Rohkosternährung - Wichtigste Fragen | EAT SMARTER
33
0
Drucken
0
Dr. Kurscheid - der Fernseh-Arzt
Die wichtigsten Fragen rund um RohkosternährungDurchschnittliche Bewertung: 4.51533
12. Oktober 2015

Die wichtigsten Fragen rund um Rohkosternährung

Dr. Kurscheid beantwortet alle Fragen rund um das Thema „Rohkosternährung“.

Buntes Obst und Gemüse - Rohkosternaehrung

Was genau ist Rohkosternährung?

Der Begriff Rohkost ist nicht einheitlich definiert. Es gibt eine vegane, eine vegetarische und eine Rohkosternährung, die alle Lebensmittel umfasst. Das Entscheidende bei der Rohkost ist, dass die Nahrung nicht hitzebehandelt wird.

Rohkosternährung: Wie funktioniert sie?

Unter veganer Rohkost wird meist eine pflanzliche Kost, bestehend aus rohem (ungekochtem) Obst und Gemüse verstanden. Weiterhin zählen Blattgrün, Kräuter (und vor allem Wildkräuter), Avocados, Oliven, Öl, Nüsse und Samen, Pilze und milchsauervergorene Lebensmittel wie rohes Sauerkraut dazu, solang sie nicht pasteurisiert wurden.

Die Anhänger der vegetarischen Rohkosternährung rechnen auch Rohmilchkäse und weitere Rohmilchprodukte aller Art sowie Eier dazu.

Die omnivoren Rohköstler zählen alles Essbare dazu, solange es roh verzehrt wird. Also auch rohes Fleisch, Fisch und Eier.

Auch Öle, die sich beim Pressen meist zwangsläufig etwas erwärmen, werden oft zur Rohkost gezählt.

Rohkosternährung: Welche Vor- und Nachteile gibt es?

Einerseits wird bei der Erhitzung von Lebensmitteln deren Vitamingehalt und der Gehalt an ungesättigten Fettsäuren verringert. Umgekehrt bleiben sie bei der Rohkost oft besser erhalten. Das trifft zwar auf das Vitamin C zu, aber nicht auf die Vitamine E und A, die besser aufgenommen werden, wenn das Lebensmittel erhitzt wurde. Rohkost enthält auch weniger Acrylamid, das zum Beispiel beim Frittieren entstehen kann.

Die Dosis macht das Gift. Sobald die Ernährung einseitig oder in eine bestimmte Richtung übertrieben wird, gibt es Nebenwirkungen. So zeigt die grosse Giessener Rohkoststudie zwar, dass sich das Körpergewicht bei Rohkosternährung im Durchschnitt verringert. Sie zeigt aber auch, dass es zu vielen Mangelerscheinungen kommt: Sowohl Eiweiß – als auch Calcium, Zink, Iod, Vitamin D und Vitamin B12 fehlten den Teilnehmern. Und: ein Drittel aller Frauen unter 45 Jahren hatten keine Menstruation mehr. 43 % der Männer und 15 % der Frauen hatten eine Blutarmut entwickelt. Daraus ist abzuleiten, dass eine 100%ige Rohkosternährung gesundheitlich nicht zu empfehlen ist.

Rohkosternährung: Wie genau geht's?

Gut ist, reichlich Obst und Gemüse in die Ernährung einzubauen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt mindestens 5 Portionen Obst und Gemüse. Eine Portion ist jeweils eine Hand voll. Die Amerikaner empfehlen inzwischen 5–9 Portionen pro Tag, also mindestens die Hälfte jeden Tellers sollte damit gefüllt sein. Dabei kann das Gemüse durchaus gedämpft oder kurz gekocht sein. Auch (rohe) Salate zählen dabei zum Gemüseanteil und bringen dann ausreichend ungekochtes, also rohes Gemüse mit in unsere Ernährung. Da zumindest pflanzliche Rohkost kaum Kalorien hat und sich bei Rohkosternährung die Mengen, die gegessen werden, meist vermindern, führt ein hoher Anteil von Rohkost in der Ernährung auch zu Gewichtsverlust. Kartoffeln können roh nur verzehrt werden, wenn darauf geachtet wird, dass die Kartoffelsorte wenig giftiges Solanin enthält. Zusätzlich sollten grüne Stellen herausgeschnitten und die Kartoffel geschält werden, um den Solaningehalt weiter zu senken. Bei rohen Eiern ist zu beachten, dass es zu einem Biotin-Mangel kommen kann, da im Eiklar Avidin enthalten ist, welches in unerhitzter Form dem Organismus Biotin entziehen kann.

Rohkosternährung: Kann sich jeder so ernähren?

Eine reine Rohkosternährung würde ich niemandem empfehlen, vor allem nicht schwangeren Frauen und chronisch kranken Menschen. Denn es kann zu Fehlernährung und Mangelzuständen sowie Infektionen kommen, weil Keime auf der Rohkost nicht durch Kochen abgetötet werden. So ist besonders der Verzehr von rohem Fleisch aus hygienischen Gründen nicht empfehlenswert. Denn es können gefährliche Parasiten wie Würmer enthalten sein. 

Ihr Dr. Kurscheid

Ähnliche Artikel
Diäten im Check
Der Experten-Check.
Blutgruppendiät - Blutröhrchen
Dr. Kurscheid klärt über die Blutgruppendiät auf.
Worauf es beim richten Öl ankommt.
Schreiben Sie einen Kommentar