Was Sie über Geflügel wissen sollten | EAT SMARTER
12
0
Drucken
0
Was Sie über Geflügel wissen solltenDurchschnittliche Bewertung: 3.81512

10 Fragen

Was Sie über Geflügel wissen sollten

Geflügel: gesund und lecker Geflügel: gesund und lecker

Ob Hähnchenbrust, Putenschnitzel oder Gänsebraten – Geflügel ist der Überflieger unter den Fleischsorten. Es schmeckt nicht nur gut, es ist auch gesund und eiweißreich. Doch wussten Sie schon, dass ein Suppenhuhn immer weiblich, ein Hähnchen aber nicht immer männlich ist? EAT SMARTER beantwortet die wichtigsten Fragen zu Geflügel.

Warum gilt Geflügel als gesund?

Kaum Fett und hochwertiges Eiweiß – kein Zweifel, Geflügel ist gesund. Hühner- und Putenfleisch ist besonders wertvoll, denn es besteht zu fast einem Viertel aus Eiweiß. Und das ähnelt – im Gegensatz zu Pflanzeneiweiß – stark unserem körpereigenen Eiweiß und kann vom Organismus fast vollständig verarbeitet werden. Außerdem sind diese beiden Fleisch-sorten sehr mager: 100 Gramm Brustfleisch enthalten nur knapp ein Gramm Fett! Da können etwas fettere Geflügelsorten nicht mithalten: Der Fettgehalt von Ente und Gans liegt bei mindestens fünf beziehungsweise acht Prozent. Tipp: Bei der Zubereitung von Geflügel immer die Haut entfernen, denn das meiste Fett sitzt direkt unter der Haut.

Wie viel Geflügel sollte man essen?

Generell empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE), wöchentlich nicht mehr als 300 bis 600 Gramm Fleisch zu essen. Das sind etwa drei Portionen à 120 Gramm. Die DGE unterscheidet dabei jedoch nicht zwischen weißem (Geflügel) und rotem Fleisch (Schwein, Rind oder Lamm). Letzteres kann Studien nach krebserregend sein. Dieser Zusammenhang konnte bei Geflügelfleisch nicht nachgewiesen werden. Ob weiß oder rot – insgesamt essen wir Deutschen zu viel Fleisch. Der Pro-Kopf-Verzehr liegt im Durchschnitt bei mehr als 60 Kilogramm im Jahr, davon sind gut elf Kilogramm Geflügel. Tipp: Essen Sie ruhig zwei- bis dreimal die Woche Fleisch – davon aber mindestens einmal Geflügel.

Wie viele Kalorien hat es im Vergleich zu anderen Fleischsorten?

Aufgrund des hohen Eiweiß- und gleichzeitig niedrigen Fettgehalts ist Geflügelfleisch kalo-rienarm. Der genaue Kaloriengehalt ist vom Körperteil abhängig. Am magersten ist Brustfleisch – zwischen 100 und 130 Kalorien pro 100 Gramm. Der Grund: Die Brust hilft dem Tier beim Fliegen. Daher besteht sie fast nur aus Muskulatur (Eiweiß) und enthält kaum Fett. In der Keule oder dem Schenkel sitzen viele kleine Muskeln, die durch dünne Fettschichten voneinander getrennt sind. Dadurch enthält dieser Körperteil mehr Kalorien – zwischen 150 und 170 Kalorien pro 100 Gramm. Im Vergleich: 100 Gramm Rindersteak ent-halten 126 Kalorien und 100 Gramm Schweinekotelett 133. Tipp: Auch wenn Geflügel nicht viel kalorienärmer ist, enthält es weniger Cholesterin und ist leichter zu verdauen.

Was muss ich beim Einkauf beachten?

Achten Sie darauf, dass das Geflügel aus Deutschland kommt. Denn für deutsches Fleisch gibt es strengere Vorschriften und Qualitätskontrollen. Die Herkunft erkennen Sie an den drei „D“ auf der Verpackung. Diese garantieren, dass das Geflügel in Deutschland geschlüpft ist, hier aufgezogen und auch verarbeitet wurde. Allgemein gilt: Die Fleisch-qualität hängt vor allem von der Aufzucht ab. Hühner, Pute und Co. aus Bodenhaltung werden schnell groß gezogen und können sich wenig bewegen. Dadurch sind ihre Keulen nicht so kräftig wie die der Tiere, die aus Freilandhaltung kommen. Tipp: Fühlen Sie das Fleisch! Es sollte relativ fest und nicht weich sein. Achten Sie außerdem auf die Farbe – sie sollte bei Huhn und Pute fleischfarben und nicht zu weiß sein. Ausnahme: Die Haut eines Maishuhns oder einer Maispoularde ist gelblich. Das liegt daran, dass das Huhn hauptsächlich mit Mais gefüttert wurde. Enten- und Gänsefleisch hingegen ist etwas dunkler. Für Tiefkühlgeflügel gilt: Unter der Verpackung sollten sich keine Eiskristalle gebildet haben. Das Fleisch sollte frei von Gefrierbrand – weißen und trockenen Stellen – sein. Frieren Sie Geflügel ein, ist es acht bis zehn Monate haltbar.

Ist Bio-Geflügel gesünder?

Fest steht: Bio-Geflügel ist teurer. Der Grund? Die aufwendige Aufzucht – zum Beispiel von Hühnern: Laut statistischem Bundesamt werden nur drei Prozent der Hühner ökologisch gehalten. Für Bauern ist diese Art der Zucht kostspielig. Denn im Gegensatz zu konventionell gehaltenen Hühnern leben Bio-Hühner fast doppelt so lange, bevor sie geschlachtet werden. Das bedeutet für den Bio-Bauern, dass seine Hühner einerseits doppelt so viel (Bio-)Futter brauchen, andererseits aber doppelt so lange Platz im Stall benötigen. Die besondere Aufzucht schmeckt man dem Fleisch an: Bio-Geflügel ist oft aromatischer und saftiger. Ob es auch gesünder ist, ist nicht klar. Es gibt keine Studien, die das belegen.

Wie kann ich Geflügel-fleisch zubereiten?

Tauen Sie TK-Geflügel immer vollständig auf – am besten im Kühlschrank. Ansonsten gart das Fleisch unregelmäßig. Wichtig: Schütten Sie das Auftauwasser weg, es könnte Salmonellen enthalten. Nachdem Sie das Geflügelfleisch – ob aufgetaut oder frisch – gewaschen haben, können Sie es entweder in der Pfanne (optimal für Geflügelteile wie zum Beispiel Schenkel) oder im Ofen (ganze Tiere) garen. Besonders im Sommer beliebt: Geflügel grillen. Dabei kann das Fleisch leicht austrocknen. Marinieren Sie es daher vorher oder bestreichen Sie es währenddessen mit Öl. Tipp: Ein Hähnchen (etwa 1 Kilo) reicht für drei Portionen, eine Pute (2,5 Kilo) für sechs Portionen und eine Entenbrust (300 Gramm) für zwei Portionen.

Welche Geflügelart passt am besten zu welcher Gelegenheit?

Von allen Geflügelsorten sind Huhn und Pute am unkompliziertesten: Sie können das Fleisch zum Beispiel zu Schnitzeln verarbeiten. Dafür sollten Sie entweder Brust- oder Schenkelfleisch verwenden. Entfernen Sie als Erstes die Sehnen, klopfen Sie das Fleisch (in einem Gefrierbeutel oder in Frischhaltefolie gewickelt) platt und würzen Sie es. Tauchen Sie anschließend das Schnitzel in verquirltes Ei und wenden Sie es in Mehl. Zum Schluss das Schnitzel in heißem Öl von jeder Seite etwa drei Minuten anbraten – fertig! Auch auf dem Grill macht sich Geflügel gut – speziell wenn es aufge-spießt wird. Hähnchen- oder Putenbrust in große Würfel schneiden, abwechselnd mit Gemüse auf einen Holzspieß stecken, nach Belieben würzen und für etwa 10 Minuten rundum grillen. Auch wenn Pute und Hähnchen besonders alltagstauglich sind, eignen Sie sich genauso gut für festliche Gerichte und müssen sich nicht hinter ihren edleren Verwandten – Gans und Ente – verstecken. Probieren Sie Ostern unseren Putenschmorbraten (Seite 125) oder unseren Hähnchen- Paprika-Topf (Seite 124) aus. Tipp: Oft eignen sich Truthahn- oder Entenrezepte auch für Gänsefleisch – und andersherum.

Auf welche Hygiene muss ich bei der Zubereitung achten?

Normalerweise sterben Keime (z. B. Salmonellen) ab, sobald das Fleisch gegart wird. Daher ist es besonders wichtig, dass Sie Geflügel immer durchgaren – bis auch der Fleischkern 70 Grad erreicht hat. Dennoch können bei der Zubereitung Keime auf Hände, Holzbrett, Messer oder andere Lebensmittel übertragen werden. Um das zu verhindern, sollten Sie sich an die Hygiene-Tipps des Robert-Koch-Instituts halten: Lagern Sie rohes Geflügel getrennt von anderen Lebensmitteln, besonders wenn diese nicht noch einmal erhitzt werden. Bewahren Sie Geflügel bei höchstens vier Grad auf. Reinigen Sie alle Messer, Bretter und Oberflächen, die Sie bei der Vorbereitung von Geflügelfleisch benutzt haben, bevor Sie diese weiterverwenden. Waschen Sie außerdem nach jedem Zubereitungsschritt Ihre Hände mit Seife.

Wie gefährlich sind Antibiotika in der Geflügelzucht?

Letztes Jahr schreckte eine Untersuchung die Verbraucher auf: Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hatte im Supermarkt angebotenes Hühnerfleisch untersucht. Das Ergebnis: Die Hälfte der Proben enthielt antibiotikaresistente Keime. Stecken sich Menschen mit diesen Keimen an, kann es sein, dass im Krankheitsfall bestimmte Antibiotika nicht mehr wirken. Doch wie kann sich der Verbraucher schützen? Seit 2009 dürfen Bauern nur noch kranken Hühnern Antibiotika geben und sie nicht mehr zur Wachstumssteigerung einsetzen. Antibiotika müssen vom Tierarzt verschrieben werden und dürfen nicht willkürlich vom Züchter eingesetzt werden. Es ist gesetzlich vorgeschrieben, wie viel Zeit zwischen Antibiotikagabe und Schlachtung liegen muss. Außerdem werden die Tiere vor der Schlachtung noch einmal von einem Tierarzt kontrolliert. Tipp: Halten Sie sich an die Hygiene-Tipps und garen Sie das Fleisch immer vollständig durch – dann können sich Keime nicht verbreiten und werden abgetötet.

Sind Hähnchen immer männlich?

Auch wenn der Begriff „Hähnchen“ natürlich von „Hahn“ abstammt, sind die Hähnchen, die wir im Supermakt, beim Schlachter oder beim Bauern direkt kaufen, nicht ausschließlich männlich. Die Bezeichnung stammt noch aus der Zeit, als Hennen zum Eierlegen gehalten und nur die Hähne geschlachtet und gegessen wurden. Heute bezieht sich „Hähnchen“ auf ein junges Masttier – unabhängig vom Geschlecht. Ein Suppenhuhn hingegen ist immer weiblich: Es ist eine ausgediente Legehenne. Aufgrund ihres Alters (über ein Jahr) ist das Fleisch zäh und hat einen speziellen Eigengeschmack. Es eignet sich am besten, um Suppen, Brühen und Ragouts herzustellen. Leichte Verwirrung gibt es auch beim Putenfleisch: Während Truthahn und Puter das Gleiche sind, heißen die weiblichen Tiere Pute oder Truthenne. Die Namen sollen an die Lockrufe der Tiere erinnern.

(bor)

Ähnliche Artikel
Hat Bio-Geflügel ein glücklicheres Leben? EAT SMARTER erklärt Ihnen die Unterschiede zwischen biologischer und konventioneller Geflügelzucht.
Bund Möhren
Antworten von der Expertin der Verbraucherzentrale
Ist Bio wirklich besser? Und worauf muss man beim Einkauf achten? EAT SMARTER erklärt, was Sie über Bio-Lebensmittel wissen müssen.
Schreiben Sie einen Kommentar