Portionsgrößen erscheinen uns kleiner als sie sind | EAT SMARTER
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Neue Studie

Portionsgrößen erscheinen uns kleiner als sie sind

Portionsgrößen – auch von Gummibären – werden häufig unterschätzt. © Herby (Herbert) Me - Fotolia.com Portionsgrößen – auch von Gummibären – werden häufig unterschätzt. © Herby (Herbert) Me - Fotolia.com

Essen Sie manchmal mehr als nötig? Dann sind Sie möglicherweise ein wunderbares Beispiel für jene Menschen, die Portionsgrößen nicht richtig wahrnehmen können. Verschiedene Wissenschaftler – darunter auch Forscher der Universität Bonn – sind dem Phänomen unterschätzter Portionsgrößen auf den Grund gegangen und haben Interessantes herausgefunden.

Der Nudelauflauf duftet herrlich. Da darf es gerne etwas mehr sein. Doch wieviel ist zu viel und welche Portion ist angemessen? Diese Frage stellen sich viele Menschen – und scheitern regelmäßig, wenn es darum geht, Portionsgrößen richtig einzuschätzen. Die korrekte Einordnung der Speisemengen fällt vielen Menschen schwer. Das haben Wissenschaftler eines internationalen Forscherteams herausgefunden, die der Frage nach der Wahrnehmung von Portionsgrößen auf den Grund gegeangen sind.

Grundschüler schätzen Portionsgrößen meist falsch ein

Im Rahmen der Untersuchung wurden drei Experimente mit Teilnehmern unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Gesundheitseinstellung durchgeführt. So nahmen zunächst 84 Grundschüler an einem Online-Versuch teil. Auf Fotos präsentierten ihnen Forscher der Universität Bonn im ersten Schritt Teller mit Schokoladenstückchen und kleinen Karotten, deren Anzahl ihnen mitgeteilt wurde. Die nächsten Bilder zeigten schließlich zunehmende Mengen, die die Kinder schätzen sollten. Das Ergebnis: „Je größer die Rationen wurden, desto mehr unterschätzten die Grundschüler die Schokoladen- und Karottenmengen“, so Prof. Dr. Bernd Weber, Leiter der Neurolmaging-Forschungsgruppe am Life & Brain Zentrum der Universität Bonn. Häufig empfanden die Jungen und Mädchen die Portionen sogar nur halb so groß, wie sie tatsächlich waren.

Auch Erwachsene haben Probleme beim Einschätzen von Portionsgrößen

Französische Forscher um Prof. Dr. Pierre Chandon von der Business School INSEAD widmeten sich daraufhin einer Erwachsenen-Testgruppe. Können sie Portionsgrößen besser einschätzen – so lautete die Frage. Um dies zu prüfen, legten die Wissenschaftler 115 jungen Erwachsenen Packungen mit Gummibären vor, deren Gewicht sie schätzen sollten. Die Süßigkeiten wurden zur Hälfte als ungesund und zur anderen Hälfte als Nahrungsmittel mit wertvollen Omega-3-Fettsäuren und Vitaminen deklariert. Ein Teil der Probanden durfte diese vorab probieren, was das Verlangen nach der süßen Ware steigerte. Bei diesem Experiment zeigte sich: Die Testpersonen, die die vermeintlich gesunden Süßigkeiten bekamen, verschätzten sich am meisten. All jenen, die Bären vorab kosten durften und die „ungesunde“ Variante erhielten, fiel die richtige Einschätzung der Portionsgrößen wesentlich leichter.

Gesundheitsbewussten Menschen fallen Schätzungen leichter

Beim dritten Test wurden schließlich Testpersonen gewählt, die vermeintlich stärker auf ihre Gesundheit und eine ausgewogene Ernährung achten. Forscher um Prof. Dr. Nailya Ordabayeva von der Universität Rotterdam rekrutierten zu diesem Zweck 116 Männer und Frauen aus einem Fitness-Studio. Die Probanden wurden zunächst zu ihrem Gesundheitsbewusstsein befragt. Anschließend präsentierte man ihnen Fotos mit unterschiedlichen Mengen Chips, die entweder als fettreduziert oder als normal ausgewiesen wurden. Hier schnitten Testpersonen, die sich selbst als gesundheitsbewusst einstuften, wesentlich besser ab als ihre etwas ungesünder lebenden Mitstreiter – und das vor allem, wenn Sie zu den Portionsgrößen der normalen Chips befragt wurden. Offenbar hatten die gesund lebenden Probanden bereits verinnerlicht, dass Chips fettig und eher ungesund sind.

Portionsgrößen von Ungesundem werden besser eingeschätzt

„Die Nahrungsmenge kann offensichtlich dann besonders gut eingeschätzt werden, wenn Probanden das Angebot verlockend finden und gleichzeitig wissen, dass es ungesund ist“, folgerte Prof. Ordabayeva aus dem Experiment, und Prof. Chandon betonte: „Bereits in früheren Untersuchungen konnte gezeigt werden, dass das menschliche Gehirn sehr schlecht darin ist, Veränderungen von Portionsgrößen zu unterscheiden. Im Durchschnitt schätzen wir eine Größenveränderung von 100 Prozent nur als 50 bis 70 Prozent größer ein. Mithilfe der neuen Studien konnten wir zeigen, wieso manche Menschen dies besser können als andere“. Für Prof. Weber aus Bonn bedeutet dies vor allem, dass auch Kampagnen zur gesünderen Ernährung neue Impulse setzten müssen: Es sollten bei Ernährungstipps nicht nur die negativen Folgen zu süßer und zu fetthaltiger Lebensmittel hervorgehoben werden, sondern auch das Positive Gefühl, wenn gesunde Lebensmittel schmecken. Diese Doppelstrategie führe mittelfristig dazu, dass Menschen das genauere Abschätzen des täglichen Portionsbedarfs erlernen.

(jad) 

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