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Neues Kaugummi soll Krankheitserreger erkennen

Von Sonja Baumann
Aktualisiert am 19. Feb. 2020
© Pixabay/ creazionpublicidad
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Schmeckt es bitter, sind Krankheitserreger im Mund: So das Prinzip des medizinischen Kaugummis, das in Zukunft bakterielle Infektionen wie Periimplantitis, Parodontitis und anderen Krankheiten der Mundschleimhaut erkennen soll.

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Wie funktioniert das Kaugummi? 

Dr. Meinel und sein Team an der Uniklinik Würzburg haben ein medizinisches Kaugummi entwickelt, das eine bakterielle Infektion innerhalb von zwei Minuten erkennt. Das funktioniert so: Im Kaugummi ist ein Bitterstoff, der von Eiweiß-Bausteinen, den Peptiden, ummantelt ist. Krankmachende Bakterien zersetzen die Peptide. Dadurch wird der Bitterstoff beim Kauen freigesetzt, wenn sich solche Erreger im Mund befinden und ein deutlich bitterer Geschmack breitet sich aus (1)

Wie findet das Kaugummi Verwendung?

Bei einem Verdacht auf eine bakterielle Infektion kann das Kaugummi als eine Art Vor-Screening dienen oder als Ergänzung für bestehende Tests. Das Kaugummi kann dann alle Krankheitserreger nachweisen, die sich im Speichel befinden. Dazu gehören Scharlach, eine Mandelentzündung, Influenza, Parodontitis und Periimplantitis. Bisher muss immer ein Abstrich der Mundschleimhaut gemacht werden, wenn es einen Verdacht auf eine Krankheit gibt. Stattdessen kann zukünftig das Kaugummi gekaut werden; wird es bitter, kann der Arzt schneller eine Diagnose stellen (1).

Welche Vorteile hat das Kaugummi?

Abgesehen von der Zeitersparnis hat das Kaugummi vor allem bei Zahn-Implantaten einen weiteren wichtigen Vorteil. Es kann vorkommen, dass sich eine Infektion um das Implantat herum entwickelt, die Periimplantitis. Sie ist ganz schön gefährlich, denn sie kann dazu führen, dass die umliegenden Knochen angegriffen werden. Weil die Nerven in der Umgebung des Implantats nicht mehr intakt sind, wird eine Periimplantitis oft erst spät erkannt. Das Kaugummi schafft Abhilfe: Kurz gekaut, kann es die Erreger frühzeitig entdecken. 

Im Moment ist das Kaugummi noch nicht auf dem Markt: weitere Tests sind noch notwendig. Sobald es marktreif ist, soll es als Medizinprodukt in Apotheken kommen, wo man es ohne Rezept kaufen kann.

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