Alles über Zucker: Ein Experte klärt auf | EAT SMARTER
3
2
Drucken
2
Alles über Zucker: Ein Experte klärt aufDurchschnittliche Bewertung: 3.3153

Interview

Alles über Zucker: Ein Experte klärt auf

Hier erfahren Sie alles über Zucker. © Anton Maltsev Hier erfahren Sie alles über Zucker. © Anton Maltsev

Wir lieben den Geschmack von Süßem. Aber warum eigentlich? Antworten gibt der Ernährungspsychologe Prof. Christoph Klotter von der Hochschule Fulda.

Ob Kuchen, Weingummi, Eis oder Schokolade – Süßes schmeckt einfach herrlich... Aber warum mögen wir zuckerhaltige Speisen und Produkte so gerne? EAT SMARTER hat mit dem Ernährungspsychologen Prof. Christoph Klotter, 56, von der Hochschule Fulda gesprochen und ein paar spannende Antworten erhalten. Lesen Sie nachfolgend alles über Zucker...

EAT SMARTER: Prof. Klotter, stimmt es, dass Zucker glücklich macht?

Prof. Klotter: Physiologisch betrachtet nicht. Man müsste wahrscheinlich eine Tonne Schokolade essen, um einen nachweisbaren Effekt zu erzielen. Zuckerhaltige Produkte enthalten zwar Inhaltsstoffe, die unsere Glückshormone Serotonin und Dopamin stimulieren. Doch die Mengen dafür müssen riesig sein.

Alles über Zucker: Ist die süße Substanz eine Droge?

EAT SMARTER: Einige Wissenschaftler und Experten bezeichnen Zucker jedoch als eine Art Droge. Zu Recht?

Prof. Christoph Klotter: Nein, Zucker ist definitiv keine Droge. Die Substanz löst keine physische oder psychische Abhängigkeit aus. Wenn man auf Süßigkeiten verzichtet, fängt man weder an zu zittern noch irgendwelche anderen Anzeichen einer Abhängigkeit zu zeigen.

EAT SMARTER: Warum lieben wir den süßen Geschmack dann so sehr?

Prof. Klotter: Zucker ist unbewusst noch immer ein Luxusgut für uns. Es hat den Status, etwas Besonderes zu sein. Wir essen Süßigkeiten, um uns zu belohnen. Das haben wir bereits in Kindertagen so vorgelebt bekommen. Wenn etwas schlecht lief, haben wir manchmal zum Trost einen Bonbon bekommen. Solche Rituale verfestigen sich im Laufe des Lebens. Wenn Erwachsene Stress im Job haben, greifen Sie zu einem Stück Schokolade. Der Satz: „Ich brauche jetzt dringend etwas Süßes“ bedeutet nicht, dass man psychisch abhängig davon ist. Im Gegenteil. Wir wollen uns lediglich für unsere Anstrengungen belohnen.

Alles über Zucker: Zu große Mengen können Krankheiten verursachen

EAT SMARTER: Aber in zu großen Mengen konsumiert kann Zucker Übergewicht, Karies und Herz-Kreislauf-Erkrankungen verursachen. 

Prof. Klotter: Zucker und auch Fett sind in der Tat hochkalorisch, doch sie haben unseren Vorfahren das Überleben gesichert. Noch vor ein paar Jahrhunderten gab es Zucker in Apotheken zu kaufen. Die Substanz war ein Luxusgut. Heute ist Zucker zum Massenmittel geworden, das in einem unglaublichen Umfang existiert.

EAT SMARTER: Wie sehr hat sich das Verständnis von Zucker in unserer Gesellschaft gewandelt?

Prof. Klotter: Historisch betrachtet ist Zucker etwas absolut Positives. Für die breite Masse der Menschheit war Süßes lange Zeit vor allem in Form von Obst erhältlich. Zucker an sich stammte aus fernen Ländern, man assoziierte das ‚weiße Gold’ mit Sonne, Strand und paradiesischen Gefilden. Heutzutage dagegen wird Zucker sehr häufig mit einer Sünde in Verbindung gebracht. Er regt zwar das Belohnungssystem an und soll uns trösten, doch abgesehen davon hat Zucker ein recht negatives Image in unserer heutigen Gesellschaft.

Alles über Zucker: Brauchen wir eine Steuer?

EAT SMARTER: Sollte man zuckerhaltige Produkte stärker besteuern, um sie für den Verbraucher weniger attraktiv zu machen?

Prof. Klotter: Die Einteilung in gute und schlechte Lebensmittel halte ich für gefährlich. Vielmehr sollte man darauf achten, dass Zucker beispielsweise mit hohem Genuss und hoher Qualität in Verbindung gebracht wird. Man sollte lieber ein tolles Stück Torte essen, anstatt langweilige Kekse zu naschen. Und man darf durchaus auch einmal über die Stränge schlagen. Der Exzess gehört zum Leben dazu. Wenn wir uns immer nur maßregeln, läuft etwas falsch in unserem Leben. Erst durch das Übermaß können wir unsere Ernährung richtig regulieren.

EAT SMARTER: Wie meinen Sie das?

Prof. Klotter: Menschen, die immer nur restriktiv denken und sich nichts gönnen, sind besonders anfällig dafür, Essstörungen zu entwickeln. Das ist empirisch belegt. Wer bei einem Latte Macchiato daran denkt, wie viele Kalorien und wie viel Zucker darin stecken, ist bereits gefährdet.

Alles über Zucker: Jeder ist für sich und seine Ernährung verantwortlich

EAT SMARTER: Heutzutage sind allerdings viele Produkte extrem zuckerhaltig, bei denen man normalerweise gar nicht daran denkt. Brotaufstriche, Fertigsuppen und Saucen enthalten teilweise sehr viel Zucker, obwohl sie nicht einmal süß schmecken.

Prof. Klotter: Die Schuld einer ungesunden und nicht ausgewogenen Ernährung liegt einzig und allein bei uns selbst. Wir wälzen sie häufig auf die Lebensmittelindustrie ab, um uns besser zu fühlen. Aber wir alle müssen uns selbst Gedanken darüber machen, was wir essen und wie wir uns gesund ernähren.

Interview: Janina Darm

Ähnliche Artikel
Eiweißlieferanten
Eiweiß ist ein wichtiger Bestandteil unserer Ernährung. Prof. Froböse von der Deutschen Sporthochschule in Köln hat für Sie eine kleine Übersicht erstellt, die verrät, welche Lebensmittel wie viel Eiweiß liefern.
Ernährungswissenschaftlerin
Ernährungswissenschaftlerin Prof. Dr. Sabine Ellinger empfiehlt eine abwechslungsreiche Kost, die den Organismus optimal versorgt. Was genau das bedeutet, erfahren Sie hier.
Fleisch Wissensstrecke
Wie zuverlässig ist die Qualität unserer Fleischprodukte? Worauf sollte man beim Kauf und der Zubereitung achten? EAT SMARTER hat bei Experten nachgefragt.
Schreiben Sie einen Kommentar
 
Es ist nicht richtig, zu sagen, Zucker mache nicht abhängig; denn, würde man auf Zucker weithehend verzichten bekommt man Depressionen, einhergehend mit Weinkrämpfen. Habe es selbst ausprobiert. Es sei denn man hat einen starken Willen. Wäre das allerdings der Fall, würden wir Menschen überwiegend einen akademischen Beruf wählen; dem ist aber nicht so.
 
Das Interview hätte man sich schenken können. Entweder antwortet der Herr Professor ausweichend, z.B. historisch und nicht auf den Kern der Frage eingehend, oder er weicht von vornherein aus. Zum Schluss wälzt er noch das Problem der gesunden Ernährung (hier betr. hoher Zuckerkonsum) einzig auf den Verbraucher, obwohl bekannt ist, dass die Hersteller der Nahrungsprodukte mit der korrekten Zuckerbestimmung in Gramm etc. sehr ungenau bzw. geradezu uninformativ umgehen. Ich bin Diabetiker (erkannt seit 1985) und weiß wovon ich spreche. HPJ