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Coronakrise: Ist Gemüse das neue Luxusgut?

Von Marieke Dammann
Aktualisiert am 28. Apr. 2020
© Unsplash/ Brad Stallcup
© Unsplash/ Brad Stallcup

Die Preise sind während der Corona-Pandemie deutlich höher als im Vorjahr – wird frisches Gemüse jetzt zum neuen Luxusgut? Die Gründe für den Preisanstieg erfahren Sie hier.

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Die Coronakrise hat nicht nur einen Einfluss auf unser Miteinander, sie wirkt sich auch auf die Lebensmittelpreise aus. Verbraucher bekommen das vor allem im Bereich Gemüse deutlich zu spüren – hier lag der Preis im April rund 27 Prozent höher im Vergleich zum Vorjahresmonat, wie Thomas Els, Marktexperte von der Agrarmarkt-Informationsgesellschaft (AMI) in Bonn, berichtet (1).

Wie kommt der Preisanstieg zustande?

Verantwortlich für den Preisanstieg sind vor allem Kohlgemüse. Brokkoli, Blumenkohl und Co. werden in dieser Jahreszeit in Spanien und Frankreich geerntet, wo derzeit ein Mangel an Erntehelfern aufgrund von Reisebeschränkungen zu verzeichnen ist. Ebenso fehlt es an Transport-Kapazitäten, weil LKW-Fahrer erkrankt sind, und es kommt zu Staus an den Ländergrenzen, wodurch es zeitweise zu verzögertem Nachschub kommt.

Doch nicht nur Kohlgemüse ist teurer geworden, sondern auch frische Lebensmittel, die sich länger lagern lassen sowie schnell verderbliche Ware. Das trifft zum Beispiel auch auf Salatgurken und Kopfsalate zu. Schätzungen zufolge ist der Preisanstieg durch die vielen Menschen im Homeoffice bedingt, die nun mehr als üblich selbst kochen und vermehrt auf eine gesunde Ernährung achten (2).

In den kommenden Wochen haben viele Obst- und Gemüsesorten auch in Deutschland Saison. Spargel, Erdbeeren, Radieschen und vieles mehr wächst dann auf heimischen Feldern. Nachschub wäre also ausreichend vorhanden, doch auch hier fehlen die Erntehelfer, was wiederum zu einem Preisanstieg führen kann.

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Milch- und Fleischbetriebe unter Druck

Aber nicht nur im Bereich Gemüse, wo der Preis deutlich gestiegen ist, werden Veränderungen deutlich. Gerade Erzeuger, die Großverbraucher mit Fleisch- und Milchprodukten beliefern, bekommen die Schließung von Cafés und Co. zu spüren und stehen unter Druck, da hier die Preise deutlich gefallen sind.

Doch Schuld ist nicht nur die Coronakrise, auch der Klimawandel trägt einen Großteil zu den Preisveränderungen bei. Gerade im Bereich der Milchbetriebe ist für diejenigen, die ausschließlich Großverbraucher beliefern, der Absatz plötzlich weggebrochen beziehungsweise sind die Auszahlungspreise für den Liter Milch gesunken – in einer Zeit, in der es den Milchbauern ohnehin nach zwei Dürrejahren nicht gut geht.

Dürrejahre und ausbleibende Einnahmen

AMI-Fleischmarktexperte Mechthild Cloppenburg aus Berlin berichtet außerdem, dass die Dürre der vergangenen Jahre auch Spuren bei den Erzeugerpreisen von Rinderhaltern hinterlassen hat. Es mangelt an Futter, woraufhin Tierbestände reduziert werden müssen und durch die Corona-Pandemie und das ausbleibende Ostergeschäft oder Feiern wie Konfirmation oder Firmung fehlt es an Fleischabnehmern.

Ebenso spüren Schweinemäster einen Rückgang des Schlachtpreises, welcher derzeit bei 1,75 Euro pro Kilo liegt. Vor einigen Monaten lag er noch bei über zwei Euro. Auch Wildhändler nehmen bundesweit kaum noch Wildbret ab. Die Kühlhäuser sind voll, da die Gaststätten als Hauptabnehmer ausbleiben. Dies führt auch hier zu einem Abfall von der Hälfte bis auf ein Drittel des Preises. 

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