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Regierung plant Glyphosat-Verbot ab 2024

Von Maren Baumgarten
Aktualisiert am 10. Sep. 2019
© Unsplash/ Joao Marcelo Marques
© Unsplash/ Joao Marcelo Marques

Das schon lange umstrittene Pflanzenschutzmittel Glyphosat wird nun endlich verboten – allerdings erst ab 2024. Dies geht aus dem Aktionsprogramm Insektenschutz der Bundesregierung hervor. Schon nächstes Jahr geht es schrittweise los, denn das Insektensterben ist noch zu stoppen, so Bundesumweltministerin Svenja Schulze.

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Glyphosat wird seit Jahrzehnten weltweit in der Landwirtschaft angewendet, in Deutschland werden etwa 40 Prozent der Ackerflächen damit behandelt (1). Es handelt sich hierbei um ein Herbizid, welches alle Pflanzen abtötet mit dem es in Berührung kommt, es sei denn diese wurden gentechnisch so verändert, dass sie gegen das Herbizid resistent sind (2).

Zum Einsatz kommt Glyphosat bisher in der Landwirtschaft und auf kommunalen Geländen, um öffentliche Wege frei von Unkraut zu halten. Die Bahn nutzt es auf ihren Gleisanlagen aber auch Privatpersonen verwenden das Herbizid in ihren Gärten.

Was verspricht das Aktionsprogramm?

Ende 2022 läuft die Zulassung für Glyphosat auf EU-Ebene aus, ein Jahr später dann auch die nationale Zulassung. Und nach dem Bundesumweltministerium soll diese Zulassung auf keinen Fall verlängert werden. Daher soll der Glyphosatausstieg rechtsverbindlich in der Pflanzenschutzverordnung verankert werden, um eine Verlängerung zu verhindern. 

Auch das nun veröffentlichte Aktionsprogramm Insektenschutz der Bundesregierung sieht ein schrittweise eingeführtes Verbot für glyphosathaltige und ähnlich wirkende Pflanzenschutzmittel vor. Schon im kommenden Jahr sollen drei Viertel weniger des Schutzmittels verwendet werden (3).

Das Aktionsprogramm vom 04.09.2019 beinhaltet jedoch noch weitere Maßnahmen:

  • 100 Million Euro pro Jahr sollen zusätzlich für die Förderung von Insektenschutz bereitgestellt werden.
  • Lebensräume für Insekten sollen geschützt beziehungsweise wieder hergestellt werden.
  • Die sogenannte Lichtverschmutzung soll reduziert werden.
  • Verbindliche Vorgaben, die in einem Insektenschutz-Gesetz verankert werden sollen (4).

Wieso steht das Pflanzenschutzmittel eigentlich so stark in der Kritik?

Dies hat zwei Hauptursachen:

  • Das Herbizid steht schon lange unter Verdacht, krebserregend zu sein und es wird immer häufiger in Lebensmitteln gefunden. Erst kürzlich gewann ein Ehepaar aus den USA einen Prozess gegen den Hersteller Bayer. Die beiden hatten das Breitbandherbizid als Unkrautvernichter regelmäßig angewandt und erkrankten beide an Blutkrebs. Als Ursache hierfür sehen sie den Einsatz von Glyphosat. Ein amerikanisches Gericht gab den beiden recht, Bayer muss noch eine hohe Summe Schadensersatz zahlen.

    Das Urteil sorgt für Aufsehen, da die wissenschaftliche Beurteilung bisher die Gefahr für den Menschen unterschiedlich sieht: Erst dieses Jahr gab das BFR (Bundesinstitut für Risikobewertung) bekannt, dass sich trotz neuer Studienlage die Bewertung für glyphosathaltige Pflanzenschutzmittel nicht ändert, sprich, dass bei einer sachgerechten Anwendung keine Gefahr besteht 
    (5). Die WHO (Weltgesundheitsorganisation) hingegen stufte 2015 den Stoff als wahrscheinlich krebserregend ein.
     
  • Wachsen an Wegrändern keine Unkräuter mehr, ist es schwierig für Insekten Schutz und Nahrung zu finden. Die Folge ist das weltweite Insektensterben, von welchem in letzter Zeit häufig in den Medien berichtet wird. Insekten, wie Wildbienen leisten jedoch eine wichtige Arbeit für das Ökosystem, denn Sie bestäuben Blütenpflanzen. Dies sorgt zum Beispiel dafür, dass wir in den Genuss von Äpfeln, Pflaumen und anderem Obst kommen.

    Eine Studie konnte jedoch auch zeigen, dass nicht nur das Fehlen von Blüten ein Problem darstellt, sondern auch das Herbizid selbst, wenn es mit Honigbienen in Berührung kommt. Es ist zwar nicht wirksam gegen die Insekten selbst jedoch gegen Mikroorganismen. Und Bienen haben wie wir eine Darmflora, genau dort verrichtet Glyphosat sein Übel. Denn die dort angesiedelt Darmbakterien werden durch das Pflanzenschutzmittel abgetötet und die Bienen so anfälliger für Infektionen (6).

Für viele ist 2023 noch weit entfernt und am liebsten möchte man schon jetzt auf Glyphosat verzichten und so zum Insektenschutz beitragen.

Hier kommen einige Tipps, wie Sie schon heute der Umwelt etwas Gutes tun können:

  • Gemüse und Obst aus biologischer Landwirtschaft darf nicht mit glyphosathaltigen Mitteln behandelt werden. Daher lohnt sich der Kauf von Bio hier besonders.
  • Haben Sie einen Garten, können Sie einen Teil ihrer Lebensmittel selbst anbauen und so ganz bewusst auf Schutzmittel verzichten.
  • Insekten freuen sich über jede Blüte, egal ob im eigenen Garten auf dem Land oder auf dem Balkon in einer Stadt. Bei dem Naturschutzbund NaBu finden Sie eine Liste mit Pflanzen, die Insekten besonders gerne mögen.
  • Hier verraten wir 14 Tipps, wie Sie Bienen helfen können.
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