Auf den Markt gegen den Herbstblues

Bevölkerungsrückgang auf dem Land

Auf dem Land nimmt die Bevölkerung kontinuierlich ab und die damit einhergehende Kaufkraft. Ein Ende dieser Entwicklung ist leider nicht in Sicht. Der demografische Wandel führt dazu, dass die Menschen vom Land in die Stadt ziehen. Durch das Ausbleiben der Kundschaft, verringert sich auch das Angebot an Einkaufsmöglichkeiten. Damit die Konsumenten trotzdem weitesgehend zufrieden gestellt werden, muss der Handel kreative Lösungen und Konzepte bereitstellen. 

Abwärtsspirale gestoppt

Der Ort in der Lüneburger Heide schien ein aussterbendes Dorf zu sein. In den 90-er Jahren zählte Otersen nur noch rund 400 Einwohner. Die Anwohner überlegten sich ein tolles Konzept: Sie eröffneten Ihren eigenen Laden. Viele Dorfbewohner erledigen dort Ihren gesamten Wocheneinkauf.

Der Laden hat viele Funktionen: Für größere Einkäufe, für kleine Besorgungen oder auch als Nachrichtenbörse. Am wichtigsten sei der Laden jedoch als Anlaufstelle für die älteren Bewohner des Dorfes. In dem Dorfladen bekommen die älteren Leute etwas vom Dorfgeschehen mit. 

Auch wenn die Dorfläden so beschaulich aussehen, sie sind oft ein Wagnis. Es gab schon Dörfer, die ihre Läden nach ein paar Jahren wieder dichtgemacht haben, nachdem der Laden rote Zahlen schrieb. Die Preise anzuheben, würde nicht funktionieren, da die Aktionäre sich damit selbst ins Fleisch schneiden würden.

Vieles läuft im Laden ehrenamtlich, wie die etwa Buchhaltung. Trotzdem kostete Hauskauf, Umbau und Sanierung eine halbe Million Euro. Das ist eine Menge Geld für ein kleines Dorf. 

Die Investitionen zahlen sich aus

Natürlich ist eine halbe Million Euro eine Menge Geld für ein kleines Dorf. Die Investitionen scheinen sich aber gelohnt zu haben: Im vergangenen Jahr machte der Dorfladen 370.000 Euro Umsatz. Das sind 80.000 Euro mehr als fünf Jahre zuvor. 

Günther Lühning, der Vorsitzende des Dorfladens, erklärt, wie sich das Geschäft über die Jahre entwickelt hat, von gemieteten Räumen hin zur eigenen Immobilie: "Dadurch wurde aus unserem bürgerschaftlich organisierten Lebensmittelmarkt ein Lebens-Mittelpunkt für die Menschen in unserer ländlichen Region. Wir bieten unseren Kunden 2.700 verschiedene Artikel, darunter viele regionale Produkte von 15 kleinen Produzenten aus der Region im Umkreis von 40 Kilometern, viele Bio- und auch Fairtrade- Produkte, Marken-Artikel und preisgünstigere Eigenmarken unseres Hauptlieferanten."

Hierbei ist die Nachfrage gemischt, so Lühning: "Backwaren aus einer regionalen Handwerksbäckerei, regionale Produkte wie Honig vom Dorf-Imker, Heidelbeeren und Erdbeeren vom örtlichen Bioland-Hof, Aronia-Produkte sowie Fleisch- und Wurstwaren aus der Region, Tiefkühlkost und Käse-Spezialitäten aus mehreren europäischen Ländern, die wir von einem Großhändler aus unserer Landeshauptstadt beziehen. Ständig steigende Kosten zwingen uns aber dazu immer besser zu werden und den Umsatz zu steigern."

Noch mehr Läden möchten die Dorfbewohner dafür jedoch nicht eröffnen: "Ein zweiter Laden ist nicht unser Ziel. Von unseren langjährigen Erfahrungen können engagierte Bürgerinitiativen aus anderen Dörfern aber gerne profitieren. Unsere Wissenstransferstelle wurde in den letzten Jahren von Bürgergruppen, Ortsräten und Bürgermeistern aus ganz Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Nordrhein- Westfalen und Schleswig-Holstein besucht." Gewiss ist also, dass der Trend sich weiterentwickeln wird und andere Dorfgemeinden nachziehen werden.


(ans)

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