Instagram-Trend "nowater": Was steckt dahinter?

Von Sonja Baumann
Aktualisiert am 25. Feb. 2020
© Pixabay/Ulrike Leone
© Pixabay/Ulrike Leone

Unter #nowater berichten aktuell Influencer auf Instagram von den Vorteilen, kein Wasser mehr zu trinken. Statt dem Ruf der Wasserindustrie zu folgen und "schmutziges, giftiges" Wasser zu trinken, nehmen sie "lebendiges" Wasser aus rohem Obst und Gemüse zu sich.

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Wie soll #nowater funktionieren?

Die österreichische Yoga-Lehrerin und Wellness-Influencerin Sophie Prana lebt in Thailand und Alise Miksta, ebenfalls Wellness-Influencerin aus Lettland, lebt in Dubai. Beide ernähren sich von rohem Obst und haben scheinbar weniger Durst, wenn sie den ganzen Tag sehr wasserreiches Obst, Smoothies und Säfte aus dort heimischem Obst zu sich nehmen. 

Sophie behauptet, seit einem Jahr kein Wasser mehr getrunken zu haben, außerdem betreibt sie regelmäßig Trockenfasten für 24 Stunden. In dieser Zeit isst sie weder, noch trinkt sie etwas. Auch Alise hat ihren Wasser-Konsum um "90 Prozent heruntergeschraubt", weil "Flüssigkeit aus Obst und Gemüse hydriert unsere Zellen doppelt so effizient wie leeres Wasser aus der Leitung", sagt sie. Diese Aussage habe sie gegoogelt und damit den wissenschaftlichen Beweis für ihren Lebensstil erbracht (1).

Hinter #nowater steckt auch die Theorie, dass der Körper durch das elektrolytarme Wasser Nährstoffe eher ausschwemmt, sodass das Wasser nur durch den Körper hindurch laufe. Flüssigkeit in Obst und Gemüse hingegen nehme man langsamer auf, außerdem liefern sie dem Körper noch zusätzlich Zucker, Mineralstoffe und Vitamine.

Funktioniert  #nowater wirklich?

Wer viel Suppen, Smoothies und wasserreiche Salate konsumiert, nimmt mehr Flüssigkeit auf. Für Menschen in unseren Breiten ist südländisches Obst jedoch nicht nur unökologisch, die meisten haben auch nicht die Zeit, während der Arbeit am Schreibtisch eine große Wassermelone und drei Gurken zu essen. Um genügend Flüssigkeit aufzunehmen, muss deshalb Wasser getrunken werden. Smoothies, Säfte und Milch enthalten zwar auch viel Wasser, aber auch mehr Kalorien und Fruchtzucker als Wasser. 

Flüssigkeiten sättigen nicht so gut wie feste Nahrung, die gekaut werden muss. Sie enthalten weniger Ballaststoffe, die ebenfalls die Sättigung unterstützen. Die Vitamine und Mineralstoffe werden nicht mit dem Wasser aus dem Körper gespült, sie werden von den Schleimhäuten der Verdauungsorgane aufgenommen.

Wieso kann #nowater sogar gefährlich werden?

Der Körper braucht Wasser, um Giftstoffe auszuscheiden. Über den Urin reinigen die Nieren das Blut von Umweltgiften und Giftstoffen, die durch den Stoffwechsel entstehen. Funktionieren die Nieren nicht, müssen Menschen regelmäßig zur Blutreinigung, der Dialyse. Unser Blut besteht zu 95 Prozent aus Wasser. Es transportiert Nährstoffe und Sauerstoff zu den Organen. Bei Flüssigkeitsmangel werden Gehirn und Muskelzellen nicht mehr ausreichend versorgt, die körperliche Leistung ist vermindert, der Kopf schmerzt. Wir benötigen Wasser, wenn wir trockene oder ballaststoffreiche Lebensmittel essen, um keine Verstopfung zu bekommen.

Wie kommt die Empfehlung für die Wasserzufuhr zustande?

Über die Haut, die Lunge und den Toilettengang verlieren wir jeden Tag etwa 2650 Milliliter Wasser. Wir nehmen Wasser nicht nur über das Trinken auf, auch in fester Nahrung ist Wasser vorhanden. Zusätzlich wird Wasser frei, wenn unser Körper die Nährstoffe aus dem Essen verbrennt. Insgesamt gewinnt der Körper dadurch etwa 900 Milliliter Wasser. Deshalb empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung, jeden Tag zusätzlich mindestens 1,5 Liter Wasser zu trinken (2)

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