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Wahrer Verkaufspreis: PENNY kennzeichnet Eigenprodukte

Von Marieke Dammann
Aktualisiert am 07. Sep. 2020
Mehr Transparenz für Verbraucher | Photo: © Unsplash/ Brooke Cagle
Mehr Transparenz für Verbraucher | Photo: © Unsplash/ Brooke Cagle

Um den wahren Wert der Lebensmittel aufzuzeigen, kennzeichnet PENNY jetzt versuchsweise einige Eigenprodukte zusätzlich auch mit dem "wahren Verkaufspreis". Diese Entscheidung bietet dem Verbraucher mehr Transparenz und könnte das Einkaufsverhalten verändern.

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Wenn alle ökologischen Auswirkungen entlang der Lieferkette mit in den Verkaufspreis einfließen würden, was müssten Lebensmittel dann wirklich kosten? Auf diese Frage hat PENNY gemeinsam mit der Universität Augsburg reagiert und acht Preise der ökologischen sowie konventionellen Eigenprodukte neu berechnet.

Erster Versuch im nachhaltigen PENNY in Berlin

Die „wahren Verkaufspreise“ können Verbraucher jetzt im ersten nachhaltigen PENNY „Grüner Weg“ in Berlin erleben, welcher Anfang September eröffnete. In die Berechnung der Preise ließen die Wissenschaftler vier Parameter einfließen, die über die Lieferkette anfallen: Klimagase, Energie, Stickstoff und Landnutzungsänderungen. 

Die „wahren Kosten“ zeigen deutlich, dass die entstehenden Folgekosten unseres Konsums nicht im Preis berücksichtigt sind, ganz gleich, ob bei ökologisch oder konventionell angebauten Lebensmitteln. Und die Schadkosten fallen letztendlich trotzdem an, allerdings versteckt. Exemplarisch werteten die Wissenschaftler Äpfel, Bananen, Kartoffeln, Tomaten, Gouda, Milch und gemischtes Hackfleisch aus.

Die wahren Kosten

Die wirklichen Kosten, auch sogenannte „True Costs“, zeigen die Umwelt- und sozialen Folgekosten auf, die in die Preise mit eingerechnet werden und bei der Lebensmittelherstellung entstehen, auch „negative externe Effekte“ genannt.

Verursacher sind die Lebensmittelproduzenten, die Kosten dafür trägt hingegen indirekt die Bevölkerung. Beispielsweise zahlen Verbraucher die Treibhausgasemissionen der Landwirtschaft mit dem Klimawandel und seinen Auswirkungen oder auch die Aufbereitung des durch Düngemittel belasteten Trinkwassers wird mit der Wasserrechnung abgegolten. 

Die „True Costs“ sollen hier Abhilfe schaffen, indem nicht nur direkte Produktionskosten, sondern auch dessen Auswirkungen auf ökologische sowie soziale Systeme in den Preis mit einfließen.

Diese Neuberechnung ist auch ein Schritt in Richtung Nachhaltigkeit, denn so können Verbraucher verstehen, wie viel ein Lebensmittel wirklich wert ist, wie viel es bereits kostet, obwohl der Preis es nicht beim Konsumenten widerspiegelt, und welche Produkte sich langfristig auf den Planeten im positiven oder negativen Sinne auswirken.

Deutliche Preisänderungen nach Neuberechnung

Die Berechnungen ergaben, dass der Preis bei den acht konventionellen Lebensmitteln um etwa 62 Prozent steigen müsste, was bei den aktuellen Preisen etwa 2,30 Euro pro Kilogramm wären. Bei den gleichen Produkten aus ökologischem Anbau ergab sich eine Preissteigerung von rund 35 Prozent beziehungsweise 2,28 Euro pro Kilogramm. Umgerechnet und unter Einbezug der Verzehrgewohnheiten müsste der Zuschlag bei den konventionellen Produkten 52 Prozent und bei den ökologischen Lebensmitteln 32 Prozent betragen.

Übersicht der ungewichteten True Costs-Berechnung  (Lebensmittel, Produktionsart, Preisaufschlag) der Universität Augsburg (1):

  • Apfel, Konventionell (Bio), 8% (4%)
  • Banane, Konventionell (Bio), 19% (9%)
  • Kartoffel, Konventionell (Bio) 12% (6%)
  • Tomate, Konventionell (Bio), 12% (5%)
  • Mozzarella, Konventionell (Bio), 52% (30%)
  • Gouda, Konventionell (Bio), 88% (33%)
  • Milch, Konventionell (Bio), 122% (69%)
  • Gemischtes Hackfleisch, Konventionell (Bio), 173% (126%)

Der Bereichsvorstand der REWE Group und COO PENNY Stefan Magel sieht dem Experiment gespannt entgegen: „Ich hoffe, dass unsere Kunden positiv auf die doppelte Preisauszeichnung reagieren. Dann können wir uns gut vorstellen, sowohl die Anzahl der Produkte mit dieser Kennzeichnung zu erhöhen als auch den Test auf weitere Märkte auszuweiten. An der Kasse zahlen unsere Kunden natürlich den Verkaufspreis ohne True Costs“, so Magel (1). Er ist der Meinung, dass die Folgekosten des Konsums sichtbar gemacht werden müssen, denn nur so könnten die Verbraucher beim Einkauf auch korrekt entscheiden.

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