Bleibt das Mindesthaltbarkeitsdatum bestehen? | EAT SMARTER
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In der Kritik

Bleibt das Mindesthaltbarkeitsdatum?

Mindesthaltbarkeitsdatum Mindesthaltbarkeitsdatum

Im Kampf gegen die Lebensmittelverschwendung wollen Politiker der schwarz-gelben Koalition das Mindesthaltbarkeitsdatum abschaffen und ersetzen. Denn die Bezeichnung sei schuld daran, dass Verbraucher noch genießbare Lebensmittel einfach wegwerfen. EAT SMARTER erklärt, was sich hinter dem Änderungsvorschlag verbirgt, was das Mindesthaltbarkeitsdatum wirklich ist und wie Sie die Lebensmittelverschwendung auch ohne Änderung der Kennzeichnung eindämmen können.

Die Kino-Dokumentation "Taste The Waste" hat eindringlich gezeigt, wie viele eigentlich noch genießbare Lebensmittel weggeworfen werden. Die Bilder von meterhohen Müllbergen, egal ob vor Supermärkten, Großmärkten oder auf Feldern lassen niemanden kalt. Fazit des Films: Schuld an der riesigen Verschwendung sind alle - Verbraucher, Handel und Gesetzgeber.

Am vergangenen Mittwoch beschäftigte sich auch der Ernährungsausschuss des Bundestages mit dem Thema Lebensmittelverschwendung. Anlass hierfür war ein Vorschlag des FDP-Abgeordneten Hans-Michael Goldmann, den Begriff Mindesthaltbarkeitsdatum von den Verpackungen zu streichen. Denn diese Bezeichnung, so glaubt er, sei schuld daran, dass so viele Lebensmittel verschwendet werden. Das Datum hindere viele Verbraucher daran, diese Produkte noch zu essen, obwohl sie eigentlich noch genießbar wären. Weil aber Verpackungen ganz ohne Verzehr-Hinweise auch nicht funktionieren, schlug Goldmann den englischen Verzehr-Hinweis "best before..." als Alternative vor. Dieser sagt nur, dass das Lebensmittel am besten schmeckt, wenn es vor dem Tag XY gegessen wird.

Was ist das Mindesthaltbarkeitsdatum?

Der Grund: Laut Goldmann sind die Verbraucher über die wirkliche Bedeutung des Mindesthaltbarkeitsdatums nicht ausreichend aufgeklärt. Mit diesem Begriff gibt der Hersteller ein Datum an, bis zu dem er eine einwandfreie Qualität der Lebensmittel garantieren kann. Zu einwandfreier Qualität gehören laut Vorschriften Nährwert, Geschmack und Aussehen. Das bedeutet aber nicht, dass das Lebensmittel nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums plötzlich verdorben ist. Die Hersteller bauen ein dickes Sicherheitspolster ein, so dass die Ware normalerweise viel länger hält, als auf der Verpackung angegeben ist.

Ist das Mindesthaltbarkeitsdatum wirklich Schuld an der Verschwendung?

Das Bundesverbraucherministerium ist daher auch von Goldmanns Vorschlag wenig begeistert. Ein Sprecher verkündete: "Eine Abschaffung steht für uns nicht zur Diskussion." Er verwies darauf, dass die Vorschriften zum Mindesthaltbarkeitsdatum und zum Verbrauchsdatum auf EU-Ebene einheitlich geregelt sind. Dennoch sieht er einen erhöhten Aufklärungsbedarf im Umgang mit den Kennzeichnungen.

"Taste The Waste"-Regisseur Valentin Thurn glaubt indes nicht, dass man mit Kennzeichnungsregeln die Lebensmittelverschwendung überhaupt eindämmen kann. Seiner Meinung nach sind die geltenden Handelsnormen das größte Problem. "Die meisten Lebensmittelhändler nehmen den Bauern [...] bislang immer nur Gemüse ab, das perfekt aussieht – weil sie fürchten, sonst darauf sitzen zu bleiben. Dabei gibt es genügend Kunden, die auch krumme Gurken kaufen würden", beschwert sich Thurn im Focus-Interview. Auch für die Politiker hat er Verbesserungsvorschläge: "Die Politik könnte außerdem die Müllgebühren für den Handel erhöhen, damit der gezwungen ist, sich Alternativen zu überlegen - und beispielsweise mehr Nahrungsmittel an die Tafeln oder Mitarbeiter verschenkt."

Was mache ich mit abgelaufener Ware?

Falls Sie bei sich zuhause ein laut Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufenes Lebensmittel finden, können Sie ganz leicht überprüfen, ob es noch genießbar ist. Untersuchen Sie das Lebensmittel genau: Sieht es noch appetitlich aus, riecht es noch angenehm und ist nirgends Schimmel zu sehen, können Sie es ruhig essen.

Wir haben eine kleine Übersicht zusammengestellt, auf der Sie nachschauen können wie lange einzelne Lebensmittel haltbar sind.

Diese Empfehlung gilt aber nicht für leicht verderbliche Lebensmittel wie zum Beispiel Hackfleisch oder Geflügel. Für diese gilt nämlich der Verzehr-Hinweis "Verbrauchsdatum". Und dieser schreibt tatsächlich vor, bis zu welchem Datum ein Lebensmittel gegessen werden darf. Zusätzlich finden Sie auf der Verpackung auch noch Anweisungen, wie das Lebensmittel zu lagern ist, zum Beispiel eine genaue Temperaturangabe.

Die einzigen Lebensmittel, auf denen kein Datum stehen muss, sind entweder ganz frische Waren wie Obst und Gemüse oder sehr lange Haltbares wie hochprozentiger Alkohol, Salz oder Zucker.

Was Sie sonst noch tun können

Auch wenn das Bundesverbraucherministerium den ersten Vorstoß Goldmanns abgelehnt hat, zeigte sich der Abgeordnete nach der Debatte optimistisch: "Eine endgültige Klärung über den Umgang mit dem Begriff hat es noch nicht gegeben." Er wolle zunächst eine vom Ministerium vorgesehene Studie zu Lebensmittelverschwendung abwarten, bevor er weiter für seinen Vorschlag kämpft.

Während sich Handel und Politik noch nicht zu neuen Regelungen durchringen können, können Sie schon etwas gegen die Verschwendung unternehmen.

Kaufen sie clever ein! Schreiben Sie sich vor dem Einkauf eine Liste und lassen Sie sich nicht mit Sonderangeboten und Aktionswaren zu Spontaneinkäufen verführen.
Bereiten Sie nicht zu große Portionen zu! Eine kleine Hilfestellung: Für eine Portion Fleisch oder Fisch rechnet man 200 Gramm, bei Reis sind es etwa 80 Gramm und für Nudeln, Kartoffeln und Gemüse sollten Sie pro Person 150 Gramm einplanen. Sollten Sie Vollkornprodukte verwenden, können die Portionen ruhig etwas kleiner ausfallen, denn diese sättigen mehr.
Verwerten Sie Reste! Sie können Übriggebliebenes am nächsten Tag erneut essen oder portionsweise einfrieren.

(bor)

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Warum nach Herrn Goldmanns Meinung nun ein englischer Begriff unsere Lebensmittel kennzeichnen soll ist mir schleierhaft. Ist er nur zu faul seine Gehirnzellen mal zu strapazieren? Zur Not gibt es ja noch Wörterbücher wenn man des Englischen nicht mächtig ist, Herr Abgeordneter. Der Einzelhandel muss die Erläuterung des Begriffs MHD nur mal an exponierten Stellen anbringen.
 
hier werden die Deutschen mal wieder als Volk von Debilen hingestellt, die den Unterschied zwischen mindestens und höchstens nicht kennen sollen.
 
@Stefan: Du bist aber verbittert. Hier gehts halt nunmal um Lebensmittel und nicht ums Arbeitsrecht etc. Was sonst noch so in der Welt passiert kann man ja auch in anderen onlineportalen nachlesen, nämlich Nachrichtenmagazine die sich mit alles aus der Welt beschäftigen. Hier sind wir nunmal beim Thema Ernährung. Verbitterter Mensch....
 
Ich fände es sinnvoll wenn draufstehen würde, wie lange ein Lebensmittel nach dem Öffnen noch haltbar ist. und zwar nicht mindestens, sondern maximal.
 
Ich find die Diskussion unnötig. Aber es dient schwarz-gelb wie immer zur Ablenkung von politisch wirklich relevanten Inhalten. Man verbringt Zeit und beschäftigt die Medien mit Kleinigkeiten damit das "dumme" Wahlvolk nicht mitbekommt, was derweil an neuen Gesetzen beschlossen wird - aktuell zur Debatte steht auch das Kündigungsgesetz dazu findet sich aber nichts! Generell aber ist der Begriff doch selbsterklärend, das Produkt ist bis "mindestens zu diesem Datum haltbar", sonst hieße es "Maximalhaltbarkeitsdatum". Das Problem ist nur wie immer, der Verbraucher wird zum Mitdenken aufgefordert und da prallen zwei Welten aufeinander. Die Umbenennung ist eine reine formsache, das Prinzip bleibt ja, da wäre es einfacher dem Verbraucher mal zu erklären was genau ein MHD ist. Hierbei könnten auch die Einzelhändler in die Pflicht genommen werden.