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Besser als nichts oder fauler Kompromiss?

Flexitarier erobern Deutschland!

Flexitarier – sinnvolle Lösung oder Augenwischerei? Flexitarier – sinnvolle Lösung oder Augenwischerei?

Fleisch ja, aber nur selten und in Bio-Qualität. Statt billig und schnell soll die Ernährung gesund, bewusst und nachhaltig sein. Findige Menschen haben dem Ganzen den passenden Namen gegeben: Flexitarier. Doch was steckt hinterm dem Konzept der Teilzeit-Vegetarier? Ein Namens-Hype oder ein gelungener Kompromiss?

Der Fleischatlas bringt es auf den Tisch: Die Deutschen haben offenbar immer noch großen Hunger auf tierische Lebensmittel. Der von der Heinrich-Böll-Stiftung, dem Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) und der Monatszeitung Le Monde diplomatique herausgegebene Report zeigt: 60 Kilogramm Fleisch hat jeder Deutsche im Jahr 2012 im Schnitt gegessen. 85 Prozent der Bundesbürger aßen täglich oder fast täglich Fleisch. Trotz dieser Werte sagen laut Umfragen mittlerweile 42 Millionen Deutsche, dass sie Fleisch gegenüber kritisch eingestellt seien und dass sie immer häufiger fleischfreie Tage einlegten. Seit längerem werden diese Menschen auch Teilzeitvegetarier oder Flexitarier genannt.

Was heißt es, Flexitarier zu sein?

Teilzeitvegetarier verzichten an drei oder mehr Tagen in der Woche auf Fleisch. Stattdessen kommen Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Sojaprodukte und viel Gemüse und Obst aus Bio-Anbau auf den Teller. Statt billig produziertes Fleisch zu konsumieren, essen Flexitarier in der Regel teureres Bio-Fleisch. Die meisten Teilzeitvegetarier schränken ihren Verbrauch ein, weil sie dem Thema Fleisch kritisch gegenüber stehen. Gründe hierfür können Massentierhaltung, Klimawandel oder ein verändertes Gesundheitsbewusstsein sein. Strikte Dogmen oder gar Verbote lassen Flexitarier allerdings nicht gelten. Der gesunde Genuss soll im Vordergrund stehen.

Ursprünglich kommt die Bewegung, wie sollte es anders sein, aus den USA. Die Gastronomin Helga Morath soll den Begriff Flexitarier schon 1992 erfunden haben, um das Angebot ihrer Speisekarte treffend bezeichnen zu können. Er setzt sich aus den Worten „flexible“ und „vegetarian“ zusammen. Mittlerweile ist es in den USA in vielen Restaurants völlig selbstverständlich, dass viele vegetarische oder auch vegane Gerichte auf der Karte stehen. Und auch in Deutschland verbreitet sich der fleischose Trend in der Gastronomieszene immer mehr.

Welche Vorteile hat diese Lebensweise?

Hype hin oder her – für eine ausgewogene Ernährung reichen 300 bis 600 Gramm Fleisch pro Woche völlig aus. Deshalb ist es durchaus sinnvoll, seinen Fleischkonsum zu reduzieren. Ein zu hoher Fleischverzehr gilt mittlerweile als Risikofaktor für Zivilisationskrankheiten wie Diabetes Typ 2, Herzkreislauferkrankungen oder Übergewicht. Je weniger Fleisch Teilzeitvegetarier essen, desto besser ist das für ihre Gesundheit. Daneben sinkt auch die Klimabelastung. Ein Kilo Rindfleisch verursacht einer japanischen Studie zufolge rund 36 Kilogramm CO2. Das entspricht einer Autofahrt von rund 250 Kilometern. Jedes gesparte Kilo schlägt sich positiv auf die Klimabilanz nieder.

Flexitarier – ein guter Kompromiss?

Bio-Qualität statt Massenware – der Schritt zum Flexitarier kann zumindest eine gute Zwischenlösung sein. Denn trotz vieler Argumente kann nicht jeder von jetzt auf gleich auf sein geliebtes Steak verzichten. Teilzeitvegetarier können die vegetarische Lebensweise probieren, ohne sofort völlig auf Fleisch zu verzichten. Doch ist diese Alternative wirklich konsequent?

Auch wenn man ab und zu bewusst kein Fleisch isst, werden weiterhin Tiere für das Essen getötet und das Klima durch die Folgen der Tierhaltung belastet. Kritiker werfen Flexitariern daher vor, mit ihrer Lebensweise nur das Gewissen zu beruhigen. Einen echten gesellschaftlichen Wandel hätte es aber nicht zur Folge! Und wenn wir ehrlich sind – ein bisschen wirkt das Ganze wie Altbekanntes in neuem Gewand: Eine Ernährung mit gesunden, regionalen und saisonalen Produkten, die nachhaltig produziert werden und ein möglichst geringer Fleischkonsum sind schon seit Jahren das, was Ernährungsexperten empfehlen. Jetzt hat diese Ernährungsform mit den Flexitariern halt einen Namen bekommen. 

Trotzdem: Wer seinen Fleischkonsum verringert und stattdessen zum Beispiel auf wenig Fleisch in Bio-Qualität setzt, darf sich auch gut dabei fühlen. Einen echten Vegetarier wird dies zwar nicht überzeugen und man sollte sich als Flexitarier auch nicht mit ihnen vergleichen. Aber drei oder vier fleischfreie Tage in der Woche sind besser als gar keiner. 

Sie möchten versuchen, weniger Fleisch zu essen? Hier finden Sie Tipps für den Einstieg zum Vegetarier, viele leckere vegetarische Rezepte in der Übersicht und die besten vegetarischen Gerichte zusammengestellt in einer anschaulichen Galerie.

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Alles muss heutzutage irgendwelche blöden "Trendwörter" haben. Unfassbar! Eine Ernährung laut Flexitarier ist einfach die klassische abwechslungsreiche Ernährung. Nix mit ultra viel Powerfood oder sonstigen Blödsinn. Einfach normal essen ohne übermäßigen Fleisch Konsum. Flexitarier! Peinliche Wortschöpfung, da jeder Furz heutzutage eine eigene Sparte benötigt. Kopf schütteln.
 
Flexitarismus ist ein guter Kompromiss, damit kann man leben. Und wenn man mein Motto: Alles (oder das meiste ) was mit "zu" anfängt (zu viel, zu wenig,zu oft etc.) sollte man meiden, dann ist man auf einem guten Weg.
 
Was für ein schlechter Artikel... Hier wird mal wieder Bio-Fleisch mit richtiger/würdiger Tierhaltung verglichen. Liebe Redaktion, ich esse vielleicht alle 2-3 Wochen Fleisch, welches ich direkt beim Bio-Bauern beziehe. Ich kenne den Bauer, kann mir die Tiere immer anschauen und weiß, dass sie ein sehr glückliches leben hatten und nicht nur irgendwelche Bio-Regeln eingehalten werden um das Siegel zu erhalten. Nein! Bio-Fleisch aus der Kühltheke ist eine Verarschung am Konsumenten. Bsp. Schweinemast: Bei KonventionellerMast hat jedes Schwein 0,85qm Platz, bei der Bio-Mast sind es nicht viel bessere 1,3qm. Bei meinem Bio-Bauern können die Schweine eine riesen Fläche nutzen auf der sie rennen suhlen und und und können. Von daher finde ich den Artikel sehr sehr schlecht!
 
Liebe Redaktion, ich ernähre mich sechsmal die Woche vegan und esse einmal pro Woche ein hochwertiges Stück Fleisch. Warum bitte sollte ich mich schlechter fühlen als manche Vegetarier, die zwar auf Fleisch verzichten, jedoch teilweise täglich Milchprodukte von Tieren aus Massentierhaltung (u.a. lebenslang künstliche Befruchtung) konsumieren?
 
Nun weiss ich also, in welche Schublade ich gehöre... Also mal ganz ehrlich: wem schmeckt der Scheiss der Fleischindustrie eigentlich noch??? In diesem Sinne: Guten Appetit

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