Richtige Ernährung bei Schilddrüsenüberfunktion | EAT SMARTER
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Ernährung und Schilddrüsenüberfunktion – Jod spielt die SchlüsselrolleDurchschnittliche Bewertung: 31577

Ernährung bei Krankheiten

Ernährung und Schilddrüsenüberfunktion – Jod spielt die Schlüsselrolle

Ernährung bei Schilddrüsenüberfunktion Ernährung bei Schilddrüsenüberfunktion

Die Jodversorgung in Deutschland ist heute deutlich besser als früher. Dennoch hat fast jeder 10. eine latente oder symptomatische Schilddrüsenüberfunktion. EAT SMARTER erklärt, was Ihnen hilft, wenn Sie betroffen sind!

Ernährung bei Schilddrüsenüberfunktion: Welche Aufgaben hat die Schilddrüse?

Die Schilddrüse befindet sich unterhalb des Kehlkopfes. Aus Eiweiß und Jod produziert sie die wichtigen Schildrüsenhormone Trijodthyronin und Thyroxin. Bei einer Überfunktion bildet das Organ zu viele dieser Hormone. Leiden Sie selbst bei niedrigen Außentemperaturen unter Schweißausbrüchen und haben immer Appetit, nehmen aber nicht zu? Vielleicht schlafen Sie auch schlecht, sind oft angespannt und gereizt? Haben Sie ab und zu das Gefühl, Ihr Herz würde auch in Ruhe rasen und dabei ins Stolpern kommen und wundern sich, dass Ihre Hände manchmal zittern? Gut möglich, dass Sie unter einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) leiden. Gehen Sie unbedingt zum Arzt, um das klären zu lassen!

Schilddrüsenhormone: Die VIPs unter den Hormonen

Die Schilddrüse stellt zwei Hormone her, T3 (Trijodthyronin) und T4 (Thyroxin), die Speicherform für T3. Die Schilddrüsenhormone sind so etwas wie der Motor des Stoffwechsels, kurbeln sie doch die Wärmeproduktion des Körpers an, den Sauerstoffverbrauch, den Knochenstoffwechsel, den Energieverbrauch, die Herzfrequenz und sorgen beim Ungeborenen für eine ungestörte Gehirnentwicklung und das Ausreifen des Skeletts.

Wie wichtig die Schilddrüsenhormone sind, lässt sich schon an zwei Fakten ermessen: Ein Gramm Schilddrüsengewebe wird pro Minute von von 5 ml Blut durchflossen, während der voll belastete Herzmuskel es nur auf knapp 4 ml bringt, der Bizeps unter Volllast auf 0,6 und das Gehirn auf 0,56 ml. Und: die meisten Hormone können ihre Wirkung auf Zellen nur erreichen, indem sie an Bindungsstellen (Rezeptoren) auf den Zellen andocken, die dann eine Nachricht mit den jeweiligen Befehlen ins Innere der Zellen schicken. Die aktiven Schilddrüsenhormone (T3) hingegen werden von den Türstehern der Zellen einfach ins Innere durchgewunken, wo sie direkt und gezielt an bestimmte Abschnitte der Erbsubstanz DNS andocken und Gene an- oder abschalten. 

Paradox: Erst ist zu wenig Jod gefährlich, dann zu viel Jod

Um die Schilddrüsenhormone herstellen zu können, benötigt das schmetterlingsförmige Organ zwei Zutaten: Das Spurenelement Jod, das wir mit der Nahrung aufnehmen müssen und die Aminosäure Tyrosin, die in der Leber hergestellt wird. Noch bis in die 1990er Jahre war Deutschland ein Jodmangelgebiet. Das ließ sich direkt an der Größe der Schilddrüsen ablesen. Denn länger andauernder Jodmangel führt zu einer Vergrößerung der Schilddrüse, dem in früheren Zeiten sehr verbreiteten Kropf. Daraus wiederum entwickelt sich in vielen Fällen sogenanntes autonomes Schilddrüsengewebe, das ohne die Kontrolle übergeordneter Hormondrüsen (Hypophyse, Hypothalamus) massenhaft Schilddrüsenhormone produziert.

In Gegenden mit nahezu ausreichender Jodversorgung – zu denen durch die breite Verwendung von Jodsalz mittlerweile auch Deutschland gehört – haben etwa 6 Prozent der Menschen eine latente, unauffällige Schilddrüsenüberfunktion, etwa 2 Prozent eine, die sich mit den genannten Symptomen bemerkbar macht. Bei Symptomlosen mit einer latenten Überfunktion kann dann zu viel Jod in der Ernährung die Überfunktion sichtbar machen, also zu den geschilderten Symptomen führen.

Vorbeugen ist besser als behandeln

Eine akute Schilddrüsenüberfunktion behandelt der Arzt zunächst meist mit Medikamenten, die den Spiegel der Hormone im Blut normalisieren. Darüberhinaus kommen vor allem zwei Verfahren in Frage: die Radiojodtherapie, bei der radioaktives Jod einen Teil des Schilddrüsengewebes zerstört, und die operative Entfernung des überaktiven Schilddrüsengewebes. Allemal besser ist es aber durch eine Ernährung mit ausreichend Jod der Vergrößerung der Schilddrüse und deren Folgen vorzubeugen.

Ernährung bei Schilddrüsenüberfunktion: Seefisch, Milch und Mineralwasser

Die deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt ab einem Alter von 13 Jahren eine tägliche Jodaufnahme von 200 Mikrogramm (µg), ab dem 51. Lebenjahr nur noch 180 µg, Schwangeren 230 und Stillenden 260 µg.

Alle Seefische – auch Muscheln und Garnelen – sind jodreich. Seelachs etwa enthält 200 µg je 100 g, Miesmuscheln 105 und Meeräsche sogar 330 µg. 200 µg Jod stecken auch in einem Liter Milch (Biomilch nur 20 µg) und in einem Liter vieler Mineralwässer. Bei Letzteren schwankt der Jodgehalt von Marke zu Marke sehr stark. So enthalten einige Wässer weniger als 20 µg je Liter, andere zwischen 200 und 1.000 µg, einige aber auch mehr als 1.000 µg. Da eine tägliche Aufnahme nur bis 500 µg als sicher gilt, müssen Menschen mit einer latenten Schilddrüsenüberfunktion hier aufpassen. Das gilt erst Recht für getrocknete Algen, die teilweise in 10 g bereits das Zehnfache dieser sicheren Aufnahmemenge enthalten können.

Die Hormone der Schilddrüse sind die „Motoren“ des Stoffwechsels. Vor allem durch eine dauerhaft zu niedrige Versorgung mit Jod kann sich die Schilddrüse vergrößern und Bereiche ausbilden, die dann unkontrolliert zu viele Hormone produzieren. Nehmen die Betroffenen dann zu viel Jod zu sich, kann sich eine zuvor latente Überfunktion in eine symptomatische übergehen. Die Behandlung erfolgt mit Medikamenten, radioaktivem Jod oder Operation. Die beste Vorbeugung besteht in einer Ernährung, die ausreichend aber nicht zu viel Jod enthält. Am besten lässt sich dies durch die Verwendung von Jodsalz und den Genuss von Meeresfrüchten erreichen.

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Ich habe vor kurzem eine Therapie mit radioaktivem Jod in einer Klinik gemacht und strenges Jodverbott für meine Überfunktion bekommen. Das kann ich auch ganz gut befolgen. Ich bin aber ein leidenschaftlicher Fischesser und da trifft mich das Jodverbot besonders hart. Ich ging auf die Suche und fand außer Forelle noch einen jodfreien Fisch zum Dünsten und Braten bei einem renommierten Fischhändler. Und zwar: Ahrenhorster Edelwaller, den ich natürlich gekauft und mit Genuss gegessen habe. Er schmeckt sehr gut, ist ein bißchen teurer, aber dann kauft man einfach etwas weniger.
 
Wie wurde Deine Überfunktion festgestellt? Hattes Du auch eine Schilddrüsen-entzündung?
 
Der Artikel bringt keinen einzigen Ernährungstipp, was man BEI einer Überfunktion essen soll, nur vorbeugende Tipps, bevor die Überfunktion eingetreten ist. Klassische Themaverfehlung würde ich sagen.
 
Das verwirrt mich auch mehr, als dass es hilft! Bin erst seit kurzem an einer Überfunktion der Schilddrüse erkrankt und möchte natürlich die Medikamentierung durch eine passende Ernährung unterstützen. In der Klinik hat man mir vorerst von allem, was viel Jod enthält und speziell aus dem Meer kommt, abgeraten. Also konkretere Hilfe würde ich mir wünschen. Vielleicht hat ja jemand einen Tipp für mich. Der Artikel oben hat nicht geholfen.
 
Ja, danach habe ich auch gesucht, bevor ich diesen Artikel gelesen habe... Ich habe z.B. noch das hier gefunden: http://www.gesund.at/a/schilddruesenueberfunktion-essen-ernaehrung Eine Liste mit Nahrungsmitteln mit geringem Jodgehalt steht unten dran. Habe auch gehört, dass Hirse die Schilddrüse beruhigen soll.

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