Slow Food - essen im Schneckentempo | EAT SMARTER
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Der langsame Weg

Slow Food - essen im Schneckentempo

An fast jeder Straßenecke gibt es ein Burger-Lokal, eine Döner-Bude oder einen Imbiss: Fast Food ist überall. Den Soziologen Carlo Petrini nervt das. Und er will dagegen etwas tun. Mit seiner Organisation Slow Food kämpft er gegen den Hang zum schnellen Essen, damit sich Menschen wieder für regionale und ökologische Lebensmittel begeistern.

Als McDonald's 1986 eine Filiale gleich 50 Meter neben der Spanischen Treppe in Rom eröffnen will, wird es Carlo Petrini engültig zu viel. Schon viele der typischen kleinen italienischen Cafés, niedlichen Restaurants und Trattorien in seiner Umgebung mussten schließen, während die internationalen Fast Food-Ketten immer neue Filialen eröffnen. Lange schon ärgert sich der Soziologe über die zunehmende Zahl der Fast Food-Filialen in Italien, das Symbol für schnelle Küche. Jetzt, so beschließt er, ist es an der Zeit, endlich etwas gegen den Fast Food-Trend zu tun.

1989 gründet Petrini mit Freunden den Verein Slow Food. Als Symbol wählt Petrini eine Schnecke. Name und Logo spiegeln deutlich die Intentionen seiner Organisation wieder: Slow Food will die Esskultur "entschleunigen". Dazu gehört die Förderung von verantwortlicher, regionaler Landwirtschaft und artgerechter Viehzucht, sowie das Weitergeben von Ernährungswissen.

Was will Slow Food erreichen?

Gut, sauber und fair: Mit diesen drei kurzen Schlagwörtern fasst Gründer Petrini die Ziele von Slow Food zusammen. Was er damit meint, erklärte er im März in einem Interview in der Zeitung "die Welt": "Essen muss heute drei Eigenschaften besitzen: Es muss gut schmecken, aber auch sauber - ohne die Umwelt zu verschmutzen - hergestellt werden, und zwar zu einem Preis, der fair ist für all jene, die es erzeugen und konsumieren."

Was "gut schmecken" bedeutet, ist nicht schwer zu verstehen. Die anderen beiden Schlagwörter brauchen aber vielleicht ein wenig Erklärungsbedarf. Eine "saubere" Herstellung, kommt laut Petrini ohne Umweltverschmutzung aus. Konkret bedeutet das: Lebensmittel müssen ohne Pflanzengift, ohne Wachstumshormone, ohne gentechnische Veränderung und auch ohne Geschmacksverstärker produziert werden. "Fair" heißt, dass die Lebensmittel zu Preisen verkauft werden, von denen auch die regionalen Bauern und Erzeuger leben können. "Es muss Schluss sein damit, dass Großhändler am meisten und Bauern kaum etwas verdienen", fordert Petrini im Mai in einem Interview mit der "Zeit".

Eigentlich müsste der Slogan "gut, sauber und fair" um ein viertes Wort erweitert werden, nämlich "vielfältig". Denn auch die Förderung von Biodiversität liegt Slow Food am Herzen. Dr. Ursula Hudson, Vorsitzende von Slow Food Deutschland, erklärte auf der Fachmesse "InterMopro", warum das so ist: "Biodiversität im Zusammenhang mit Esskultur bedeutet, die Vielfalt des Geschmacks zu erhalten." Lokale Sorten und Rassen sind standortangepasst: Sie wachsen und leben nur in einer bestimmten Region und haben einen eigenen Geschmack, den es nirgendwo anders ein zweites Mal gibt. Um diese zu erhalten, muss man sie essen. Denn nur die Nachfrage sichert auch eine Herstellung. Hudson erklärt weiter: "Vielfalt auf dem Teller heißt auch, eine lokale oder regionale kulinarische Identität zu haben, die es zu bewahren gilt und sich von anderen, aufgrund der dort typischen Lebensmittel und ihrer Verarbeitung sowie Zubereitungsweisen, als Region zu unterscheiden."

Die Schnecke kriecht weiter

Das Konzept vom langsamen Essen ist erfolgreich. Überall auf der Welt stimmen Menschen den Forderungen von Slow Food zu. Weltweit gibt es schon mehr als 100.000 Mitglieder. In etwa 150 Ländern hat Slow Food eigene Zweigstellen, so genannte "Convivien". In Deutschland gibt es 79 lokale Gruppen mit über 10.000 Mitgliedern. Jeder kann bei Slow Food Mitglied werden, man muss dafür nicht Bauer oder Händler sein.

Doch Petrinis Kampf für eine langsamere Welt geht noch weiter: Er hat die Turiner Lebensmittelmesse "Salone de Gusto" ins Leben gerufen, die Universität der gastronomischen Wissenschaften in Pollenzo gegründet und zahlreiche Restaurant- und Weinführer veröffentlicht.

Übrigens, die Eröffnung McDonald's-Filiale an der Spanischen Treppe konnte Petrini nicht abwenden. Das Fast Food-Restaurant steht am Piazza Di Spagna, 46/47. (bor)

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bewegung zum Fast Food. Inzwischen hat der Verein mehr als 100.000 Mitglieder.
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