde. 

Um so viele Tage würde sich dieser Tag verschieben, wenn wir nachhaltiger leben:

  • ganze 12 Tage, wenn wir mehr zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs wären und nur halb so oft Auto fahren würden,
  • 5 bzw. 11 Tage, wenn wir den Fleischkonsum (1) und die Lebensmittelverschwendung halbieren (5) und
  • 8 Tage durch eine Aufforstung von 350 Millionen Hektar Wald.

Damit der Earth Overshoot Day zukünftig später im Jahr stattfindet, sind alle gefragt. Denn jede und jeder Einzelne kann einen Beitrag leisten: Energie sparen, das Auto öfter stehen lassen, saisonale Lebensmittel und langlebige Produkte mit Recyclingmaterialien kaufen und Abfälle generell vermeiden. Würden beispielsweise allein die Nahrungsmittelabfälle weltweit halbiert, würde der Earth Overshoot Day 11 Tage später stattfinden. Eine Halbierung des CO2-Ausstoßes würde das Datum um gute drei Monate (89 Tage) verschieben (5).

Jedoch nicht nur die "großen" Maßnahmen tragen zur Gesundheit der Erde bei. Berücksichtigen Sie beispielsweise beim Kauf von Fischen das MSC Siegel oder überlegen Sie beim nächsten Shoppen, ob das neue Kleidungsstück wirklich gebraucht wird. Denn es sind die kleinen Schritte, die die Erde wieder aufatmen lassen.

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