Unverpackt Einkaufen liegt im Trend | EAT SMARTER
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Food-Trends
Bulk Shopping bei Tante EmmaDurchschnittliche Bewertung: 5151
01. September 2015

Unverpackt einkaufen

Bulk Shopping bei Tante Emma

Bulk-Shopping, also unverpackt einkaufen im Tante-Emma-Laden, wird wieder modern. Trendforscherin Hanni Rützler erklärt die Hintergründe.

Auslage mit Gemüse und Obst vor einem Tante-Emma-Laden

Bulk Shopping ist der neue Trendbegriff im Handel. Und besonders umweltbewusste Kunden stellen sich mehr und mehr darauf ein, beim Einkauf ihre eigenen Behälter mitzubringen und sich die jeweiligen Wunschmengen der Waren in Selbstbedienung aus „Bulk Bins" zu entnehmen und abwiegen zu lassen. Neu daran ist freilich nur der englische Begriff. Denn diese Art des umweltbewussten, unverpackten Einkaufens haben einst ja schon unsere Großeltern oder Urgroßeltern gut beherrscht.

Der Tante-Emma-Laden ist wieder im Kommen

In manchem Tante-Emma-Laden war das sogar noch bis vor 40 Jahren üblich, ehe sich die Supermärkte flächendeckend durchgesetzt haben und Produzenten begannen, ihre Markenlebensmittel in Standardmengen immer aufwendiger abgepackt zu liefern. Ich erinnere mich noch an den ganz besonderen Geruch in diesen Greisslereien – wie die Tante-Emma-Läden in meiner Heimat Österreich genannt werden: Weil sich die Düfte der zahlreichen unterschiedlichen, in offenen Behältnissen gelagerten Waren magisch vermischt haben.

Auch wenn die Worte nicht miteinander verwandt sind, entspricht der österreichische Begriff Greisslerei dem im Angloamerikanischen für solche Gemischtwarenhandlungen üblichen Wort grocery. Der Kult um Bulk Shopping hat dort auch seinen Ausgangspunkt genommen, auch wenn viele groceries in den USA längst Supermarkt-Dimensionen angenommen haben. Etwa die „Rainbow Grocery“ in San Francisco, eine seit Mitte der 1970er Jahre existierende Bio-Kooperative, in der heute Bulk Shopping längst eine Selbstverständlichkeit ist.

Der Bio- und Qualitätsgedanke geht bei Rainbow Grocery Hand in Hand mit einer konsequenten „Zero Waste“-Philosophie: Gemüse- und Obst-Abfälle werden kompostiert, das Verpackungsmaterial wird konsequent minimiert. Denn Verpackungen und der daraus resultierende Müll sind eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Allein in Deutschland wandern jedes Jahr 16 Millionen Tonnen Verpackung in den Müll. Und einen großen Teil davon machen die Einwegverpackungen von Lebensmitteln aus, die Konsumenten häufig noch dazu nötigen, mehr zu kaufen, als sie tatsächlich brauchen. Was oft auch dazu führt, dass Lebensmittel im Müll landen, weil sie im Haushalt oft nicht solange lagerfähig sind.

Auch in Europa beginnt nun langsam ein Umdenken. „Original Unverpackt“ nennt sich konsequenterweise der Tante-Emma-Revival-Pionier in Berlin Kreuzberg, in dem man Lebensmittel, Naschwaren, Spirituosen, Kosmetik, Reinigungsmittel, Bücher, Behältnisse für den Transport und die Küche zu Hause, also fast alles, was man im Alltag so braucht, ohne Einwegverpackungen erwerben kann. Auch in anderen Städten entscheiden sich Lebensmitteleinzelhändler dazu, Waren lose anzubieten und damit Verpackungsmüll zu vermeiden. Meist sind es kleinere Läden, die bewusst auf die alte Bezeichnung Greisslerei oder Tante-Emma-Laden zurückgreifen, um sich vom konventionellen Supermarktangebot abzugrenzen.

Unverpackt einkaufen: meistens exquisite Lebensmittel

Aber heute sind sie meist keine klassischen Gemischtwarenhandlungen mehr: Waschmittel, Socken, Schulhefte und ähnliches finden sich kaum mehr im Sortiment. Es sind primär exquisite Lebensmittel, Köstlichkeiten von Kleinproduzenten, die über den Großhandel gar nicht zu vertreiben wären, die in den Regalen landen; handgemachte Spezialitäten, seltene Gemüsesorten und offene, unverpackte Waren, bei denen der Kunde oder die Kundin selbst entscheiden kann, wie viel er oder sie tatsächlich braucht und kaufen mag. Die alten Begriffe Greisslerei und Tante-Emma-Laden entledigen sich damit der lange Zeit negativen Konnotation von einem anspruchslosen und alltäglichen Sammelsurium an Lebensmitteln und Gebrauchswaren, und werden wieder aufgewertet und zu Marken für Geschäfte mit ausgesuchten Qualitätswaren, die offen und auch in kleinen Mengen abgegeben werden.

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Sehr interessant. Leider ist diese Form einzukaufen wohl mehr oder weniger nur in Großstädten wie Berlin usw. möglich
 
Dabei muss man aber trotzdem bedenken, dass die Waren in den Körben zum Teil an einer Hauptverkehrsstraße liegen , wo diverse LKW und immens viele Autos vorbei fahren und ihre Abgase darauf hinterlassen. Noch dazu der Feinstaub aus der Luft.Ich mag dann dieses Obst und Gemüse trotz waschens nicht mehr essen. Manchmal sind da nicht mal 3m Abstand zum Fahrdamm. Meist sind das ja die türkischen Obst- und Gemüsegeschäfte. Da gehe ich dann lieber ins Geschäft hinein , wo die gleichen Angebote liegen und kaufe diese. Die Biomärkte , die ich eh bevorzuge, haben ihre Waren meistens im Markt und nicht draußen und sind auch einzeln zu kaufen.